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Paläoproteomische Analysen an dentalem Kalkulus

Zahnstein aus der Eisenzeit gibt Einblick in die Ernährung der Skythen

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Zahnmedizin
Forschende haben den Speiseplan eines großen Nomadenvolks der osteuropäischen Geschichte entschlüsselt. Die Analyse von Zahnstein belegt, dass die Skythen Milch von Wiederkäuern und von Pferden zu sich nahmen.

Das internationaleTeam unter Leitung der Universitäten Basel und Zürich untersuchte für die Studie den Zahnstein von 28 Überresten aus den Fundorten Bilsk und Mamai-Gora im Gebiet der heutigen Ukraine. Mithilfe sogenannter paläoproteomischer Analysen – einer Methode, die erhaltene Eiweiße identifiziert – konnten sie erstmals nachweisen, welche tierischen Milchprodukte skythische Gemeinschaften tatsächlich konsumierten und von welchen Tieren.

Zahnstein als biologisches Archiv

Sie fanden Proteine, die auf den Verzehr von Milch und verarbeiteten Milchprodukten von Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen deuten. In einem Fall gelang zudem der Nachweis von Pferdemilch. Dass Skythen die Milch von Stuten zu sich nahmen, wurde bislang vor allem aufgrund historischer Texte vermutet, konnte aber bislang nicht direkt belegt worden.

Das Nomadenvolk der Skythen

Seit Jahrhunderten gelten die Skythen als ein Volk nomadischer Reiter, das in der Eisenzeit die weiten Steppen Eurasiens durchzog. In den letzten Jahren haben jedoch wissenschaftliche Untersuchungen dieses vereinfachte Narrativ infrage gestellt. Sie zeigen, dass die Skythen keine einheitliche Gruppe waren, sondern aus einer vielfältigen, multiethnischen Bevölkerung mit unterschiedlichen geografischen Ursprüngen bestanden. Ihre Lebensweisen waren ebenso vielfältig: Neben mobiler Viehzucht spielten auch Ackerbau, lokale Sesshaftigkeit und komplexe soziale Strukturen eine wichtige Rolle.

Auch methodisch eröffnet die Studie neue Perspektiven. „Zahnstein ist ein bemerkenswertes Reservoir persönlicher Geschichte“, erklärt die Studienleiterin Shevan Wilkin. „Da sich Zahnbelag während des gesamten Lebens eines Menschen schrittweise bildet und mineralisiert, erlaubt er uns einen sehr direkten Blick auf tatsächlich konsumierte Nahrungsmittel – jenseits allgemeiner Annahmen über Lebensweisen oder Wirtschaftsformen."

Demnach eignet sich Zahnstein „besonders gut für die Analyse der früheren Ernährung des Menschen, da bei seiner Bildung schnell Proteine sowohl aus dem Wirt als auch aus der Umgebung zusammen mit anderen Biomolekülen, Mikro-Rückständen und Ablagerungen eingeschlossen werden".

Ein Reservoir persönlicher Geschichte

Gleichzeitig seien diese Ergebnisse nur ein erster Schritt. Zwar liefere die Studie klare Hinweise auf den Konsum verschiedener Milchprodukte, doch lässt sich daraus noch kein vollständiges Bild der Ernährung skythischer Gemeinschaften zeichnen. Künftige Studien müssten den Zahnstein einer deutlich größeren Zahl von Individuen aus verschiedenen Regionen der eurasischen Steppe analysieren, um die komplexen und dynamischen Ernährungssysteme der Steppenvölker der Eisenzeit weiter zu erschließen.

Pecnik J, Ventresca Miller AR, Panse C et al. Paleo-proteomic analysis of Iron Age dental calculus provides direct evidence of Scythian reliance on ruminant dairy. PLoS One. 2026 Jan 21;21(1):e0339464. doi: 10.1371/journal.pone.0339464. PMID: 41563953; PMCID: PMC12822928.

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