Fast jeder Deutsche geht auch krank zur Arbeit
Der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse zufolge hat sich mehr als jeder Dritte (37 Prozent) sogar schon einmal zur Arbeit geschleppt, obwohl es ihm - zum Beispiel wegen Fiebers - richtig schlecht ging. Gut die Hälfte (53 Prozent) hat laut Studie versucht, den Arbeitstag mit Hilfe von Erkältungsmitteln zu überstehen.
„Natürlich ist es prinzipiell lobenswert, wenn Arbeitnehmer Einsatz zeigen“, sagt Iris Roth von der KKH. „Wer aber trotz Krankheit den Arbeitsplatz aufsucht, tut weder sich noch seinem Arbeitgeber wirklich etwas Gutes.“ In Zeiten von Erkältungswellen könnten sich auf diese Weise Viren rasant ausbreiten. Die Folge: Weitere Beschäftigte stecken sich an, der Krankenstand steige.
Medikamentenverbrauch aller Versicherten steigt seit 2004 um fast 50 Prozent
Falscher Ehrgeiz könne sich aber auch für den kranken Arbeitnehmer selber rächen, betont Roth. „Wer trotz Krankheit seinem Job nachgeht, läuft Gefahr, die Krankheit zu verschleppen“, sagt sie. „Das heißt, das dicke Ende kommt oft noch, unterm Strich fehlt der Arbeitnehmer sogar länger.“ Forsa hatte zwischen 22. und 25. April im Auftrag der Kasse 1.001 Erwerbstätige zwischen 18 und 65 Jahren befragt.
Eine zeitgleich veröffentlichte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) weist aus, dass die Menschen in Deutschland immer mehr Arzneimittel nehmen - mittlerweile sind es im Durchschnitt 1,5 Präparate am Tag. Damit habe in den vergangenen zehn Jahren hatte der Verbrauch pro Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung um nahezu die Hälfte zugenommen.
Insgesamt haben die knapp 70 Millionen Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen demnach 2013 in Deutschland von niedergelassenen Ärzten 642 Millionen Arzneimittelpackungen verordnet bekommen. In diesen Arzneimitteln waren 38,1 Milliarden Tagesdosen enthalten.