Zahnarzt produziert aufwendige Videos

Autor, Regisseur, Kameramann, Schauspieler - und Zahnarzt

Mal lässt er einen Heißluftballon über Halle schweben, mal geht es zum Dreh an den Strand von Venice Beach - Zahnarzt Roger Barz investiert viel Zeit und Energie in sein Hobby. Ein Überzeugungstäter.

Zahnarzt Roger Barz liebt den Nervenkitzel beim Videodreh: Wenn alles ganz schnell gehen muss, die Szene nicht reproduzierbar ist – und die Anweisungen auch mal gebrüllt werden dürfen. Roger Barz

Vor drei Jahren produzierte Zahnarzt Roger Barz sein erstes Video zu Halloween – gedacht als kleiner Gimmick für seine Patienten – und stellte das Video auf dem Facebook-Kanal seiner Praxis ein. Seitdem kann er nicht mehr damit aufhören.

Über 45 Videos sind mittlerweile bei "Zahngesundheit Halle" verfügbar - darunter "Die verflixte Muffe", "Freitag der 13. - Termin beim Zahnarzt?" und "Ein Zahnarzt verschläft seinen Urlaub" sowie jährliche Weihnachts- und Ostervideos. Die Reichweite pro Video liegt bei 120.000 bis 160.000 Nutzern - im Schnitt haben rund 27.000 Personen seine Videos über den Facebook-Kanal seiner Praxis gesehen.

Der bisher spektakulärste Dreh: Für sein Video zum "Tag der Zahngesundheit 2018" ließ Barz einen Heißluftballon über Halle schweben. | Silvio Kelz / SK Media

Eineinhalb Monate hatte Barz vergeblich auf die richtigen Wetterverhältnisse gewartet, dann kam plötzlich der Anruf: Jetzt endlich könne es losgehen. Sofort. Der Ballon sei startbereit. Und dann musste alles ganz schnell gehen. | Roger Barz

Rein in die Gondel und Kamera an: "Denn gerade als der Heißluftballon aufgerichtet wurde, kam Wind auf", erinnert sich Barz. "Von da an ging alles ganz schnell. Wir hatten nur wenige Sekunden Zeit, bevor der Ballon abhob." | Roger Barz

Geschafft! Die Szene ist im Kasten! | Roger Barz

Imagefilme für seine Praxis sind die Videos nicht. Stattdessen handeln sie von den Erlebnissen eines Angsthasen, der zum Zahnretter wird – in verschiedenen Situationen mit den unterschiedlichsten Helfern. So wurde bereits mit Hunderettungsstaffel und Motorboot im Kanal gedreht, mit dem gesamten Team der Synchronschwimmerinnen Dresden im städtischen Schwimmbad und mit einem befreundeten DJ am Strand von Venice Beach in Los Angeles. "Hauptsache, es ist spektakulär und kein Video gleicht dem anderen", lacht Barz.

Von der Idee bis zur Umsetzung eines einzigen Videos dauert es in der Regel ein halbes Jahr – manchmal auch zwei. "Diese Zeit benötige ich, um die Idee zu entwickeln und den Dreh optimal vorzubereiten", erzählt Barz. Denn alle Aufnahmen werden dann meist an einem Tag gedreht - ohne Drehbuch, in einem Rutsch. "Deshalb sind die Vorbereitungen so entscheidend."

Bevor er sich als Zahnarzt in Halle niederließ, organisierte Barz 60 Konzerte pro Jahr

Der Zahnarzt liebt den Nervenkitzel am Drehtag: "Es ist dieselbe Freude, die ich von früher kenne: die Lust auf ein Event!" Der 52-Jährige kann einen schillernden Lebenslauf vorweisen: Geboren in Bad Schmiedeberg, ging Barz in jungen Jahren zum Zahnmedizinstudium nach Halle. Mit dem Abschluss in der Tasche blieb er - und wurde Programmchef des Studentenclubs "Turm". Zehn Jahre lang organisierte Barz rund 60 Konzerte im Jahr, danach folgten noch zwei Jahre als Chefredakteur des Stadtmagazins.

"Ich habe diese Arbeit wirklich sehr gerne gemacht, doch irgendwann war für mich der Reiz weg", sagt Barz. "Die Konzerte wiederholten sich Jahr um Jahr. Es war Zeit für was Neues." So entschied sich Barz mit "entspannten 40 Jahren" in seinen ursprünglich erlernten Beruf einzusteigen und sich in Halle in eigener Praxis niederzulassen. "Meine Zeit als Veranstaltungsleiter möchte ich jedoch nicht missen. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel gelernt. Zum Beispiel, Pläne schnell und mit Improvisationstalent innerhalb kürzester Zeit umzusetzen."

Zum Tag der Zahngesundheit

Roger Barz rettet gerne Zähne – klar! Besonders viel Spaß macht es ihm jedoch erst, wenn er seine Praxis verlässt und die Videokamera einpackt.

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Ohne Vertrauen geht es nicht!

Eine Agentur ist daher an der Videoproduktion nicht beteiligt – Skript, Regie, Requisite, Kameraarbeit, Musikauswahl und Schnitt kommen aus der Hand von Barz. "Natürlich ist im Laufe der Zeit ein Netzwerk entstanden, von Leuten, die ich gut kenne und die Spaß daran haben, meine Ideen gemeinsam mit mir umzusetzen – allen voran mein guter Freund Marc C. Schmidt von der Agentur Fresh Info. Nichtsdestotrotz sind alle Filme absolute Low-Budget-Produktionen. Schnell gedreht und kostenoptimiert produziert!"

200 bis 300 Euro kostet ihn in der Regel ein Video. "Der teuerste Dreh war der erste Dreh, weil wir dafür den Helium-Zahn extra produzieren lassen mussten. Weitere, größere Kosten gibt es aber kaum." Barz arbeitet oft und gerne mit ehrenamtlich tätigen Vereinen zusammen, wie der Hunderettungsstaffel aus Halle. "Die Vereine bekommen als Aufwandsentschädigung eine Spende von mir, außerdem schneide ich aus dem Drehmaterial eine andere Videoversion für die Vereinswebseite, damit auch die Vereine von dem Dreh profitieren."

"Andere gehen in den Kletterpark, wir drehen halt Videos"

Und die Schauspieler? "Gerne greife ich auf meine Praxismitarbeiterinnen zurück", lacht Barz. "Aber natürlich steht dies nicht im Arbeitsvertrag!" Da es kein Drehbuch für die Filme gibt, basiert die Zusammenarbeit immer "auf einer großen Vertrauensbasis", erläutert der Praxischef. "Selbstverständlich sehen sich die Mitarbeiterinnen den fertig geschnittenen Film dann zuerst an - und nur, wenn sie sich auch gut dargestellt fühlen, wird das Video veröffentlicht. Sonst nicht. Punkt."

Die meisten Mitarbeiterinnen arbeiten schon seit der Gründung in der Praxis und kennen Barz seit fast zwölf Jahren. "Ich glaube, dass mir meine Mitarbeiterinnen schon vertrauen, aber natürlich muss ich weiterhin das nötige Fingerspitzengefühl beweisen. Dazu gehört auch, dass ich ihnen den Raum gebe, um Kritik äußern zu können. Anders funktioniert es nicht. Wenn ich mein Hobby mit meinen Arbeitskollegen teilen und meine Mitarbeiterinnen einbeziehen möchte, dann muss das Grundprinzip Vertrauen und Respekt vor den Einwänden der Mitarbeiter sein."

Mit der Drohne wird der Heißluftballon verfolgt. | Roger Barz

Die Idee für den nächsten Dreh gibt es bereits. Vielleicht schafft es der Helium-Zahn dann in den Weltraum?! | Silvio Kelz / SK Media

Und so kann sich ein Drehtermin auch schnell zum Betriebsausflug entwickeln. "Andere Chefs gehen mit ihren Mitarbeitern vielleicht in den Kletterpark, umarmen Bäume oder machen wer weiß was, um den Zusammenhalt im Team zu stärken. Wir drehen halt Videos", lacht Barz.

Wichtig ist ihm, dass dieses freundschaftliche Miteinander für eine gute Atmosphäre in seiner Praxis sorgt. "Das heißt nicht, dass wir den ganzen Tag nur lustig sind und ständig lachen müssen, sondern einfach dass wir kollegial freundlich und respektvoll miteinander umgehen. Das ist mir wichtig. Ich glaube, der größte Wert, den wir mittlerweile haben können, ist einen Job zu haben, der einem tatsächlich richtig Spaß macht!"

 

Und so würden auch seine Patienten von den Videos profitieren. "Ich glaube nicht, dass all unsere Patienten unsere Videos kennen, darum geht es aber auch nicht. Ich glaube aber, dass unsere Patienten sehr wohl die gute Stimmung im Team wahrnehmen. Und deshalb gerne zu uns in die Praxis kommen. Darauf kommt es an!"

Was der Angsthase in seinem diesjährigen Video zum Tag der Zahngesundheit erleben wird, bleibt noch ein Geheimnis. Barz will nur so viel verraten: Die im Juni gedrehte Heißluftballon-Szene wird selbstverständlich eine entscheidende Rolle bei der Zahnrettung spielen. Doch erst am 25. September wird das Video veröffentlicht werden. Hier finden Sie aber schon das Making-of zum Video.

 

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