Nicht einmal jeder zehnte Quetschie ist geeignete Beikost
Beikost für Säuglinge sollte idealerweise eine zunehmend festere Konsistenz aufweisen und energiereicher und nährstoffreicher sein als Muttermilch, schreiben Forschende der Universität Glasgow, Schottland. Ob Produkte in Quetschbeuteln (kurz: „Quetschies“) mit Ausgießer diese Kriterien erfüllen, sei bislang nicht wissenschaftlich untersucht worden, obwohl dies mittlerweile die gängigste Verpackung für industriell hergestellte Babynahrung ist.
Für ihre jetzt veröffentlichte Analyse untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Oktober und November 2024 handelsübliche Babynahrungsmittel aus sechs großen Glasgower Supermärkten. Insgesamt fanden sie 298 Produkte von 16 Herstellern, von denen 178 (60 Prozent) in Ausgießbeuteln angeboten wurden. Alle diese Beutel waren als für Kinder unter 12 Monaten geeignet gekennzeichnet, zwei Drittel richteten sich gezielt an Babys im Alter von sechs Monaten oder jünger – entgegen den offiziellen Empfehlungen.
Die Nahrungsmittel wurden im Vergleich zur Muttermilch hinsichtlich ihres Energie-, Protein- und Zuckergehalts kategorisiert und als für die Beikost geeignet definiert, wenn sie:
ein Püree oder feste Nahrung waren, die das Abstillen ermöglichte;
eine höhere Energie- und Proteindichte als Muttermilch aufwiesen und
einen Zuckergehalt hatten, der nicht höher war als der von Muttermilch.
Außerdem wurde die Konsistenz der Lebensmittel von zwei Prüfern für 284 (95 Prozent) aller Produkte bewertet. „Die Beschaffenheit und Art der Beikost ist wichtig“, betonen die Forschenden. „Während das Saugen ein angeborenes Verhalten ist, müssen die für die Manipulation fester Nahrung im Mund erforderlichen oromotorischen Fähigkeiten durch Erfahrung erlernt werden.“ Aus diesem Grund werde empfohlen, die erste Beikost schrittweise von Pürees über stückige, zerdrückte Speisen bis hin zu Fingerfood anzubieten. Quetschbeutel lieferten hingegen dünnflüssige Nahrung, die sich mit wenig Mundmotorik schlucken lässt. Laut Untersuchung war der Inhalt knapp der Hälfte aller Ausgießbeutel (49 Prozent) eher zu flüssig (Bewertung 1–3, wobei 0 für dünnflüssig und 4 für sehr dickflüssig steht).
Hintergrund: Muttermilch allein liefert bis zum Alter von etwa sechs Monaten alle wichtigen Nährstoffe. Danach sind Beikostbestandteile unerlässlich, um gesunde Essgewohnheiten zu entwickeln, optimales Wachstum und langfristige Gesundheit zu fördern und Babys den Umgang mit fester Nahrung zu erleichtern.
Bei der Untersuchung der Inhaltsstoffe der Beikostprodukte, die die Nährstoffzufuhr ab einem Alter von sechs Monaten steigern soll, fiel auf:
Der durchschnittliche Energiegehalt lag bei 66,5 kcal/100 g, also auf dem Niveau von Muttermilch (65–70 kcal/100 g)
Nur 35 Prozent der Produkte hatten einen höheren Energiegehalt
Nur die Hälfte (52 Prozent) der Produkte wies einen höheren Proteingehalt als Muttermilch auf
Gleichzeitig hatten 61 Prozent einen höheren Zuckergehalt als Muttermilch
Insgesamt wurden nur 14 Produkte in Quetschbeuteln (8,5 Prozent) als vollständig geeignet für Beikost eingestuft, da sie alle Kriterien erfüllten. 48 Produkte (29 Produkte) erfüllten keines der definierten Kriterien. Im Gegensatz dazu schnitten anderen feuchten Babynahrungen – die zum Beispiel in Gläsern angeboten werden – deutlich besser ab. Bei ihnen erfüllten 32 Prozent alle gewünschten Kriterien und nur 2 Prozent keines.
Die Forschenden räumen verschiedene Einschränkungen ihrer Ergebnisse ein: Beispielsweise lagen ihnen keine Daten zum tatsächlichen Konsum vor und die Bewertung des Nährstoffgehalts beschränkte sich auf die Angaben der Hersteller. Der Eisengehalt wurde selten angegeben. Sie kommen jedoch zu dem Schluss: „Produkte in (Ausgieß-)Beuteln erfüllen im Allgemeinen nicht die gewünschten Eigenschaften von Beikost. Viele ähneln eher süßen Frucht-Smoothies, die für Babys und Kleinkinder überhaupt nicht empfohlen werden.“
Die Ergebnisse legten nahe, heißt es weiter, „dass die Regulierungsbehörden prüfen sollten, ob eine Änderung der Produktkategorisierung und -kennzeichnung erforderlich ist, um klarzustellen, welche Produkte Lebensmittel und welche Getränke sind.“ Dieser Schritt sei geeignet, um die Verwendung der Beutel einzuschränken „und Eltern in die Lage zu versetzen, informierte Entscheidungen im Einklang mit den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden für die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern zu treffen“.
Garcia, A.l. et al., Texture and nutrient content of commercial baby foods supplied in spouted pouches, compared to other packaging, Archives of Disease in Childhood. DOI: 10.1136/archdischild-2026-330535


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