Welche Folgen hat Snus für die Mundgesundheit?
Für die Übersichtsarbeit wurden 2.176 Studien der Datenbanken PubMed, Scopus und EMBASE identifiziert, davon 26 schließlich in die Analyse einbezogen. Untersucht wurden Zusammenhänge mit Gingivitis, Zahnfleischrückgang, Parodontitis, Karies, Zahnverschleiß und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten.
Das Gesamtbild ist vielschichtig
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass schwedischer Snus mit Gingivitis assoziiert ist, insbesondere an der Stelle, an der der Snus platziert wird, wobei mechanischer Druck und zytotoxische Effekte zu diesen Läsionen beitragen. Die Gefahr ist bei portioniertem Snus geringer als bei losem Snus. Kleinere Portionsgrößen könnten das Gingivitisrisiko also weiter reduzieren, mutmaßen die Wissenschaftler.
Offenbar kein signifikanter Zusammenhang mit Parodontitis
Mehrere ältere Studien berichten zudem von stärkeren Zahnfleischentzündungen bei Konsumenten von traditionellem Snus, selbst nach Berücksichtigung des Plaque-Befalls, obwohl kein signifikanter Zusammenhang mit Parodontitis festgestellt wurde.
Die Ergebnisse zum Thema Karies sind widersprüchlich. Einige Studien berichten von mehr gefüllten oder kariösen Zähnen bei Konsumenten von traditionellem Snus, während andere keinen Zusammenhang feststellen. „Zusammengenommen lässt sich daher nicht schlussfolgern, dass traditioneller Snus an sich das Kariesrisiko erhöht“, resümieren die Autorinnen und Autoren.
Zahnabrasion und selbstberichtete Symptome einer Temporomandibulären Dysfunktion (TMD) waren ebenfalls mit der Verwendung von Snus assoziiert.
Snus erhöht Risiko für Gaumenspalten um fast 50 Prozent
Zusätzlich war die Nutzung von Schwangeren mit einem um 48 Prozent erhöhten Risiko für Gaumenspalten bei ihren Babys verbunden. So zeigt eine der größeren Studien, die in die Übersichtsarbeit einbezogen wurden, dass Babys von Frauen, die während der Schwangerschaft traditionellen Snus konsumierten, ein sehr viel höheres Risiko für eine Gaumenspalte aufwiesen als Kinder von Nichtkonsumentinnen. Dieses Risiko war nicht erhöht bei Frauen, die den Snuskonsum vor ihrer ersten Vorsorgeuntersuchung beendet hatten.
Größte Wissenslücke bleibt bei weißem Snus
Die größte Wissenslücke, die die Forscher identifiziert haben, betrifft die neuen tabakfreien Nikotinbeutel, oft auch als weißer Snus bezeichnet. Tabakfreie Nikotinbeutel haben den traditionellen Snus in letzter Zeit verdrängt, und ihr Konsum nimmt rasant zu, insbesondere bei jungen Menschen und Frauen.
Den Wissenschaftlern zufolge gibt es jedoch so gut wie keine Studien darüber, wie sich diese Produkte langfristig auf die Mundgesundheit auswirken. Vorläufige Studien deuten aber darauf hin, dass weißer Snus Veränderungen der Mundschleimhaut hervorrufen kann, die sich von den bisher beobachteten unterscheiden.
Fazit
"Es geht nicht nur um den Druck des Snus auf das Gewebe; es scheint auch eine Entzündungsreaktion zu geben, die zu Knochenabbau führt und mit der Zeit Zahnfleischrückgang verursacht. Wir sehen jedoch keine eindeutigen Beweise dafür, dass Snus zu einer zerstörerischen Parodontitis führt“, bilanziert Mitautor Mats Jontell, emeritierter Professor für orale Medizin und Pathologie an der Sahlgrenska Akademie der Universität Göteborg.
Diese Ergebnisse unterstreichen aus Sicht der Forschenden die Bedeutung von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zur Regulierung des Snus-Gebrauchs, insbesondere bei Bevölkerungsgruppen wie Schwangeren und Jugendlichen, wo sie an Beliebtheit gewonnen haben.
„Da es sich bei den meisten Studien in diesem Review um Beobachtungsstudien handelt, lassen sich keine Kausalzusammenhänge herstellen“, schreiben die Forschenden. Lebensstil, Mundhygiene und sozioökonomische Faktoren könnten die Ergebnisse beeinflussen. Durch die Zusammenstellung der verfügbaren Forschungsergebnisse biete der Review jedoch ein aktuelles Bild davon, was durch Evidenz gestützt wird und wo die größten Unsicherheiten bestehen.
Bankvall M, Jontell M. Swedish smokeless tobacco and its impact on oral health: a systematic review. Acta Odontol Scand. 2026 Feb 6;85:84-95. doi: 10.2340/aos.v85.45421. PMID: 41649495; PMCID: PMC12892112.





