WHO rügt aggressive Werbung für Nikotinbeutel
Nikotinbeutel sind nikotinhaltige Erzeugnisse, die oral über die Mundschleimhaut konsumiert werden, ähnlich wie „Snus“. Allerdings enthalten sie keinen Tabak. Die Produkte liegen insbesondere in Skandinavien im Trend, werden aber auch in anderen Ländern immer beliebter – auch wegen des offensiven und auf jüngere Menschen ausgerichteten Marketing im digitalen Raum. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun einen ausführlichen Bericht zu den „aggressiven“ Werbestrategien der Hersteller und Vertreiber vorgelegt.
Experten der Stanford University haben dafür den Markt für nikotinhaltige Produkte unter folgender Fragestellung analysiert: Welche Inhaltsstoffe in welchen Konzentrationen enthalten die Produkte und wie sehen die Angaben dazu auf der Produktverpackung aus?
Auch die Marketing-Slogans und Botschaften wurden untersucht, ebenso wie die Kanäle und Plattformen, über die die Produkte zielgerichtet vermarktet werden. Die Experten stellten fest, dass Nikotinbeutel gerade dort beworben werden, wo Jugendliche sind: in den sozialen Medien. Großen Einfluss, aber esonders schwer zu kontrollieren, habe dabei das Influencer-Marketing.
Romantisiert und vergnügt wie einst die Zigarettenwerbung
Der Bericht zeigt, wie die globalen Tabakunternehmen ihre Märkte erweitern, indem sie Nikotinbeutel mit Zigarettenmarken co-branden und dann in sozialen Medien bewerben. Den Wissenscaftlern zufolge nutzen die Hersteller mit diesen Taktiken regulatorische Schlupflöcher aus und untergraben Gesetze, was die rasante internationale Verbreitung der Nikotinbeutel erst recht begünstigt.
Laut WHO wurden 2024 mehr als 23 Milliarden Einheiten von Nikotinbeuteln verkauft, das ist ein Anstieg von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2025 wurden mit den Pouches rund sechs Milliarden Euro umgesetzt.
Die Werbung gleiche oft der von Zigaretten: Das Produkt werde mit Spaß, glamourösen Lebensstilen, sozialer Zugehörigkeit, Romantik, Vergnügen, populärer Musik, Motorsport und Zufriedenheit assoziiert.
Call to action
Die WHO fordert daher,
dass die einzelnen Regierungen die Gesundheitsrisiken durch Nikotinbeutel und andere Tabak- und verwandte Produkte bewerten und Nikotinbeutel im Rahmen umfassender Tabakkontrollmaßnahmen regulieren, Gesetzeslücken schließen und die öffentliche Gesundheit vor kommerziellen Interessen schützen.
dass zivilgesellschaftliche Organisationen die Industrie zur Rechenschaft ziehen und sich für strenge Regelungen einsetzen.
dass Jugendliche und Jugendorganisationen die Taktiken der Industrie erkennen und ablehnen und ihr Recht auf Gesundheit schützen.
dass die breite Öffentlichkeit Marketingaussagen kritisch bewertet, fundierte Entscheidungen trifft und Maßnahmen unterstützt, die die öffentliche Gesundheit schützen.









