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Modellstudiengang Zahnmedizin an der Medizinischen Hochschule Brandenburg

Universitätszahnklinik soll im August 2026 eröffnen

mg
Gesellschaft
Mit einem feierlichen Auftakt starteten am 11. April 50 neue Studierende im Modellstudiengang Zahnmedizin an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB).

MHB-Präsident Prof. Hans-Uwe Simon würdigte in seiner Ansprache die Pioniere des Studiengangs, die diesen 2024 an den Start gebracht haben: „An dieser Stelle möchte ich zunächst Frau Prof. Oess und Herrn Prof. Schaller würdigen, die zusammen mit einem kleinen Team den neuen Brandenburgischen Modellstudiengang Zahnmedizin konzipiert haben. Was diese Curriculumsentwicklungsgruppe geleistet hat, ist außergewöhnlich. Ohne diese Gruppe engagierter Persönlichkeiten wären wir alle heute nicht hier.“

Hochschulambulanz versorgt bereits 2.500 Patientinnen und Patienten pro Jahr

Die Studierenden sollen von einer praxisnahen Ausbildung profitieren: Mit der Eröffnung der ersten zahnmedizinischen Hochschulambulanz Brandenburgs im Januar 2025 wurde bereits ein wichtiger Meilenstein erreicht, heißt es: „Wir behandeln in unserer Hochschulambulanz rund 2.500 Patienten pro Jahr und leisten somit einen ersten Beitrag, drohende Versorgungslücken in der Region zu schließen.“

Parallel dazu entsteht derzeit im ehemaligen E-Werk die erste Universitätszahnklinik des Landes – eine hochmoderne, vollständig digitalisierte Einrichtung mit 20 Behandlungseinheiten. Die Eröffnung ist für Ende August geplant. Prof. Simon hierzu: „Unsere neue Zahnklinik wird ein weiterer Meilenstein für die Ausbildung unserer Studierenden und für die regionale zahnmedizinische Versorgung sein.“ Ein zentrales Element des Studienkonzepts ist außerdem die enge Zusammenarbeit mit regionalen Zahnarztpraxen.

Landtagsvizepräsidentin Gruhn: „Wir brauchen Menschen mit Haltung“

Landtagsvizepräsidentin Dr. Jouleen Gruhn begrüßte ebenfalls die Erstsemester. Als Medizinerin machte sie den jungen Menschen deutlich, dass sie sich nicht nur für ein Studium, sondern für einen Lebensweg entschieden haben: „Als Patientin, auch manchmal mit Zahnschmerzen, weiß ich, wie wichtig die medizinische Versorgung ist – gerade im Flächenland Brandenburg. Viele Menschen sind darauf angewiesen, dass engagierte junge Zahnärztinnen und Zahnärzte wie Sie Ihren Weg gehen und vielleicht auch hier bleiben. Deshalb sage ich Ihnen auch ganz offen: Wir brauchen Sie. Wir brauchen Sie in unseren Städten. In unseren Gemeinden werden Sie gebraucht für eine verlässliche medizinische Versorgung im Land. Aber wir brauchen auch Menschen, die eine Überzeugung leben. Wir brauchen Menschen mit Haltung“, betonte Gruhn.

Auch Brandenburgs Oberbürgermeister Daniel Keip hieß die Studierenden willkommen und bezeichnete die Hochschule als „einen echten Gewinn“ für die Stadt und das ganze Land. Er hob besonders die Revitalisierung lokaler Infrastruktur hervor: „Ein Ort, den man für viele Jahre aus dem öffentlichen Blick verloren hatte, weil die Industrieruine nicht mehr gebraucht wurde. Mit Ihnen und unserer MHB zieht nun dort bald neues Leben ein“, so Keip mit Blick auf die neue Zahnklinik.

Als Zeichen der engen Verbundenheit zwischen Stadt und MHB verkündete er zudem eine Neuerung im öffentlichen Nahverkehr: Pünktlich zum Einzug in den neuen Standort wird die Haltestelle Kanalstraße offiziell ergänzt. „Zwar hat sich der Name Wurzelkanalstraße als Vorschlag nicht durchsetzen können, aber es wird mit dem Einzug auf den Schildern, den Fahrplänen und den Ansagen heißen: Nächster Halt: Kanalstraße – Zahnklinik (MHB).“

„Denken Sie immer daran, an jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch!“

Dr. Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer, beglückwünschte die Studierenden zu ihrer Studienwahl. Sie hätten sich für einen anspruchsvollen, verantwortungsvollen und zugleich überaus sinnstiftenden Beruf entschieden. „Die Zahnmedizin ist heute weit mehr als die Behandlung einzelner Zähne: Sie ist ein integraler Bestandteil der Medizin. Die orale Gesundheit steht in enger Wechselwirkung mit dem gesamten Organismus – mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, entzündlichen Prozessen und dem allgemeinen Wohlbefinden des Menschen“, sagte sie und unterstrich: „Zahnmedizin ist weit mehr als nur Löcher stopfen!“

Die moderne Zahnmedizin eröffne neue Perspektiven und Herausforderungen. Themen wie die Ernährungszahnmedizin, der Einfluss von Lebensstil und Ernährung auf orale und systemische Gesundheit sowie die präventive Begleitung von Patientinnen und Patienten über alle Lebensphasen hinweg gewinnen zunehmend an Bedeutung. „Zahnärztinnen und Zahnärzte sind damit nicht nur Behandelnde, sondern Begleiter, Berater und Mitgestalter von Gesundheit. Denken Sie immer daran, an jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch“, so Dr. Ermler.

Hochschule will anleiten zum „selbstgesteuerten Lernen“

Prof. Christine Holmberg, Dekanin der Fakultät für Medizin und Psychologie, machte den neuen Studierenden Mut und betonte, dass die Hochschule den Menschen in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellt und sie praxisnah, wissenschaftlich fundiert und patientenorientiert ausbildet. „Ihr Studium bildet sie aus, handlungsfähig zu sein als ZahnmedizinerInnen. Handlungsfähig zu sein, Menschen zuzuhöen, handlungsfähig zu sein, PatientInnen dabei zu unterstützen, ihre Zähne gesund zu erhalten und sie, liebe Studierende, handlungsfähig zu machen, den Zusammenhang von Mundgesundheit, Gesundheit und Krankheit zu durchdringen.“

Holmberg machte deutlch, dass die Studierenden auch lernen, wie sie mit den Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit als Professionelle umgehen können und müssen. „Diese Begrenzung kann schwer auszuhalten sein. An der Fakultät und Universität verankern wir dieses Allzu-menschliche als zentrale Lehrstruktur in TRIK - Teamfähigkeit, Reflexion, Interaktion und Kommunikation.“ Das Studium werde auch geprägt sein von selbstgesteuertem Lernen. „Wir werden Ihnen nicht feinsäuberlich das Wissen vorkauen und Sie goutieren. Nein, wir verstehen uns, die Lehrenden, als Wegweisende, Unterstützende, die Ihnen Raum geben, Raum mit Leitplanken versehen, die Fakten selbst zu entdecken, mit ihnen zu spielen und sie zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen über die nächsten Jahre.“

Der Studierendenvertreter: „Das Studium lebt von Gemeinschaft“

Studierendenvertreter Yannick Henning (5. Semester) richtete sich ebenfalls an die neuen Studierenden: „Ich erinnere mich noch gut an meinen eigenen Start ins Zahnmedizinstudium – die Aufregung, die Neugier, vielleicht auch ein wenig Unsicherheit. Doch ich weiß heute, wie schnell aus Fremden Freunde und aus einem neuen Umfeld ein Zuhause werden kann. Brandenburg an der Havel ist nicht unbedingt der Nabel der Welt, aber es gibt hier alles, was man braucht.“ Henning hob die Bedeutung von Teamgeist hervor: „Das Studium lebt von Gemeinschaft, von gegenseitiger Unterstützung und Respekt. Vertrauen bedeutet, sich aufeinander verlassen zu können – gerade, wenn es schwierig wird.“

Prof. Dr. Dr. Gerhard Schmalz hielt einen Festvortrag unter dem Titel „Was kann Zahnmedizin?“, in dem er die moderne Zahnmedizin als High-Tech-Disziplin beschrieb: Zahnmedizin ist weit mehr als das Behandeln von Zahnschmerzen. Sie vereint Biologie, Ästhetik, Feinmechanik, digitale Vernetzung und biologisches Verständnis – und bringt nicht zuletzt den Menschen das Lächeln zurück. Schmalz ermutigte die Studierenden, ihre Wahl nicht nur als Beruf, sondern als Berufung zu sehen: „Sie haben den besten Ort, um all diese Dinge zu lernen.“ Mit einem humorvollen Rückblick auf seine eigene Karriere, die ursprünglich zu seiner Schuleinführung Zirkusdirektor und Waschanlagenbetreiber als Optionen umfasste, erklärte er, dass er heute Zahnmediziner mit kleinen Anteilen aus beiden anderen Berufen sei.

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