Über 50 Prozent der GKV-Patienten wartet länger als vier Wochen auf Facharzttermin
Nur acht Prozent der gesetzlich Versicherten bekommen innerhalb weniger Tage einen Termin in einer Facharztpraxis. 13 Prozent warten bis zu zwei Wochen, 20 Prozent bis zu vier Wochen. Deutlich schneller gelingt hingegen der Zugang zur hausärztlichen Versorgung: 74 Prozent der Befragten berichten, innerhalb weniger Tage einen Hausarzttermin zu erhalten, weitere 14 Prozent innerhalb von zwei Wochen.
Für den Vorstandsvorsitzenden der TK, Dr. Jens Baas, sind die langen Wartezeiten Ausdruck struktureller Probleme im ambulanten System. Es fehle an klar definierten Anlaufstellen und transparenten Behandlungswegen. Die TK sieht daher Reformbedarf bei der Steuerung der Patientenströme. Ziel müsse ein System sein, das sich konsequent am medizinischen Bedarf orientiere und Abläufe klar definiere. Dies könne zugleich zu einer gerechteren Terminvergabe beitragen.
Primärversorgungssystem soll verbindliche Ersteinschätzung geben
Im geplanten Primärversorgungssystem der Bundesregierung erkennt die TK eine Chance, die Terminvergabe neu zu strukturieren. Kernforderung ist eine verbindliche Ersteinschätzung des gesundheitlichen Problems. Ein solches Instrument solle – digital, telefonisch oder in der Praxis – anhand klarer medizinischer Kriterien eine einheitliche Empfehlung aussprechen.
Je nach Dringlichkeit könne dies ein kurzfristiger Haus- oder Facharzttermin, eine Videosprechstunde oder auch zunächst eine symptomorientierte Selbstbehandlung sein. „Wichtig ist, dass das Ersteinschätzungstool bei gleichen Symptomen immer den gleichen Behandlungsschritt empfiehlt, egal ob die Einschätzung digital in einer Krankenkassen-App, telefonisch oder in der Praxis vor Ort erfolgt“, so der TK-Chef.
Die TK fordert eine zentrale digitale Terminplattform
Zusätzlich fordert die TK eine bundesweit einheitliche digitale Terminplattform mit verbindlichen Standards. Arztpraxen sollten ein festes Kontingent freier Termine für gesetzlich Versicherte melden. Derzeit existierten unterschiedliche Terminvermittlungssysteme ohne einheitliche Vorgaben. Künftig solle allein die medizinische Dringlichkeit maßgeblich für die Terminvergabe sein.
Für die bevölkerungsrepräsentative, telefonische Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa vom 25. September bis 21. Oktober 2025 bundesweit insgesamt 1.410 Personen ab 18 Jahre.



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