Preisindex 4. Quartal 2022

Leichter Preisrückgang bei Verbrauchsmaterialien

von LL
Praxis
Entgegen Trend und Prognose sind die Preise einiger Produkte Ende 2022 leicht gesunken, meldet ein großer Anbieter für Verbrauchsmaterialien. Aber: Für 2023 müssten sich Praxen auf steigende Preise einstellen.

Praxen haben im vierten Quartal 2022 durchschnittlich etwas weniger für Verbrauchsmaterialien ausgeben müssen als in den Monaten davor. Das geht aus dem aktuellen Preisindex des Online-Händlers Praxisdienst.de hervor. So sind die Verkaufspreise zwischen Oktober und Dezember vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorquartal um insgesamt 0,35 Prozent auf 101,16 Punkte gesunken.

Das ist der erste Rückgang seit dem Frühjahr 2021 und vor dem Hintergrund der allgemeinen Inflation entwickelt sich der Preisindex gegenläufig zu den Erwartungen. Allerdings sei es zu früh, um von einer Entspannung am Markt auszugehen, erklärt der Online-Händler.

Experte bewertet aktuelle Situation als "Ruhe vor dem Sturm"

Der Index bildet die Entwicklung der Durchschnittspreise in acht Produktkategorien pro Quartal ab. In der Hälfte der Kategorien sind die Preise leicht gestiegen, die übrigen sind jedoch günstiger als zuvor. „Also wurden die enormen Kostensteigerungen der Hersteller, die Transport- und Energiekosten im vierten Quartal durch den Fachhandel nicht in entsprechendem Maße an die Kunden weitergegeben“, erklärt Praxisdienst-Preismanager Christian Nieder die Entwicklung.

Beispielsweise bei Desinfektionsmitteln, die sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verteuert hatten, gab es einen Preisabfall (minus 3,07 Prozent). Und auch Antigen-Schnelltests, die als Sonderkategorie in der Statistik erfasst werden, vergünstigten sich zuletzt erheblich (minus 3,06 Prozent).

Nieders Vermutung zur aktuellen Marktsituation: „Kein Fachhändler möchte zuerst Preiserhöhungen umsetzen.“ Außerdem würden die finanziellen Auswirkungen der gestiegenen Kosten für Personal, Transport und Energie erst zeitversetzt in deren betriebswirtschaftlichen Zahlen sichtbar. Die Dimension der Kostensteigerungen aufgrund der Krisen sei allerdings so groß, dass eine Anpassung der Verkaufspreise aus seiner Sicht früher oder später erfolgen müsse. „Zudem sehen wir keinerlei Anzeichen für eine Trendwende“, betont der Experte.

Im Gegenteil: Die Auswirkungen der angespannten globalen Wirtschaftslage werde sich erst 2023 bei den Endkunden bemerkbar machen. „Allein die Zahl uns vorliegender Preiserhöhungen durch die Industrie hat sich vom vierten Quartal des vergangenen Jahres zum ersten Quartal dieses Jahres fast verdreifacht“, erklärt Nieder. Darum bewertet er die jüngsten Zahlen als „eine trügerische Ruhe vor dem Sturm“.

Chinas Pandemielage verzögert die Produktion

Nicht zu verachten sei auch die Herausforderung durch die steigenden COVID-Zahlen in China „… und den offenbar kritischen Krankheitsverläufen. Wir sehen hier ein noch nicht abschätzbares zusätzliches Risiko.“ Denn chinesische Lieferanten berichten davon, dass bis zu 80 Prozent ihrer Mitarbeitenden infiziert und die Produktion daher stark eingeschränkt sei. Teilweise ist die Herstellung ärztlichen Verbrauchsmaterials bereits gestoppt und werde erst nach dem chinesischen Neujahrsfest wieder in Gang kommen. „Das kann ebenfalls zu Lieferverzögerungen und damit verbunden Preissteigerungen führen“, sagt Nieder.

Die Preisentwicklung der einzelnen Kategorien im 4. Quartal 2022:

  • Desinfektion: 101,11 Indexpunkte (minus 3,21 Punkte)

  • Infusion & Injektion: 100,97 Punkte (plus 0,25 Punkte)

  • Laborbedarf: 100,91 Punkte (minus 0,12 Punkte)

  • OP-Bedarf/Einmalinstrumente und Sets: 101,16 Punkte (minus 0,77 Punkte)

  • OP-Bedarf/Sonstiges: 100,48 Punkte (-0,68 Punkte)

  • Papierprodukte/Hygieneartikel: 104,50 Punkte (plus 0,89 Punkte)

  • Schutzkleidung: 97,51 Punkte (plus 0,24 Punkte)

  • Wund- & Verbandmaterial: 102,62 Punkte (plus 0,55 Punkte.)

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