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US-Studie zum ungedeckten Bedarf an zahnärztlicher Versorgung aus Kostengründen

Im Alter auf notwendige Zahnbehandlungen verzichten? Höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz!

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Zahnmedizin
Ältere Menschen, die aufgrund finanzieller Probleme auf notwendige zahnärztliche Eingriffe verzichten, haben ein höheres Risiko für Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Demenz.

Die Studie unter der Leitung der Boston University School of Public Health und Mitwirkung der University of California in San Francisco analysierte Umfragedaten von Probanden ab 55 Jahren aus der „ All of Us“-Studie, die sich aus Informationen einer großen offiziellen US-Gesundheitsdatenbank speist.

Anhand der elektronische Patientenakten und Umfrageantworten untersuchte das Team den Zusammenhang zwischen ungedecktem Bedarf an zahnärztlicher Versorgung aus Kostengründen und neu diagnostizierten Fällen von Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall und Demenz jeglicher Ursache.

Insgesamt wurden 88.496 Patientenfälle mit Herzinfarkt, 86.593 mit Herzinsuffizienz, 88.410 mit Schlaganfall und 92.272 mit Demenz analysiert.

So wichtig ist der Zahnarztbesuch

Die Forschenden stellten fest, dass Menschen, die aus finanziellen Gründen auf zahnärztliche Kontrolluntersuchungen und Behandlungen verzichteten, häufiger an allen oben genannten Erkrankungen litten. Auf Bevölkerungsebene könnten durch die Beseitigung finanzieller Hürden, die Menschen vom Zugang zur zahnärztlichen Versorgung abhielten, 2 bis 4 Prozent der jeweiligen Erkrankungen bei älteren Erwachsenen verhindert werden. Mit Ausnahme von Schlaganfällen schwächten sich die Zusammenhänge ab, nachdem die Wissenschaftler sozioökonomische, verhaltensbezogene und klinische Faktoren berücksichtigt hatten. 

Diese abgeschwächte Beziehung ist aus ihrer Sicht ein Zeichen dafür, dass weitere Daten benötigt werden, um die zugrunde liegenden oder systemischen Ursachen chronischer Krankheiten zu verstehen und anzugehen.

„Die Kosten sind eines der größten Hindernisse für die zahnärztliche Versorgung“, sagt Studienleiterin Mabeline Velez von der School of Dental Medicine der Boston University. „Deshalb verschieben viele Menschen dringend notwendige Behandlungen oder nehmen nur die verfügbaren Leistungen in Anspruch, was unter Umständen drastischere Maßnahmen – wie das Ziehen eines Zahns – beinhaltet, als medizinisch notwendig wären.

Diese Studie sei die erste, die finanzielle Hürden im Gesundheitswesen als mit dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz in Verbindung bringt – "zwei der häufigsten Ursachen für Behinderung und Tod bei älteren Erwachsenen“, sagt Studienleiterin Kendra Sims.

Weniger als 30 Prozent der Erwachsenen in den USA ab 65 Jahren haben eine Zahnversicherung, und fast 8 Prozent geben an, sich notwendige Zahnbehandlungen nicht leisten zu können. Medicare und Medicaid bieten zwar eine Zahnversicherung an, diese ist jedoch begrenzt und schließt oft Vorsorgeleistungen aus. Die zahnärztliche Versorgung im Rahmen von Medicaid variiert zudem stark von Bundesstaat zu Bundesstaat und deckt in manchen Fällen nur Notfallbehandlungen ab. 

„Maßnahmen, die den Zugang zu präventiver Zahnmedizin erleichtern, könnten die Mundgesundheit deutlich verbessern und sich positiv auf Herz-Kreislauf- und kognitive Funktionen auswirken“, schreiben die Forscher. So berichteten Bundesstaaten, die die zahnärztliche Versorgung im Rahmen des Affordable Care Act ausweiteten, von mehr Zahnarztbesuchen, weniger fehlenden Zähnen und einer insgesamt besseren Mundfunktion. 

„Menschen, die sich regelmäßige Zahnpflege leisten können, gehen in der Regel zweimal im Jahr zum Zahnarzt“, sagt Sims. „Was wäre, wenn die Versicherung auch die Untersuchung auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck übernehmen könnte, während der Patient auf dem Behandlungsstuhl sitzt?“ 

Mabeline Velez et al, Associations of unmet dental care needs due to cost with incident cardiovascular disease and dementia: a prospective study in the All of Us cohort, The Journals of Gerontology, Series A: Biological Sciences and Medical Sciences (2026). DOI: 10.1093/gerona/glag023

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