Genmuster soll aggressive Kopf-Hals-Tumoren besser erfassbar machen
Kleine Zellverbände am Rand von Kopf-Hals-Tumoren gelten seit Längerem als möglicher Hinweis auf ein erhöhtes Progressionsrisiko. Diese als Tumor Budding bezeichneten Strukturen stehen mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf in Verbindung. Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und der Technischen Universität München hat nun die Genaktivität solcher Areale genauer untersucht.
Ablösung kleiner Zellcluster könnte Metastasierungsrisiko erhöhen
Grundlage war eine räumlich aufgelöste Transkriptomanalyse an Gewebeproben von HPV-negativen Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen. Dabei wurde erfasst, welche Gene in den abgesonderten Zellclustern aktiv waren und wie sich diese Muster vom übrigen Tumorgewebe unterschieden. Aus den Daten leitete das Team eine Signatur aus 28 Genen ab. Mit ihrer Hilfe ließen sich knospende Tumorareale von anderen Gewebeanteilen abgrenzen. Nach Angaben der Autoren war die Signatur in weiteren Datensätzen zudem mit klinisch ungünstigeren Verläufen assoziiert.
Bei Tests an externen Transkriptom-Datensätzen von Kopf-Hals-Tumoren ließen sich mithilfe der Signatur zuverlässige knospende von nicht knospenden Tumoren unterscheiden sowie auf die Überlebenszeit der Patientinnen und Patienten schließen.
Plattenepithelkarzinome
Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereich gehören mit etwa 18.000 jährlichen Neuerkrankungen zu den zehn häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Sie können an den Lippen, in der Mundhöhle und an der Zunge, im Rachen und tieferen Bereichen des Halses vorkommen. Bekannte Risikofaktoren sind Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV), Rauchen, Alkoholkonsum oder langjähriger Umgang mit Schadstoffen wie chrom- und nickelhaltigen Farben und Lacken. Die Prognose hängt stark von Stadium, Lokalisation und biologischen Eigenschaften des Tumors ab. Etwa jeder zweite Betroffene überlebt die ersten fünf Jahre nach der Diagnose nicht.
Die Befunde liefern damit nicht nur zusätzliche Einblicke in die Invasionsbiologie dieser Tumoren. Sie könnten perspektivisch auch dazu beitragen, das Tumorverhalten präziser einzuordnen. Darüber hinaus fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass Zellen mit entsprechender Signatur auf MEK-Inhibitoren ansprechen könnten. Ob sich daraus ein belastbarer therapeutischer Ansatz ableiten lässt, müssen allerdings weitere Untersuchungen zeigen.
„Unsere Studie trägt zu einem besseren Verständnis der molekularen Mechanismen der aggressiven Kopf-Hals-Tumoren bei. Zudem haben wir mit den MEK-Inhibitoren einen möglichen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Therapien gefunden“, bilanziert Studienleiter Prof. Dr. Jan Budczies.
Ourailidis, I., Ball, M., Vogel, V. et al. Spatial transcriptomics reveals a molecular tumor budding signature in head and neck cancer. Genome Med 18, 43 (2026). https://doi.org/10.1186/s13073-026-01612-2



