Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (Klug)

Forderung: Bessere Ernährung im Gesundheitswesen

LL
Gesellschaft
Will man die Gesundheit der Menschen verbessern, muss man deren Ernährung verbessern –auch im Gesundheitswesen. Das fordert die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit und legt ein Positionspapier vor.

Für rund ein Drittel aller vorzeitigen Todesfälle in Europa ist eine ungesunde Ernährung verantwortlich, erinnert Klug in ihrem gerade veröffentlichten Papier „Food for Future: Ernährungswende für individuelle und planetare Gesundheit“. „Darüber hinaus trägt unser Ernährungssystem zur Klimakrise, zum Artensterben und zur Überschreitung weiterer planetarer Belastungsgrenzen bei“, argumentieren die AutorInnen.

Dabei habe das Gesundheitssystem eine Vorbildfunktion. Die derzeitige Verpflegung beispielsweise in Krankenhäusern sei allerdings überwiegend weder gesundheitsförderlich noch ökologisch nachhaltig. Zentral und als Mindeststandard für die Einrichtungen des Gesundheitswesens und auch für öffentliche Kantinen sieht die Allianz die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Klar sei, dass die Kliniken zu Verbesserung zusätzliche finanzielle Mittel und personelle Unterstützung benötigten.

Drei Mahlzeiten müssen mehr kosten dürfen als nur fünf Euro

Die Kritik der Autoren: In den genannten Einrichtungen müssten drei Mahlzeiten für durchschnittlich fünf Euro pro Tag und Person zubereitet werden. Sie erinnern auch, dass Ernährung aktuell zu den ‚Nicht-Medizinischen Leistungen‘ im DRG-System zähle und damit finanziell in Konkurrenz beispielsweise zu Haustechnik, Reinigung oder Wäsche stehe.

Die Ernährungsmedizin und -therapie im ambulanten und stationären Bereich zu stärken, ist eine weitere zentrale Forderung. Dafür sollten Patienten in Kliniken sowie Bewohner in Pflegeheimen auf Mangelernährung gecheckt werden und Ernährungsteams für ernährungsmedizinische und -therapeutische Betreuung zur Verfügung stehen, lautet ein Verbesserungsvorschlag.

Ernährung als sozial gerechtes Projekt

Nicht zuletzt müsse die Ernährungswende sozial gerecht gestalten sein: „Gesunde und nachhaltige Ernährung muss zur günstigsten und einfachsten Wahl werden, zum Beispiel indem die Mehrwertsteuer auf unverarbeitetes und niedrig verarbeitetes Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte abgeschafft wird und gesundheitsförderliche Ernährungsumgebungen geschaffen werden“, heißt es im Positionspapier. Außerdem wird eine kostenlose Kita- und Schulverpflegung für alle Kinder gefordert.

Weitere Vorschläge beziehen sich auf die Vermeidung von Speiseabfällen, verbindliche Kennzeichnungssysteme auf EU-Ebene für Tierwohl, Gesundheits- und Nachhaltigkeitsaspekte sowie die Einführung des verpflichtenden Schulfachs „Gesundheit und Nachhaltigkeit“.

WHO warnt noch einmal vor Transfetten

Der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme sei der Wechsel hin zu einer vollwertigen, überwiegend pflanzenbasierten Ernährung. Diese beuge Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen vor und trage gleichzeitig entscheidend zum Schutz der Umwelt bei. WissenschaftlerInnen haben daher die „Planetary Health Diet“ entwickelt, schreibt Klug: Diese basiert überwiegend auf pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen, enthält Milchprodukte nur in Maßen, und Fleisch – insbesondere rotes Fleisch – nur in sehr geringen Mengen.

Fast zeitgleich warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Zwischenbilanz davor, dass geschätzt fünf Milliarden Menschen zu viele gesundheitsschädliche Transfette über ihre Nahrung aufnehmen. Diese seien pro Jahr für den vorzeitigen Tod von einer halben Million Menschen verantwortlich – vorwiegend durch die verursachten koronaren Herzerkrankungen.

In der Europäischen Union dürfen seit 2021 nur Produkte verkauft werden, die weniger als zwei Gramm industrielle Transfette pro 100 Gramm Fett enthalten. Welchen Effekt das haben kann, zeigt das Beispiel Dänemark: Hier wurden industrielle Transfette bereits vor 20 Jahren deutlich beschränkt. Laut WHO sind Herz-Kreislauf-Krankheiten dort seitdem signifikant zurückgegangen.

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