Ermler kritisiert beim BVD-Branchentreff Reformen nach dem „Prinzip Rasenmäher“
Die Bundeszahnärztekammer und der BVD pflegten schon lange ein partnerschaftliches Verhältnis, betonte Ermler heute bei der Eröffnung des BVD-Branchentreffs. Die zahnmedizinische Versorgung in Deutschland sei auch deshalb so hochwertig, weil Zahnärzteschaft, Zahntechnik und Fachhandel eng zusammenarbeiteten.
Ethanol-Verbot abgewendet
Dass die „Dentalfamilie“ etwas erreichen könne, wenn sie gemeinsam an einem Strang ziehe, hat sich laut Ermler beim Thema Ethanol gezeigt. Durch gemeinsamen Einsatz konnte eine Neubewertung und damit ein praktisches Verbot des Mittels zur Desinfektion von Händen und Oberflächen verhindert werden. „Ein solches Verbot hätte weitreichende Folgen für Krankenhäuser, Arzt- und Zahnarztpraxen, aber auch Hersteller und Dentalhandel gehabt. Indem wir jedoch alle ordentlich für eine Beibehaltung getrommelt haben, konnten wir ein Verbot abwenden“, so Ermler.
Kein gutes Haar ließ die BZÄK-Präsidentin am Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Zwar gebe es angesichts der Kostenentwicklung im Gesundheitssystem Reformbedarf. „Aber hier sollte überlegt und weitsichtig vorgegangen werden und nicht nach dem Prinzip Rasenmäher“, kritisierte sie.
Der Gesetzentwurf gefährde „die nachhaltigen und deutlichen Verbesserungen der Mundgesundheit der Menschen in Deutschland“, warnte Ermler. Es mute „wie Hohn an“, dass das Bundesgesundheitsministerium den Entwurf nur rund eine Woche nach der Vorstellung der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie, der DMS 6, vorgelegt habe, bei der die Zahnärzteschaft die Erfolge der zahnärztlichen Präventionsarbeit wissenschaftlich belegen konnte.
Pläne zur Kieferorthopädie setzen Existenz vieler Praxen aufs Spiel
Insbesondere der geplante Eingriff in die Kieferorthopädie lasse eine tiefgreifende Gefährdung der Versorgung befürchten. „Denn wenn nur noch Fachärztinnen und Fachzahnärzte für Kieferorthopädie diese Behandlungen durchführen dürfen, kommt dies für Zahnärzte, die auch kieferorthopädisch arbeiten, einem faktischen Berufsverbot gleich. Das setzt die Existenz vieler Praxen aufs Spiel und kann in der Folge dazu führen, dass weit über 920.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ihren Behandler verlieren werden“, warnte Ermler. Besonders die ostdeutschen Bundesländer wären hier betroffen, was die ohnehin angespannte Versorgungssituation weiter verschärfen würde.
Der Referentenentwurf gefährde daher massiv die bislang erreichten Erfolge in der Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen der letzten Jahrzehnte und werde „zur sozialen Spaltung der Gesellschaft sowie zwischen ländlichem und städtischem Raum beitragen“. „Bei Umsetzung dieses Entwurfs wird man künftig soziale Unterschiede wieder an den Zähnen erkennen können“, kritisierte Ermler.
BVD-Branchentreff 2026 in Berlin
Unter dem Leitmotiv „Vernetzen. Diskutieren. Gestalten.“ versammelt sich die Dentalbranche heute und morgen beim BVD-Branchentreff 2026 in Berlin. Eingeladen hatte der Bundesverband Dentalhandel e.V. Fachlicher Schwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema „Künstliche Intelligenz in der Zahnmedizin“. Unter anderem zeigte Prof. Dr. Falk Schwendicke, einer der international führenden Experten für digitale Zahnheilkunde, wie Künstliche Intelligenz Diagnostik, Therapieentscheidungen und Praxisorganisation bereits heute verändert – und wo Chancen, Grenzen und regulatorische Hürden liegen.
Zudem widerspreche der Referentenentwurf der Systematik der zahnärztlichen Approbation, wonach die Zahnmedizin in Deutschland ein einheitlicher Heilberuf sei. Alle Zahnärztinnen und Zahnärzte würden auf Grundlage einer bundeseinheitlich geregelten Ausbildung approbiert, die auch alle Kenntnisse rund um kieferorthopädische Behandlungen vom einfachen bis mittelschweren Bereich umfasse. Diese Leistungen gehörten damit zum grundsätzlichen Tätigkeitsspektrum. „Das jetzige Vorhaben des BMG würde aber zu einer Zweiteilung des Berufsbildes führen“, kritisierte die BZÄK-Präsidentin.


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