Prothetik bei multimorbiden älteren Menschen

dg
Zahnmedizin
Die prothetische Rehabilitation multimorbider älterer Menschen stellt eine Herausforderung für Zahnärzte dar. Was bei der oralmedizinischen Versorgung zu beachten ist, schildert Prof. Dr. Christian E. Besimo.

"Die steigende Lebenserwartung bringt gewisse Probleme mit sich und die medizinischen Herausforderungen dürfen uns nicht kalt lassen", brachte Prof. Dr. Christian E. Besimo auf dem 30. Berliner Zahnärztetag in Erinnerung. Bei der "prothetischen Rehabilitation des multimorbiden älteren Menschen" müssten die allgemeinmedizinischen und psychosozialen Rahmenbedingungen der Patienten möglichst vollständig erfasst werden, um die therapeutischen Risiken möglichst umfassend erkennen, damit Fehlentscheidungen sowie Über- oder Unterversorgung vermieden werden können.

"Die Zunahme chronischer Erkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, Gelenkerkrankungen oder Übergewicht bringen Einschränkungen der Mobilität mit sich, die uns Zahnärzte sehr wohl betreffen", sagte Besimo. Zudem seien depressive Erkrankungen weit verbreitet.

Demenz muss uns Zahnärzte beschäftigen

Auch "Demenz muss uns Zahnärzte beschäftigen, weil sie eine gesundheitspolitische Herausforderung darstellt", hielt der Fachzahnarzt für Rekonstruktive Zahnmedizin fest. Ein weiterer wichtiger Faktor sei Polypharmazie: Jeder zweite Patient über 65 Jahre leide aufgrund der Einnahme von verschiedenen Medikamenten an Xerostomie (Mundtrockenheit), weshalb Zahnärzte auf mögliche Interaktionen zwischen ärztlich und zahnärztlich verordneten Medikamente achten sollten.

Älterwerden - ein Fragilisierungsprozess

Das Älterwerden sei ein Fragilisierungsprozess, der mit Muskelschwäche, geringer körperlicher Aktivität, rascher Erschöpfung, Gewichtsverlust, Verlangsamung und mehr als fünf diagnostizierten Erkrankungen einhergehe. "Diese Faktoren sind bestimmend für die oralmedizinische Betreuungsfähigkeit älterer Patienten", konstatierte er.

Laut Besimo haben rund ein Viertel der 65- bis 69-jährigen Patienten funktionelle Einschränkungen - wie zum Beispiel eine Seh- oder Gehbehinderung -, die Einfluss auf die rekonstruktive Entscheidungsfindung haben.

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"Kognitive Einschränkungen sind fatal für die oralmedizinische Versorgung"

Damit sei aber auch  die oralmedizinische Betreuungsfähigkeit dieser Patienten betroffen: "Menschen ab dem 60. Lebensjahr gleiten aus der oralmedizinischen Betreuung, und damit sind Prävention, Therapie und Langzeitbetreuung plötzlich infrage gestellt",  betonte Besimo.

Auch kognitive Einschränkungen - pharmakologisch bedingt oder durch Mangelernährung hervorgerufen - können sich demnach fatal auf die oralmedizinische Versorgung auswirken, besonders in Bezug auf Rekonstruktionen. Damit Zahnärzte alterstypische Defizite besser erkennen, hat Besimo nützlichemedizinische Screeninginstrumenteentwickelt.

Den alternden Menschen multidirektional betreuen

Sein Fazit: "Die Herausforderungen können nur bewältigt werden, wenn es uns gelingt, den alternden Menschen in seiner persönlichen Situation möglichst umfassend zu verstehen und entsprechend multidirektional, im interdisziplinäre Verbund mit den anderen beteiligten Fachpersonen, Organisationen und Institutionen zu behandeln und zu betreuen. Denn nur wer mehr als einen Schraubenschlüssel zur Verfügung hat, der vermag auch jedes Problem anders als nur mit der Schraube lösbar zu erkennen."

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