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Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung

ePA soll zentrales Element des Primärarztsystems werden

ao
Politik
Die elektronische Patientenakte (ePA) soll zum „zentralen Dreh- und Angelpunkt“ des geplanten Primärarztsystems werden. Das hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekündigt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) befürchtet Mehraufwände.

Warken stellte am Mittwoch in Berlin Pläne für eine Weiterentwicklung der Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege vor. Demnach soll die ePA zum „zentralen Dreh- und Angelpunkt“ des geplanten Primärarztsystems werden. Über ihre Funktion als digitalen Datensatz hinaus soll die ePA als „digitaler Begleiter in der Versorgung“ weiterentwickelt werden. Geplant ist demnach, weitere Anwendungen wie die digitale Ersteinschätzung, digitale Terminvermittlung und E-Überweisung über sie abzuwickeln. Dadurch solle sie „spürbare Mehrwerte für Versicherte“ bieten.

KI-gestützte Dokumentation soll zum Standard in der Versorgung werden

Warken hofft, dass in der Folge die Zahl de aktiven ePA-Nutzer von heute rund 4 Millionen auf rund 20 Millionen bis 2030 steigt. Dafür soll der Zugang durch niedrigere Authentifizierungshürden erleichtert werden. Noch in diesem Jahr sollen zudem ein digital gestützter Medikationsprozess sowie Erinnerungsfunktionen für Versicherte eingeführt werden.

Laut der Strategie soll auch Künstliche Intelligenz (KI) künftig mehr genutzt werden. Dazu könnten KI-Anwendungen in sicheren Testumgebungen erprobt werden, unter Wahrung des Datenschutzes. Da heute insbesondere die KI-gestützte Dokumentation zu mehr Effizienz führe und Fachkräfte entlasten könne, solle sie künftig zum Standard in der Gesundheits- und Pflegeversorgung werden.

Mobiler TI-Zugriff für Ärzte und ein digitaler Check-in für Patienten

Zudem sollen Gesundheitsdaten künftig systematischer für die Forschung genutzt werden können. Geplant ist, den Zugang zu Gesundheits- und Pflegedaten für grenzüberschreitende Versorgung und Forschung zu erleichtern und das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ) an den neuen Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) anzubinden. Ziel sei, dass bis Ende 2026 mindestens 300 Forschungsvorhaben unter Nutzung von Daten aus dem FDZ durchgeführt beziehungsweise initiiert werden.

Das dritte große Handlungsfeld der Digitalstrategie soll die Stabilität der Telematikinfrastruktur (TI) sein. Um die Anfälligkeit für Störungen und Ausfälle zu verringern, soll ihre Komplexität reduziert werden und ein mobiler Zugriff für Leistungserbringende sowie ein digitaler Check-in für Patientinnen und Patienten die Nutzerfreundlichkeit erhöhen.

Gesetzentwurf soll bis Ende März vorliegen

Noch im ersten Quartal dieses Jahres will Warken einen Referentenentwurf für ein „Gesetz für digitale Versorgung und den Gesundheitsdatenraum“ vorstellen, das wesentliche Vorhaben der Strategie aufgreifen werde, kündigte sie an.

Die KBV begrüßte Warkens Digitalisierungspläne grundsätzlich. Positiv sei auch, dass die gematik gestärkt werden solle, indem sie Durchgriffsrechte gegenüber den Anbietern der TI erhalte.

KBV befürchtet Mehraufwand für die Praxen

Wenig optimistisch sieht hingegen die KBV die Pläne zur Weiterentwicklung der ePA. Dafür müssten vor allem auch Qualität und Funktionalität in den Blick genommen werden. „Solange die ePA nicht praxistauglich, stabil und ohne zusätzlichen Aufwand nutzbar ist, entsteht ein struktureller Mehraufwand im Praxisalltag“, erklärte Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner.

Die KBV hält vielmehr ein elektronisches Versorgungfach für erforderlich, damit zukünftig beispielsweise im Rahmen einer Ersteinschätzung erhobene Daten oder eine elektronische Überweisung verfügbar sind, auch wenn ein Patient keine ePA hat.

Aus Sicht des AOK-Bundesverbands ist der Ausbau der ePA hingegen „der richtige Weg“. Die elektronische Patientenakte solle zum Dreh- und Angelpunkt der Versorgung werden. „Das ist auch im Hinblick auf die geplante Einführung eines Primärversorgungssystems ein vielversprechender Ansatz“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Jens Martin Hoyer. Für eine aktive Nutzung durch die Patienten sei es dringend notwendig, die Zugangshürden für die Versicherten abzubauen.

Kassen wollen mehr Mitsprache bei gematik-Entscheidungen

Der AOK-Bundesverband forderte allerdings mehr Mitspracherecht bei gematik-Entscheidungen. „Wer bezahlt, muss auch mitbestimmen dürfen“, sagte Hoyer. Das spiegele sich in den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen und Entscheidungsprozessen der gematik-Gesellschafterversammlung nicht wider.

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