Gesellschaft

"Auch die Chancengleichheit beginnt im Mund"

Andreas Dietze ist neuer Chef der LAG Berlin. "No-Go-Areas" gibt es aus seiner Sicht in der Hauptstadt nicht, Problembezirke aber schon, auch was die Zahngesundheit betrifft. Im Interview spricht er über renitente Kitas, Dauernuckler und die Arbeit der LAG.

LAG-Berlin Chef Andreas Dietze (links) demonstriert Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, am Rande des Tags der offenen Tür im Bundesgesundheitsministerium in Berlin eine Berliner Broschüre, die in 19 Sprachen über das Thema Mundgesundheit informiert. zm-sf

Kleinkinder sind neugierig und aufnahmefähig. Eigentlich ist es nicht so schwer, sie für das Thema "Gesunde Zähne" zu begeistern, erläutert Dietze im Interview. LAG Berlin
Jedoch haben längst nicht alle Kinder optimale Startbedingungen. Gerade wenn die Zahnpflege im Elternhaus nicht kultiviert ist, profitieren die Kinder ganz besonders von den regelmäßigen Demonstrationen durch die Mitarbeiter der Gruppenprophylaxe und die Besuche der Zahnärzte von den Gesundheitsämtern in deutschen Schulen. Gut informiert lernen auch sie, Verantwortung für ihre eigene Mundgesundheit zu übernehmen. LAG Berlin

zm-online: Herr Dietze, Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, den Kariesbefall an Milchzähnen zu senken. Klappt das?

Andreas Dietze: Die gerade aktuell erschienene Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie belegt die erfreuliche Tendenz, dass die Zahn- und Mundgesundheit der Kinder in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden ist. So hat sich die Zahl kariesfreier Gebisse in den Jahren 1997 bis 2014 praktisch verdoppelt.

Auch bei den Berliner Kindern und Jugendlichen stellt sich die Entwicklung der Mundgesundheit in weiten Bereichen nach wie vor positiv dar. Die Höhe des Anteils der kariesfreien Gebisse hat sich im Vergleich der letzten Jahre bei den Berliner Kitakindern und Schülern kontinuierlich verbessert. Trotzdem ist bei Kindern im Kitaalter nach wie vor noch ein viel zu hoher Anteil an behandlungsbedürftigen Zähnen festzustellen.

Frühkindliche Karies: "Wir müssen unsere präventiven Maßnahmen verstärken"

Ich bin auf das Ergebnis der neuen epidemiologischen Begleituntersuchung der Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) gespannt. Die DAJ führt beginnend vom Schuljahr 2015/2016 eine Neuauflage der Untersuchungen zur Gruppenprophylaxe in sämtlichen Landesarbeitsgemeinschaften durch. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wissen wir, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder ob wir neue Wege gehen müssen.

Unabhängig davon, kommt der frühkindlichen Karies eine besondere Bedeutung zu. Hier müssen wir unsere präventiven Maßnahmen verstärken, dem Dauernuckeln entgegenwirken sowie über die adäquate Art der durstlöschenden, zuckerfreien Getränke im Kinder- und Jugendalter aufklären.

Die Politik gibt in Abständen sogenannte „No-Go-Areas“ für Berlin an, etwa das Kottbusser Tor – können Sie Mundgesundheits-Problemkieze benennen?  

Ich denke, dass die Formulierung „No-Go-Area“ etwas überspitzt formuliert ist, diese gibt es in Berlin sicher nicht. Es gibt aber in Berlin, wie in anderen Großstädten auch, leider einige soziale Brennpunkte, die sich zum Beispiel dadurch auszeichnen, dass ein hoher Anteil der Bevölkerung Transferleistungen erhält. Diese Bereiche können dem Monitoring Soziale Stadtentwicklung entnommen werden.

Wir müssen feststellen, dass in den Schulen und Kitas in diesen Bereichen häufig Kinder mit deutlich schlechterer Zahngesundheit anzutreffen sind als in sozial besser gestellten Gegenden. Der Zusammenhang von Armut und der Zahn- und Mundgesundheit wurde in vielen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen. Die LAG Berlin arbeitet auf der Basis eines bedarfsorientierten Prophylaxekonzepts, sprich die personellen und sächlichen Ressourcen werden dort intensiver eingesetzt, wo der Kariesbefall besonders hoch ist.  

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