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FVDZ-Hauptversammlung 2026

Tacheles-Tage in Kassel

Zwei Themen zogen sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen der Delegierten: der politische Druck, unter dem die Freiberuflichkeit aktuell steht, und die Notwendigkeit der Erneuerung des FVDZ nach innen. FVDZ/Jörn Wolter
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Politik
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Zwei Themen zogen sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen der Delegierten bei der FVDZ-Hauptversammlung, die von Donnerstag bis Samstag in Kassel stattfand: der politische Druck, unter dem die Freiberuflichkeit aktuell steht, und die Notwendigkeit der Erneuerung des FVDZ nach innen.

„Ich möchte heute einmal Tacheles reden.“ – Mit diesen Worten leitete Dr. Jeannine Bonaventura, stellvertretende Vorsitzende des FVDZ (Freier Verband Deutscher Zahnärzte), ihr Statement bei der Hauptversammlung ein. Vor allem ging es darin um die Zukunftsperspektiven des FVDZ, zum Beispiel beim Thema Mitgliedergewinnung: „Ich höre immer wieder Geschichten von jungen Kolleginnen und Kollegen, die bei ihrem ersten Kontakt mit dem Verband erstmal gegen eine Wand laufen. Die das Gefühl bekommen, sie müssten erstmal den Hof fegen, bevor man überhaupt zuhört, was sie zu sagen haben.“

Der FVDZ steht aus Bonaventuras Sicht vor der „einfachen, aber unbequemen Frage“, was ihn in Zukunft noch relevant machen soll. Sie nahm vorweg: „Die Antwort kann nicht lauten, weil es uns schon immer gegeben hat. Unsere Geschichte ist wichtig. Aber sie ist kein Argument dafür, dass uns auch in Zukunft jemand braucht.“ Sie endete ihre Rede mit dem Appell, weibliche Mitglieder im FVDZ stärker zu Wort kommen zu lassen und pochte darauf, dass der Bundesvorstand die Zukunftsthemen rund um den Berufsnachwuchs festlegt und nicht Kollegen, „die ihre Praxen bereits abgegeben haben“. Dafür erntete Bonaventura Applaus von vielen Delegierten.

Früher war mehr Kampfverband

„Es gibt ältere Kolleginnen und Kollegen, die unsere jetzige Linie nicht favorisieren“, beschreibt auch der FVDZ-Vorsitzende Dr. Christian Öttl die Stimmung im Verband. „Wir sind kein Kampfverband mehr, das wird heute nicht mehr goutiert. Es geht darum, durch gute Argumente zu überzeugen.“ Auf der Agenda steht für ihn vor allem, gegenüber der Politik deutlich zu machen, „dass wir ein Berufsstand mit einer Approbation sind. Dafür müssen wir uns gemeinsam stark machen – egal, in welcher Organisation wir sind“, sagte er gegenüber den zm.

Für Bonaventura steht das Ziel im Mittelpunkt, den FVDZ so in die Zukunft zu führen, dass er die Rahmenbedingungen für Freiberuflichkeit weiterhin mitgestalten kann: „Wir müssen Missstände benennen, Reformen einfordern und auch unbequem sein. Aber wir brauchen realistische Lösungen, anschlussfähige Positionen und keine Fundamentalopposition um ihrer selbst willen. In einer Zeit, in der sich die Politik über andere Sündenböcke freut, ist wenig Platz für politisches Pokern.“

Nach innen kontrovers, nach außen geschlossen

In ihrem Grußwort am ersten Tag der Versammlung würdigte Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), dass FVDZ und BZÄK nicht immer einer Meinung seien. Das sei auch gut so, innerhalb der Zahnärzteschaft brauche es genau diesen offenen Austausch. „Aber“, mahnte sie, „nach außen müssen wir geschlossen auftreten, um unsere Ziele durchzusetzen – denn der Ton im Gesundheitswesen ist rauer geworden.“

Dem stimmte Martin Hendges, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), zu. Mit Blick auf das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sagte er, das Gesetz stelle einen Angriff auf die zahnärztliche Approbation dar, den es mit aller Kraft abzuwehren gelte. „Als Berufsstand Geschlossenheit zu demonstrieren, ist deshalb wichtiger denn je“, unterstrich Hendges.

Ein Paradigmenwechsel im Gesundheitswesen

Unter der Moderation von Jeannine Bonaventura ging es bei einer Podiumsdiskussion, an der neben Ermler und Hendges auch Öttl und die Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus (FDP) teilnahmen, um aktuelle Entwicklungen in der Gesundheitspolitik. „Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz stellt einen Paradigmenwechsel im Gesundheitssystem dar“, so Aschenberg-Dugnus. „Eigentlich sollte es in der Versorgung darum gehen, dass jeder Arzt und jede Ärztin entscheidet, welche notwendigen Behandlungsmaßnahmen ergriffen werden müssen.“ Die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik widerspricht diesem Grundsatz aus ihrer Sicht.

Ermler sprach die große Verunsicherung an, die die aktuelle politische Debatte bei vielen jungen Kolleginnen und Kollegen auslöst. „Wenn ich mich niederlassen möchte, dann möchte ich eine gewisse Sicherheit. Das bietet die aktuelle politische Debatte nicht“, kritisierte die BZÄK-Präsidentin. „Morgens heißt es hü, abends hott: Einmal wird über die Ausgliederung der Zahnmedizin aus der GKV diskutiert, dann wird das duale System in Frage gestellt.“ Als Standespolitik müsse man viel Aufklärungsarbeit bei Politikerinnen und Politikern leisten.

Im Zusammenhang mit dem Thema Planungssicherheit verwies Hendges auf die Forderung der KZBV, die neue Parodontitisversorgung als Präventionsorientierung und Früherkennungsmaßnahme gesetzlich zu verankern und damit extrabudgetär zu vergüten. In der Diskussion um das duale System positionierte der KZBV-Chef sich so: „Was wir geschaffen haben, diese Freiheitsgrade in der Kombination von privatzahnärztlichen und GKV-Leistungen ist für mich – trotz der aktuellen Budgetierung – ein Idealmodell.“

Über diese Anträge entschieden die Delegierten

Die Hauptversammlung in Kassel sprach sich unter anderem dafür aus, die Parodontitis-Therapie als wichtigen Baustein der zahnärztlichen Prävention gesetzlich und finanziell zu stärken und das duale System zu erhalten.

Einstimmig nahm sie eine Resolution an, die die vollständige Aufhebung der Budgetierung für zahnärztliche Leistungen fordert. Die präventionsorientierte Zahnmedizin solle als wesentlicher Stabilitätsfaktor der GKV anerkannt und entsprechend gefördert werden.

Ohne Gegenstimmen wurde der Antrag „Wir haben nur eine Approbation! Keine Zersplitterung des zahnärztlichen Berufsstands“ angenommen, der unter anderem fordert, Paragraf 28, Absatz 2, Satz 1 aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu streichen.

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