KI-Schreibassistenten sparen spürbar Zeit bei der Dokumentation
Für die Dokumentation der elektronischen Gesundheitsakte, der Electronic Health Record, kurz EHR, benötigen US-amerikanische Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern durchschnittlich 2,3 Stunden bei 8 Stunden Patientenversorgung. Eine Studie an der University of California San Francisco unter der Leitung von Dr. Lisa Rotenstein wertete nun aus, inwieweit KI-Schreibtools die Kliniker bei der Dokumentation entlasten.
KI-basierte Schreibassistenten sind technologische Hilfsmittel, die die Dokumentation vereinfachen, indem sie während der Arzt-Patienten-Kontakte mithören und eigenständig Notizen anfertigen. Dabei handelt es sich um sogenannte Ambient-KI – intelligente Systeme, die kontinuierlich im Hintergrund laufen, Zusammenhänge erfassen und proaktiv agieren.
Für die Kohortenstudie nutzen fünf US-amerikanische Gesundheitseinrichtungen zwischen Juni 2023 und August 2025 verschiedene KI-Schreibtools. Insgesamt nahmen 8.581 Klinikerinnen und Kliniker an der Studie teil, 1.809 von ihnen nutzen KI-Schreibassistenten. Von den Teilnehmenden waren 74,1 Prozent Fachärzte, 7,8 Prozent Ärzte in Weiterbildung und 18,1 Prozent klinische Fachkräfte mit erweiterten Aufgabenbereichen vergleich mit den Physician Assistants in Deutschland.
Die reine Dokumentationszeit reduzierte sich um 10 Prozent
Mit dem Einsatz von KI-Schreibassistenten konnten sie die Zeit, die sie mit der EHR beschäftigt waren, um 13,4 Minuten reduzieren. Die reine Dokumentationszeit verringerte sich um 16,0 Minuten. Das ergab eine relative Zeitersparnis von 3 beziehungsweise 10 Prozent. Außerdem konnten die Ärzte 0,49 zusätzliche Patientenkontakte pro Woche wahrnehmen.
Die Zeitersparnis war für Ärzte in der Primärversorgung am höchsten im Vergleich zu den Kollegen, die das Tool nicht nutzten. Zudem zeigte sich ein Dosis-Wirkungs-Muster: Kliniker, die KI-Schreibassistenten während mehr als der Hälfte ihrer Patientenkontakte nutzten, konnten signifikant mehr Zeit sparen als diejenigen mit geringerem KI-Einsatz.
Die Zeit, die über der achtstündigen Arbeitszeit mit der EHR verbracht wurde, änderte sich hingegen nicht erheblich. Laut den Forschenden deutet das darauf hin, dass sich durch die KI-Schreibassistenten zwar Zeit bei der Dokumentation sparen lässt. Ein Teil dieser Zeitersparnis wurde allerdings möglicherweise für andere patientenbezogene Aufgaben genutzt – etwa für das Überprüfen der Dokumentationen auf Genauigkeit, das Beantworten von Nachrichten oder das Durchsehen der Anamnese.
Die Zeitersparnis war in der Primärversorgung am größten
Wie Experten um Aaron A. Tierney von The Permanente MedicalGroup, Oakland, im Editorial der aktuellen JAMA-Ausgabe ausführen, wäre nun der nächste Schritt, den Einsatz der Ambient-KI mit Patientenergebnissen zu verknüpfen und mögliche Ungleichheiten beim Zugang und in der Leistungsfähigkeit zu bewerten.
Die Bewertungsansätze müssten dynamisch und an die sich rasch erweiternden Fähigkeiten der KI gekoppelt sein. Ohne diesen Wandel bestehe die Gefahr, dass das Feld der Ambient-KI das optimiert, was am einfachsten zu messen ist: die EHR-Workflow-Metriken, ohne sich auf weitere wichtige Ziele zu fokussieren, wie eine geringere administrative Belastung, gerechte Aufgabenverteilung und eine finanziell nachhaltigere Versorgung der Menschen.
Rotenstein, L. et al.: Changes in Clinician Time Expenditure and Visit Quantity With Adoption of Artificial Intelligence–Powered Scribes - A Multisite Study. JAMA, Published Online: April 1, 2026 doi: 10.1001/jama.2026.2253


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