5. Symposium zur Seniorenzahnmedizin

„Häusliche Pflege-Zahnmedizin ist kein Hexenwerk!"

von LL/pm
ZahnmedizinAlterszahnheilkunde
„Alters-Zahnmedizin und Häuslichkeit” war das Thema des 5. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnheilkunde (DGAZ) am 16. März in Köln. Die Botschaft: „Häusliche Pflege-Zahnmedizin ist kein Hexenwerk."

Fünf Referenten widmeten sich mit ganz unterschiedlicher Zugangsweise der zahnmedizinischen Betreuung von zu Hause gepflegten Patienten – ein Aspekt der Alterszahnheilkunde, der nach einhelliger Meinung bislang eher zu kurz kommt. Entsprechend lautete das Motto des Symposiums „Pflegebedarf beginnt nicht im Seniorenheim”.

In seinem Grußwort betonte Prof. Dr. Michael Noack, dass sich die Seniorenzahnmedizin mittlerweile als wichtiger Bereich der Zahnmedizin etabliert hat und unter weit besseren Rahmenbedingungen als in den Anfängen stattfindet.

Ein blinder Fleck der Alterszahnmedizin

Prof. Dr. Christoph Benz, Präsident der Bundeszahnärztekammer und Vizepräsident der DGAZ, stellte in seinem Vortrag die Entwicklung der Behandlung der Pflegebedürftigen vom „Exotenstatus” auf einen Platz mitten in der Zahnmedizin dar. Wichtige Meilensteine seien dabei die Erweiterungen des BEMA um Pflegepositionen in den Jahren 2013 und 2019 sowie jüngst die PAR-Richtlinie. Benz wies auf die stark wachsende Zahl der Pflegebedürftigen hin, von denen bereits heute etwa 80 Prozent zu Hause lebten.

Die Frage, „was die Kollegen dort machen”,  sei schwer zu beantworten, sagte Benz. Es handele sich um einen „blinden Fleck der Alterszahnmedizin”. Da die Zahl der an Karies erkrankten beziehungsweise verlorenen Zähne zurückgeht, änderten sich auch die Behandlungsbedarfe in Zukunft sehr stark. Es gelte zwar der Kernsatz: „Pflege ist keine große Prothetik”, die aber an den vielen kleinen Dingen hängt, betonte Benz. Zentral sei „das Restlebensglück der alten Menschen!”. Vieles müsse dabei mit einfacheren Mitteln in der Häuslichkeit umgesetzt werden.

Abschließend thematisierte Benz, ob die Zahnärzteschaft das Thema Delegation – nur für den Sonderbereich „häusliche Pflege” – aufgreifen müsse. Bei allen bedenkenswerten Vorschlägen gelte es, das Risiko eines „Zahnarzt light” unbedingt zu vermeiden und keine zusätzlichen Berufe einzuführen. Sein Fazit: „Häusliche Pflege-Zahnmedizin ist kein Hexenwerk, absolut zukunftsfest und einer unserer ganz wenigen Wachstumsbereiche, die der Berufsstand wahrnehmen sollte.”

auch die Pfleger altern

Aus der technischen Perspektive beleuchtete Prof. Dr. Patrick Jahn die Zukunft der häuslichen Pflege. Als ehemaliger Pfleger arbeitet der heutige Leiter der AG Versorgungsforschung in der Inneren Medizin der Universität Halle nah an der Praxis. Seine These: Nicht nur die Pflegebedürftigen, sondern auch die Pfleger altern und benötigen ebenso dringend technische Unterstützung wie die von ihnen betreuten Menschen.

Jahn stellte das breite Spektrum von Hilfen vor, das die Robotik heute bereitstellt oder in Kürze bereitstellen wird – von „intelligenten Betten” über Exoskelette für den Pfleger bis zu Assistenz- und Diagnosesystemen. Einige komplexe Roboter stünden bereits an der Schwelle zur Einsatzbereitschaft, böten Objekt- und Gesichtserkennung sowie autonome Navigation und könnten mittels Greifarm oder gar Fünf-Finger-Hand Arbeiten am Patienten vornehmen.

Prof. Dr. Christiane Schiessl, Anästhesistin, Schmerztherapeutin und Palliativmedizinerin, wurde aus München per Videoübertragung zugeschaltet. Die Chefärztin einer Tagesklinik für Schmerzmedizin widmete sich kommunikativen Herausforderungen, die sich dem Zahnarzt bei der aufsuchenden Betreuung stellen.

Schon das Gespräch auf Augenhöhe ist schwer umzusetzen

Sie erklärte, sie habe die Fortschritte der „sprechenden Zahnmedizin” erfreut zur Kenntnis genommen. Allerdings seien viele allgemeingültige Kommunikationsregeln für Zahnärzte schwer umzusetzen, angefangen mit dem Gespräch auf Augenhöhe. Denn natürlich reduzierten die Schutzausrüstung des Behandlers und die Mundöffnung des Patienten Mimik und Gestik stark. Zudem arbeite der Zahnmediziner in einem zentralen Intimbereich des Menschen.

Auch für den aufsuchenden Behandler gebe es zusätzliche Stressfaktoren: eine fehlende Planbarkeit aufgrund der unbekannten Arbeitsumgebung sowie häufig die Anwesenheit von Pflegern oder Angehörigen des Patienten. Als wichtiges Hilfsmittel, um diese Herausforderungen zu bewältigen, wies Schiessl auf den kostenlosen

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hin. Damit lasse sich die wissenschaftlich evaluierte Kommunikationsmethode leicht erlernen, die Personen in Behandlung in eine aktivere Rolle bringt, die Patientensicherheit und Compliance erhöht und neue Möglichkeiten für eine gemeinsame Entscheidungsfindung eröffnet.

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