Kiefernekrosen bei jeder achten Patientin unter Denusomab
Antiresorptive Medikamente, die den Knochenabbau hemmen, sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Brustkrebs mit Knochenmetastasen. Ihre Anwendung kann jedoch mit einer medikamentenassoziierten Kiefernekrose (MRONJ) einhergehen. In einer finnischen Registerstudie wurde während der langfristigen Nachbeobachtung bei 12,6 Prozent der ausschließlich mit Denosumab behandelten Patientinnen eine Kiefernekrose diagnostiziert.
Erste bevölkerungsbasierte Studie aus Finnland
Die Studie wurde als retrospektive landesweite Registerstudie durchgeführt. Untersucht wurde, wie häufig medikamentenassoziierte Kiefernekrosen bei Brustkrebspatientinnen mit Knochenmetastasen auftreten und welche Faktoren mit der Erkrankung assoziiert sind. Dafür verknüpften die Forschenden Daten des finnischen Instituts für Gesundheit und Wohlfahrt (THL) mit Daten der finnischen Sozialversicherungsanstalt (Kela).
In die Studie wurden 652 Brustkrebspatientinnen mit Knochenmetastasen eingeschlossen, die zwischen 2013 und 2015 eine antiresorptive Therapie erhalten hatten. Die Nachbeobachtung erstreckte sich bis Ende 2020. Der landesweite, bevölkerungsbasierte Datensatz ermöglichte es, die Häufigkeit medikamentenassoziierter Kiefernekrosen sowie die damit verbundenen Faktoren speziell bei finnischen Patientinnen mit ossär metastasiertem Brustkrebs zu untersuchen.
Während der Nachbeobachtung wurde bei 12,6 Prozent der Patientinnen, die ausschließlich mit Denosumab behandelt worden waren, eine Kiefernekrose diagnostiziert. Bei Patientinnen, die zunächst Bisphosphonate erhalten hatten und anschließend auf Denosumab umgestellt worden waren, lag der entsprechende Anteil bei 15,3 Prozent. Unter den Patientinnen, die ausschließlich mit Bisphosphonaten behandelt worden waren, trat die Erkrankung nur bei einem kleinen Teil auf.
Regelmäßige Kontrolle der Mundgesundheit ist wichtig
Die Studie zeigte außerdem Zusammenhänge zwischen zahnmedizinischen Eingriffen im Zusammenhang mit oralen Infektionen und dem Auftreten von Kiefernekrosen. Insbesondere Zahnextraktionen und Wurzelkanalbehandlungen waren mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert. Allerdings war die Zahl der Patientinnen, bei denen eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt worden war, gering. Zudem lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, dass die Behandlung selbst eine Kiefernekrose verursacht.
„Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, mögliche orale Infektionsherde vor Beginn einer antiresorptiven Therapie zu erkennen und angemessen zu behandeln sowie die Mundgesundheit während der gesamten Behandlung regelmäßig zu kontrollieren. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen der Onkologie und der zahnmedizinischen Versorgung erforderlich“, erklärt Miika Kujanpää, Doktorand an der Universität Oulu. Er betont zudem, dass die Ergebnisse weder eine Änderung noch einen Abbruch der antiresorptiven Therapie rechtfertigten. Auch notwendige zahnmedizinische Behandlungen sollten aufgrund der beobachteten Zusammenhänge nicht unterlassen werden.
Weitere Forschung zur Wirksamkeit präventiver Zahnbehandlungen erforderlich
Nach Ansicht der Forschenden sollten künftige Studien genauer untersuchen, in welchem Zusammenhang die Dosierung der Medikamente, die Behandlungsdauer und die kumulative Wirkstoffexposition mit dem Auftreten von Kiefernekrosen stehen. Darüber hinaus werden präzisere Informationen zum zeitlichen Auftreten oraler Infektionen, zu zahnmedizinischen Eingriffen und zur Entstehung der Kiefernekrose benötigt. Dies könnte helfen, die Auswirkungen der verschiedenen Einflussfaktoren besser voneinander abzugrenzen. Eine besonders wichtige Forschungsfrage sei, in welchem Ausmaß eine systematische präventive zahnmedizinische Versorgung das Risiko für medikamentenassoziierte Kiefernekrosen senken kann.
Die Forschenden betonen außerdem die Bedeutung ausreichend langer Nachbeobachtungszeiträume. Da sich eine Kiefernekrose über einen längeren Zeitraum entwickeln kann, ist unter Umständen eine mehrjährige Nachbeobachtung erforderlich. Kürzere Beobachtungszeiträume könnten die tatsächliche Erkrankungshäufigkeit unterschätzen.
Kujanpää M, Vuollo V, Tiisanoja A et al. Incidence and associated factors of medication-related osteonecrosis of the jaw in breast cancer patients with bone metastases: a nationwide registry study in Finland. Clin Oral Investig. 2026 Sep 29;30(10):486. doi: 10.1007/s00784-026-07171-5. PMID: 42809145; PMCID: PMC13624040.



