Maßnahmen gegen Machtmissbrauch geplant
Mit der Initiative wollen die Verbände aus Medizin, Pflege und Krankenhäusern „ein klares Zeichen für einen grundlegenden Kulturwandel in den Kliniken“ setzen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Neben dem Marburger Bund sitzen an diesem Tisch auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat (DPR), die Bundesärztekammer (BÄK), der Verband leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK), der Verband der Krankenhausdirektorinnen und Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) sowie der Deutsche Ärztinnenbund.
Auf Basis des Leitbildes soll der Runde Tisch Instrumente entwickeln. Kliniken und Vertretungen des ärztlichen und Pflegepersonals sollen dazu unter anderem Schulungen für Führungskräfte anbieten.
Auslöser für die Initiative war eine Umfrage der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, die das Ausmaß von Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen insbesondere im ärztlichen Bereich deutlich gemacht hatte. Auf Initiative des Marburger Bundes und der Deutschen Krankenhausgesellschaft entstand daraufhin der Runde Tisch.
„Wir sprechen nicht über wenige bedauerliche Einzelfälle, sondern über ein strukturelles Problem“, sagte Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes. Der Marburger Bund hatte im Frühjahr eine Befragung zu Machtmissbrauch unter rund 9.000 Mitgliedern durchgeführt, fast alle Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus. Die Befragung hatte ergeben, dass 49 Prozent der Befragten bereits Machtmissbrauch erlebt haben. 13 Prozent berichteten von sexueller Belästigung. Beides ging weit überwiegend von Vorgesetzten aus.
Möglichkeit, Vorfälle anonym zu melden
„Wir brauchen deshalb unabhängige und vertraulich erreichbare Anlaufstellen sowie die Möglichkeit, Vorfälle anonym zu melden“, erklärte Johna. Die Meldewege müssten leicht zugänglich und ihre Abläufe transparent sein. Wer sich beschwere oder als Zeugin oder Zeuge aussage, brauche wirksamen Schutz vor beruflichen Nachteilen.
„Ein Leitbild allein verändert noch keine Kultur. Es kann aber der Ausgangspunkt für einen grundlegenden Wandel sein“, betonte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Entscheidend sei, nachhaltige Strukturen zu schaffen. Dazu gehörten die Sensibilisierung für das Thema in den Krankenhäusern, gezielte Schulungen, die Verstetigung des Runden Tisches sowie die Einrichtung von Arbeitsgruppen, die sich mit den Strukturen und Arbeitsbedingungen in allen Berufsgruppen des Krankenhauses auseinandersetzen. Ziel sei „ein Arbeitsumfeld, in dem Respekt, Wertschätzung und ein diskriminierungsfreies Miteinander in allen Krankenhäusern selbstverständlich sind“, machte Gaß deutlich.


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