Verbrennungsprodukte belasten das System am meisten
Die Forschenden führten molekularbiologische, präklinische, klinische und Biomarker-Daten zusammen, um die gesundheitlichen Folgen von Zigaretten, Wasserpfeifen, E-Zigaretten, Tabakerhitzern und oralen Nikotinprodukten wie Nikotinbeuteln zu vergleichen.
Es gibt keinen risikofreien Nikotinkonsum!
Dabei zeigte sich ein abgestuftes kardiovaskuläres Risiko: Am höchsten war die Belastung für das Herz Kreislauf-System bei Verbrennungsprodukten wie Zigaretten und Wasserpfeifen, während Tabakerhitzer und E-Zigaretten im mittleren Bereich lagen. Auch orale Nikotinprodukte wiesen ein messbares kardiovaskuläres Risiko auf.
Weltweit konsumieren 1,20 bis 1,25 Milliarden Menschen Tabak. Allein 2023 starben etwa 5,81 Millionen an den Folgen des direkten Konsums, hinzu kommen weitere 1,66 Millionen Tote durch Passivrauchen. Bis zu 40 Prozent aller tabak- und nikotinbedingen Todesfälle gehen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück.
Nikotin spielt unabhängig von seiner Darreichungsform eine wichtige Rolle bei der Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems, wie die Übersichtsarbeit um Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel und Univ.-Prof. Dr. Andreas Daiber vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz zeigt.
Nikotin verursacht messbare Gefäßschäden
Die Analyse der molekularbiologischen Untersuchungen und klinischen Studien belegen, dass Nikotin die Gefäße angreift, den oxidativen Stress erhöht, die Gefäße verengt sowie den Blutdruck und das Risiko für Thrombosen erhöht.
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Nikotin hemmt Kaliumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur, ebenso wie die Bildung des Enzyms eNOS (endotheliale NO-Synthase) und des Hormons Prostacylin. Das beeinträchtigt deren gefäßschützende und -erweiternde Eigenschaften. Gleichzeitig setzt Nikotin den Botenstoff Endothelin-1 frei, der zusätzlich die Gefäße verengt. Die dadurch ausgelösten Gefäßschäden, die sogenannte endotheliale Dysfunktion, erhöhen das Risiko für Arteriosklerose, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz.
Diese Effekte waren den Autoren zufolge bereits nach einer einzelnen Nikotinexposition messbar und traten bei allen Darreichungsformen auf. „Nikotin ist kein passiver Bestandteil, der lediglich die Sucht aufrechterhält, sondern verursacht messbare, reproduzierbare Gefäßschäden. Das ist sowohl in Tiermodellen als auch bei gesunden Proband:innen und klinischen Kohorten belegt“, erläutert Erstautor Münzel.
Für den Vergleich der Nikotinprodukte – Tabakzigaretten, Wasserpfeifen, E-Zigaretten, Tabakerhitzer und orale Nikotinprodukte – führte das Team systematisch drei Evidenzebenen zusammen, die bisher nur selten gemeinsam betrachtet werden: detaillierte Daten zu toxischen Inhaltsstoffen und Emissionen, präklinische Tiermodell-Studien zu vaskulären und endothelialen Mechanismen sowie große klinische und Biomarker-Studien. Anhand dieser Daten konnten die Forschenden ableiten, in welchem Ausmaß sämtliche heute genutzten Nikotin-Darreichungsformen kardiovaskuläre Schäden verursachen.
Verbrennung verursacht die stärkste Toxizität
„Das Ergebnis ist eindeutig: Verbrennung verursacht die stärkste Toxizität, doch kein nikotinhaltiges Produkt – ob geraucht, erhitzt, verdampft oder oral aufgenommen – ist für das Herz-Kreislauf-System risikofrei“, betont Münzel.
„Studien am Menschen zeigen negative Gefäßreaktionen bei allen nikotinhaltigen Produkten, wobei die Interpretation der Studien jedoch Vorsicht erfordert und Langzeitdaten fehlen“, räumen die Autorinnen und Autoren ein.
Münzel, T., Kuntic, M., Keaney, J. F. Jr, Lurz, J., Crea, F., Lüscher, T. F., Rajagopalan, S. & Daiber, A. Nicotine-containing products and the cardiovascular system: mechanisms and global health implications. Nature Reviews Cardiology (2026). DOI: https://doi.org/10.1038/s41569-026-01331-6


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