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Longitudinal-Studie begleitet über 10.000 Probanden 70 Jahre

„Fluorid im Trinkwasser schadet dem IQ von Kindern nicht!“

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Zahnmedizin
Forschende der Universität Minnesota haben erneut die Zusammenhänge zwischen der Trinkwasser-Fluoridierung, dem IQ von Jugendlichen und der Kognition im Lebensverlauf anhand repräsentativer Daten aus dem US-Bundesstaat Wisconsin untersucht.

Mindestens 21 US-Bundesstaaten haben laut der National Conference of State Legislatures bisher Gesetzesentwürfe zum Fluoridverbot eingebracht. Utah und Florida waren die ersten, die entsprechende Verbote verabschiedeten; beide traten im vergangenen Jahr in Kraft.

Als Begründung, warum die Trinkwasserfluoridierung in Teilen der USA gestoppt wurde, diente zumeist eine kürzlich durchgeführte Analyse, die einen Zusammenhang zwischen Fluoridbelastung und einem verminderten IQ von Jugendlichen hergestellt hat. Qualität und Aussagekraft dieser Studie wurden jedoch grundlegend infrage gestellt, insbesondere weil sich das Team um Kyla W. Taylor auf extrem hohe Fluoriddosierungen – weit über die für die Diskussionen um die Trinkwasserfluoridierung relevanten Werte – bezog. Keine der Outcomes stammte aus bevölkerungsrepräsentativen Stichproben; die meisten zitierten Studien berücksichtigten nicht die Selektion der Studienteilnehmer; keine basierte auf in den USA erhobenen Daten.

Die Ergebnisse auf einen Blick

  1. Es gibt keine Belege für einen Zusammenhang zwischen der Fluoridierung des Trinkwassers und dem IQ von Kindern.

  2. Es gibt auch keine Belege für einen Zusammenhang zwischen der Fluoridierung des Trinkwassers und der kognitiven Leistungsfähigkeit zu verschiedenen Zeitpunkten im späteren Leben.

  3. Die Ergebnisse bestätigen Erkenntnisse aus früheren Untersuchungen, die ebenfalls eine nationale Stichprobe verwendeten, jedoch Schulleistungstests anstelle tatsächlicher IQ-Werte berücksichtigten.

Die Evidenz zur Assoziation zwischen dem IQ von Jugendlichen und der Fluoridbelastung in den für die Trinkwasseraufbereitung empfohlenen Konzentrationen ist uneinheitlich.

Prof. John Robert Warren vom College of Liberal Arts der University of Michigan hatte kürzlich die erste Analyse zum Zusammenhang zwischen Trinkwasseraufbereitung und Kognition über den gesamten Lebensverlauf vorgelegt. Er und seine Kollegen sind auch die ersten, die bevölkerungsrepräsentative Daten aus USA untersuchten und mögliche Störfaktoren berücksichtigten. Sie fanden keine Hinweise auf negative Assoziationen zwischen Trinkwasseraufbereitung und kognitiven Fähigkeiten von Jugendlichen oder Erwachsenen.

Nun wollten sie ihre Analysen in zwei Punkten verbessern. Erstens: Während sie in ihrer ersten Arbeit die Folgen der Fluoridexposition auf die schulischen Leistungen von Jugendlichen geschätzt haben, modelliert ihre aktuelle Studie die Effekte auf den IQ von Jugendlichen. Zweitens: Während sie zuvor annehmen mussten, dass Schüler der Sekundarstufe ihr gesamtes Leben im Umfeld ihrer Schule verbringen, berücksichtigt ihre neue Arbeit auch die geografische Mobilität während der Kindheit (und damit eine gleichbleibende Behandlung).

Materialen und Methoden

Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler Daten der Wisconsin Longitudinal Study (WLS), die eine Zufallsstichprobe von 10.317 Highschool-Absolventen von 1957 bis 2026 begleitete. Über diese Datenbank, die auch alle Schuladressen enthält, konnten sie feststellen, wo die Probanden über die Zeit hinweg lebten. Sie identifizierten zudem die Trinkwasser-Exposition (community water fluoridation, CWF) der Studienteilnehmer bis zum Alter von 14 Jahren – also vor dem Zeitpunkt, zu dem üblicherweise IQ-Tests durchgeführt werden – anhand von Informationen zu CWF-Praktiken und dem natürlichen Fluoridgehalt in unbehandeltem Brunnenwasser.

Schüler wurden als von Geburt an exponiert eingestuft, wenn mindestens ein unbehandelter Brunnen in ihrem Landkreis einen natürlich ausreichenden Fluoridgehalt aufwies. Andernfalls wurden sie ab dem Jahr, in dem ihre Gemeinde mit der Trinkwasserfluoridierung begann, als CWF-exponiert eingestuft. 

„Da die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser der US-amerikanischen Kommunen deutlich niedriger sind, sind fast alle bisherigen Erkenntnisse aus diesen internationalen Studien für die öffentliche Debatte in den USA irrelevant.“

Studienleiter Prof. John Robert Warren vom College of Liberal Arts der University of Michigan

Der IQ von Jugendlichen wurde in der neunten und dritten Klasse mithilfe des standardisierten Henmon-Nelson-Tests an den Schulen ermittelt. Die Kognition im Alter von 53, 64 und 72 Jahren wurde mithilfe Wechsler-Intelligenzskala für Erwachsene (WAIS) gemessen. Die Kognition im Alter von 80 Jahren wurde via eines modifizierten Telefoninterviews zur Erfassung des kognitiven Status (TICSm) erfasst.

Der IQ wurde jetzt mithilfe von Tests ermittelt

Die Kontrollvariablen wurden 1957 erhoben und umfassen die elterliche Bildung, den Beruf des Vaters, das Familieneinkommen und die Gemeindegröße. Berücksichtigt wurden auch die schulischen Mittelwerte als Indikatoren für den sozioökonomischen Hintergrund der Familien. Leider wurden im Rahmen der WLS keine Informationen zur Zahnpflege im Jugendalter oder zu anderen Fluoridquellen als dem Trinkwasser erhoben.

Im Ergebnis gibt es keine Belege für einen Zusammenhang zwischen der Trinkwasser-Fluoridierung und dem IQ von Kindern. Es gibt auch keine Belege für einen Zusammenhang zwischen der Fluoridierung des Trinkwassers und der kognitiven Leistungsfähigkeit zu verschiedenen Zeitpunkten im späteren Leben. Die Studie bestätigt demnach Erkenntnisse aus früheren Untersuchungen, die auch eine nationale Stichprobe verwendeten, aber Schulleistungstests anstelle tatsächlicher IQ-Werte heranzogen.

Utah und Florida trafen eine Entscheidung auf der Basis fehlerhafter Studien

„Utah, Florida und viele andere Kommunen haben sich aufgrund fehlerhafter Studien, die die Auswirkungen hoher Fluoriddosen auf die Intelligenz untersuchten, für die Entfernung von Fluorid aus dem Trinkwasser entschieden“, sagte Studienleiter Warren. „Da die Fluoridkonzentrationen im Trinkwasser der US-amerikanischen Kommunen deutlich niedriger sind, sind fast alle bisherigen Erkenntnisse aus diesen internationalen Studien für die öffentliche Debatte in den USA irrelevant.“

„Im Gegensatz zu den Studien, die in den jüngsten Entscheidungen zur Beendigung der Trinkwasserfluoridierung in Utah, Florida und anderen Bundesstaaten zitiert wurden, finden wir keine Hinweise darauf, dass die Trinkwasserfluoridierung negativ mit dem IQ von Jugendlichen oder der kognitiven Leistungsfähigkeit im Erwachsenenalter zusammenhängt“, bilanzieren die Forschenden.

Ihre Ergebnisse „liefern keine Argumente für die Behauptung, dass die Fluoridierung des Trinkwassers in der Gemeinde einen schädlichen Einfluss auf den IQ von Kindern oder auf die Kognition von Erwachsenen hat“, bekräftigt Mitautorin Gina Rumore, Co-Direktorin des Demography and Economics of Aging Coordinating Center der Universität Minnesota.

Die Forschung wurde vom National Institute on Aging, dem Vilas Estate Trust, der National Science Foundation und der Spencer Foundation unterstützt.

Warren, John Robert, Municipal water fluoridation, adolescent IQ, and cognition across the life course: Evidence from the Wisconsin Longitudinal Study, Proceedings of the National Academy of Sciences (2026). DOI: 10.1073/pnas.2536005123.

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