Assoziation zwischen Parodontitis und chronischer Nierenerkrankung entdeckt
Der Zusammenhang scheint durch eine Fehlregulation des Immunsystems, eine Verengung der Blutgefäße, eine mikrobielle Dysbiose und systemische Entzündungen bedingt zu sein. Parodontitis und chronischer Nierenerkrankung weisen demzufolge miteinander verknüpfte Entzündungsprozesse auf, die zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen können.
„Wir wissen, dass ein Zusammenhang zwischen chronischer Nierenerkrankung (CKD) und Mundkrankheiten besteht“, sagte Priyanka Gudsoorkar, Erstautorin und Assistenzprofessorin am Institut für Umwelt- und Gesundheitswissenschaften. „Die aktuellen Erkenntnisse deuten auf eine bidirektionale Beziehung hin.“
„Systemische Entzündungen stehen in Zusammenhang mit drei weiteren Erkrankungen, die zusammen das metabolische Syndrom bilden: Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck“, erklärte Dr. Prakash Gudsoorkar, Ko-Autor und außerordentlicher Professor in der Abteilung für Nephrologie der Klinik für Innere Medizin. Patienten mit Nierenerkrankungen hätten in allen Stadien ein erhöhtes Risiko für diese Erkrankungen.
Diese drei Faktoren wirkten wie eine klinische Kaskade: Diabetes und Bluthochdruck beschleunigen den Rückgang der Nierenfunktion, während Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu einem dominanten Risikofaktor werden.
Schweregrad von Mundkrankheiten steigt mit Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung
„Wir beobachten eine Zunahme des Schweregrades von Mundkrankheiten mit dem Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung, und die Fachliteratur stützt einen biologisch plausiblen Zusammenhang“, sagte Priyanka Gudsoorkar. „Was wir jedoch noch benötigen, sind gut konzipierte prospektive Studien und klinische Prüfungen, um Richtung und Ausmaß der Kausalität zu klären.“
Die Studie ergab allerdings auch, dass viele Ärzte die Mundgesundheit immer noch getrennt von chronischen Krankheiten behandeln, anstatt sie in eine umfassendere Behandlungsstrategie zu integrieren, die eine frühere Erkennung und bessere Risikobewertung ermöglichen könnte.
Diese Diskrepanz könne gerade für Dialysepatienten, die auf eine Nierentransplantation warten, gravierend sein. Eine zahnärztliche Untersuchung sei in der Regel vor dem Eingriff erforderlich. „Bei manchen Patienten erstrecken sich die Wartezeiten auf eine Nierentransplantation über Jahre, und unbehandelte Mundinfektionen können den Eingriff verzögern und ein vermeidbares Hindernis für die Transplantationsreife darstellen“, schreiben die Wissenschaftler.
„Infektionen im Mundraum und unbehandelte Parodontitis können die Kontinuität der Behandlung erschweren“, bestätigt Priyanka Gudsoorkar. „Für viele Patienten ist die Transplantationsvorbereitung der erste Schritt in ihrer Nierenbehandlung, bei dem eine zahnärztliche Überweisung zur Standardvoraussetzung wird“, sagte sie. „Daher ist eine engmaschigere Überwachung der Mundgesundheit von Dialysepatienten sowie eine bessere Behandlung von Parodontitis erforderlich.“
Die Forschenden fordern daher, die Mund- und Nierengesundheit stärker in die klinischen Versorgungssysteme zu integrieren. Ein verbesserter Rahmen, der beispielsweise standardisierte Behandlungsprotokolle und einen stärkeren Austausch von Patientendaten zwischen den Fachrichtungen vorsieht, würde ein früheres Eingreifen ermöglichen und die wirtschaftliche Belastung für die Patienten verringern.
Priyanka Gudsoorkar et al, Bridging systems: oral-kidney connections - pathophysiological links, clinical implications, and health system integration – a narrative review, BMC Nephrology (2026). DOI: 10.1186/s12882-026-04843-y





