Ministerin Drese setzt auf die Landzahnarztquote
Wie lässt sich unter veränderten demografischen und personellen Bedingungen eine qualitativ hochwertige Versorgung dauerhaft sichern? Diese Frage stellte Ministerin Drese am vergangenen Freitag in ihrem Grußwort beim Zahnärztetag. Wie groß diese Herausforderung für die Zahnmedizin in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern ist, zeichne sich bereits jetzt durch Versorgungslücken oder angespannte Versorgungslagen ab. „Diese Entwicklung nehmen wir als Politik sehr ernst“, sagte die Ministerin.
Beispielhaft nannte Drese die Einführung der Landzahnarztquote durch das Gesundheitsversorgungsunterstützungsgesetz, deren Umsetzung inklusive Auswahlverfahren in diesem Jahr innerhalb kurzer Zeit auf den Weg gebracht worden sei. Sie warb dafür, die Landzahnarztquote auch durch Begegnungen und den Austausch mit potenziellen Interessenten vor Ort in den Praxen bekannter zu machen.
Was die neuen Vorgaben für kieferorthopädische Behandlungen angehe, werde man die Auswirkungen für das Land genau im Blick behalten müssen. Zudem werde man nicht umhinkommen, gemeinsam kreative Ansätze zu finden und neue Ideen und Projekte auszuprobieren. „Wichtig ist, dass wir miteinander sprechen, einander zuhören und gemeinsam Verantwortung für eine gute Versorgung übernehmen“, betonte die Ministerin. Abschließend dankte sie den Zahnärzten und ihren Mitarbeitern für die gute Versorgung und ihr großes Engagement.
Auch Stefanie Tiede, Präsidentin der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, appellierte bei der Eröffnung des Zahnärztetages an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, das Gespräch zu suchen. Sie beschwor zudem den Zusammenhalt der Zahnärzteschaft und warb für Toleranz. „Die Anforderungen an unseren Berufsstand werden größer. Viele Entscheidungen, die unsere tägliche Arbeit betreffen, werden komplexer. Umso entscheidender ist es, dass wir miteinander im Gespräch bleiben. Dass wir unterschiedliche Sichtweisen zulassen. Und dass wir bei allem, was uns vielleicht auch einmal trennt, nicht vergessen, was uns verbindet”, sagte Tiede. Ihre Rede wurde per Video eingespielt, da sie am FDI World Dental Congress in Prag teilnahm, der zeitgleich stattfand.
GKV-Spargesetz schwächt Zahnmedizin
Vizepräsident Dr. Wolf Henrik Fröhlich warnte in seiner Rede vor den Folgen des Ende Juli in Kraft getretenen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Das Gesetz bringe spürbare Änderungen für die zahnärztliche Versorgung und insbesondere für die Kieferorthopädie mit sich. „Auch die weiteren Regelungen führen zu zusätzlichen Belastungen in unseren Praxen und bergen die Gefahr, die Bereitschaft zur Niederlassung weiter zu schwächen“, kritisierte Fröhlich. „Das können und sollten Sie so – im Sinne unserer Patienten – keinesfalls akzeptieren“, machte er deutlich.
Kritik am GKV-Sparpaket übte auch Dr. Ralf Hausweiler, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik bezeichnete er als Instrument aus der „verstaubten Schublade der Maßnahmen zur Kostendämpfung“. Er zeigte sich enttäuscht, dass der allseits gelobte Vorbildcharakter der präventionsorientierten Zahnheilkunde nicht gewirkt habe. Und das, obwohl sich die Präventionserfolge nun auch im Erwachsenen- und Seniorenalter messbar niedergeschlagen hätten. Die Zahnmedizin habe damit „Leuchtturmcharakter“ und trage keine Schuld an der Kostenexplosion im Gesundheitswesen. Dennoch müsse nun auch die Zahnmedizin leiden und werde geschwächt. „Apotheker, Ärzte und Zahnärzte sind Grundpfeiler des Gesundheitssystems und nicht dessen Nutznießer“, stellte Hausweiler klar. Dafür bekam er spontanen Applaus.
Thema Zahnersatz im Fokus
Etwa 300 Zahnärztinnen und Zahnärzte und mehr als 80 Zahnmedizinische Fachangestellte nutzten die Gelegenheit, sich beim 34. Zahnärztetag am 4. und 5. September in Warnemünde fortzubilden. Thematisch drehte sich alles um das Thema „Zahnärztliche Prothetik“. Parallel dazu fand die 76. Jahrestagung der Mecklenburg-Vorpommerschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an den Universitäten Greifswald und Rostock statt.
Auf dem Programm standen Vorträge zur Vernetzung von parodontologischen und prothetischen Planungs- und Behandlungskonzepten, zur CAD/CAM-Technologie, zum Einsatz von modernen Werkstoffen, zu speziellen Risiken in der Prothetik, zu prothetischen Behandlungsmöglichkeiten vulnerabler Patientengruppen, aber auch zum Umgang mit zahnersatzbedingten Unverträglichkeiten sowie zum Komplikationsmanagement.


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