Kanadische Forscher wollen antimikrobielles Füllungsmaterial entwickeln
In Kanada ist die Verwendung von Amalgamfüllungen aktuell noch erlaubt. Dennoch soll deren Verwendung im Zuge der Umsetzung der Minamata-Konvention bis 2034 beendet werden. Wie in Deutschland ist die Verwendung von Amalgam jedoch auch in Kanada bereits heute stark zurückgegangen: Amalgamfüllungen machen derzeit weniger als zehn Prozent aller verwendeten Füllungen aus, ersetzt wurden sie – wie hierzulande auch – hauptsächlich durch Komposite-Füllungsmaterialien.
Karies bleibt ein Problem
Besorgniserregend sei, dass die Füllungen auf Polymerbasis in Kanada „innerhalb von fünf bis sieben Jahren versagen“, sagt Dr. Prasanna Neelakantan, außerordentlicher Professor und Lehrstuhlinhaber für Mundgesundheitsforschung der Alberta Dental Association & College an der Mike Petryk School of Dentistry.
Sie könnten auch die Entstehung neuer Karies nicht verhindern. „Einige Forscher haben versucht, Antibiotika oder Antiseptika in die Beschichtungen von Füllungen einzubetten, um diese zu schützen. Diese Materialien zersetzen sich jedoch mit der Zeit und verlieren ihre antiseptischen Eigenschaften, sobald alle Zusatzstoffe herausgelöst sind“, sagt Neelakantan.
Ein antimikrobielles Polymer wäre die Lösung
Neelakantan stellte ein interdisziplinäres Team der Universität von Alberta mit dem Ziel zusammen, ein Füllungsmaterial zu entwickeln, das in der Lage ist, „die eigene Oberfläche zu desinfizieren, entweder beim normalen Kauen oder durch die Anwendung von Ultraschall während eines Zahnarztbesuchs“.
Die Forschenden hatten bei Recherchen mehrere Arten von Polymeren gefunden, die bei Druckeinwirkung selbstdesinfizierende Eigenschaften aufweisen. „Wir haben einige aussagekräftige Pilotversuche durchgeführt und gezeigt, dass wir das Polymer herstellen können“, sagt Neelakantan. „Jetzt wollen wir sicherstellen, dass wir mit unserem Polymer eine gleichbleibende antimikrobielle Wirkung erzielen können.“
Der kanadische Staat fördert das Projekt
Zu Neelakantans Team gehören der Physikprofessor Dr. A. Meldrum, Dr. Dan Romanyk, außerordentlicher Professor mit Doppelberufung in Maschinenbau und Biomedizintechnik, Dr. Joao Soares, Professor für Chemie- und Werkstofftechnik, die Ultraschallspezialistin Dr. Marleny Aranda Saldana und Dr. Santiago Orrego von der Temple University in Philadelphia.
Das Team erhielt kürzlich eines von sechs Stipendien des staatlichen New Frontiers in Research Fund (NFRF) für Projekte der University of Alberta. Vergeben werden die Stipendien vom Social Sciences and Humanities Research Council. Das Stipendium ist mit 250.000 Dollar für die nächsten zwei Jahre dotiert. Die NFRF-Stipendien fördern risikoreiche, aber potenziell sehr ertragreiche, von Kanadiern geleitete interdisziplinäre Forschungsprojekte.


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