Studie zu Mundhöhlenkrebs

Hohe Nervendichte erhöht das Sterberisiko

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Zahnmedizin
Eine hohe Nervendichte bei oralen Plattenepithelkarzinomen könnte das Sterberisiko der Patienten erhöhen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der University of Michigan.

Forschende der University of Michigan haben den Zusammenhang zwischen der Nervendichte im Tumor und dem Tumorwachstum bei oralen Plattenepithelkarzinomen untersucht. Die Nervendichte in der Mikroumgebung des Tumors scheint Auswirkungen auf die Überlebenschancen zu haben.

"Wir erkennen immer mehr, dass es eine sehr dynamische Interaktion zwischen Nerven und Krebszellen in der Mikroumgebung des Tumors gibt", sagte Nisha D'Silva, Hauptautorin der Studie und Professor of Oral Pathology an der University of Michigan School of Dentistry. Sie und ihr Team untersuchten anhand von Gewebeschnitten von insgesamt 142 Patientinnen und Patienten, wie die Nervendichte in einem Tumor mit seinem Wachstum zusammenhängt.

Die Mundhöhle besteht aus mehreren Regionen, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben. Die Nerven in der Innenseite der Wange sind weniger dicht als die Nerven auf der Zunge. Daher ergibt die Betrachtung der Nervendichte des Tumors ohne Berücksichtigung der normalen Innervation der verschiedenen Bereiche in der Mundhöhle und der individuellen Unterschiede ein ungenaues Bild bei der Beurteilung, ob ein Tumor aggressiv ist.

Aauch nicht krebsartige Nerven begünstigen das Tumorwachstum

Um die Unterschiede in der Verteilung der Nerven in der Mundhöhle zu verdeutlichen, entwickelte das Team eine standardisierte Metrik für die Nervendichte: die sogenannte normalisierte Nervendichte, die das Fortschreiten des Tumors aufzeigt. Der größte Teil der Arbeit wurde mit menschlichem Gewebe durchgeführt, das Team validierte die Ergebnisse dann anhand eines Mausmodells.

Die Wissenschaftler verwendeten angrenzendes Gewebe zum Vergleich und zur Bestimmung einer "normalisierten" Dichte für verschiedene Regionen in der Mundhöhle. "Wir konnten zeigen, dass Tumore mit einer hohen normalisierten Nervendichte bei Patienten mit Zungenkrebs mit einem schlechten Überleben verbunden zu sein scheinen. Wir fanden auch heraus, dass Patienten mit hoher normalisierter Nervendichte und einem geringeren Abstand zwischen dem Nerv und dem Tumor schlechtere Überlebenschancen haben", sagte D'Silva. Dies deute darauf hin, dass auch nicht krebsartige Nerven im Tumor das Tumorwachstum begünstigen.

Die Nerven offenbaren, welche Krebsarten aggressiver sind

Eine Herausforderung bei der Behandlung von Mundhöhlenkrebs ist die Neigung zu Rezidiven. Die Forschenden fragten sich daher: "Wie kann man anhand von Nervenmerkmalen herausfinden, welche Krebsarten sich aggressiver verhalten werden?" Denn wenn man herausfinden könnte, welche Krebsarten sich grundsätzlich aggressiver verhalten, könnte man diese Tumore von Anfang an aggressiver behandeln.

In Übereinstimmung mit diesen klinischen Befunden zeigte die Analyse von Nerven in Schnitten menschlicher Tumore einen Gradienten der Expression von Stressgenen, der von der Entfernung zwischen Nerven und Tumoren abhängt, so D'Silva: Krebszellen lösen demnach eine Verletzungsreaktion im Nerv aus – je näher der Krebs ist, desto größer ist die Nervenverletzung und desto schlechter verhält sich der Krebs.

Hondermarck, Hubert, and Chen Chen Jiang. "Time to Introduce Nerve Density in Cancer Histopathologic Assessment." Clinical Cancer Research (2023): OF1-OF3.

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