Erste Langzeitstudien zeigen

Chronische Lungenerkrankung: Wer Tabak und E-Zigaretten raucht, hat das 3-fache Risiko!

Der Gebrauch von E-Zigaretten erhöht signifikant das Risiko, sich chronische Lungenerkrankungen wie Asthma, Bronchitis, Emphysem oder chronisch obstruktive Lungenkrankheiten zuzuziehen. Wer Tabak und E-Zigaretten raucht, erhöht das Risiko um das 3-Fache.

Während E-Zigaretten-Konsumenten 1,3-mal häufiger an chronischen Lungenerkrankungen erkranken, erhöhen Tabakraucher ihr Risiko um den Faktor 2,6. Für Personen, die sowohl Tabak rauchen als auch E-Zigaretten konsumieren, multiplizieren sich diese beiden Risiken – sie haben das dreifache Risiko, an Lungenerkrankungen zu erkranken. Adobe Stock_Babschnae

Zwar erhöht der Gebrauch von E-Zigaretten signifikant das Risiko, sich chronische Lungenerkrankungen wie Asthma, Bronchitis, Emphysem oder chronisch obstruktive Lungenkrankheiten zuzuziehen.

Für duale User multiplizieren sich die Risiken

Allerdings wiesen die Autoren erstmals in einer Langzeitstudie nach, dass Konsumenten von E-Zigaretten und Tabak – das bei weitem häufigste Muster bei erwachsenen Rauchern – ein noch höheres Risiko hatten, an chronischen Lungenerkrankungen zu erkranken, als diejenigen, die beide Produkte alleine konsumierten. "Duale User gehen das doppelte Risiko ein, so dass sie tatsächlich schlechter dran sind als Tabakraucher", bestätigt Seniorautor Prof. Stanton Glantz, PhD, Direktor des UCSF Center for Tobacco Control Research and Education.

Die Ergebnisse wurden am 16. Dezember 2019 im American Journal of Preventive Medicine veröffentlicht und basieren auf einer Analyse öffentlich verfügbarer Daten aus der "Population Assessment of Tobacco and Health" (PATH), in der einerseits der E-Zigaretten- und Tabakgebrauch, andererseits auch damit in Verbindung stehende Krankheiten erfasst werden. So wurden von 2013 bis 2016 bei mehr als 32.000 US-amerikanischen Erwachsenen neue Lungenerkrankungen diagnostiziert.

Querschnitt- versus Langzeituntersuchungen

Während Querschnittstudien, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ge­sund­heit von Anwendern und Nichtanwendern vergleichen, sehr störanfällig sind, weil sich Ursache und Wirkung schwer trennen lassen, haben Langzeituntersuchungen eine höhere Be­weiskraft – denn hier werden einzelne Personen über Jahre wiederholt befragt. Querschnittsstudien liefern also lediglich eine Momentaufnahme, die es den Forschern unmöglich macht, zu sagen, ob eine Lungenerkrankung durch E-Zigaretten verursacht wurde oder ob Menschen mit Lungenerkrankungen eher E-Zigaretten konsumieren.

Die neue Längsschnittstudie erfasste nachweislich gesunde Erwachsene, hielt von Anfang an ihren E-Zigaretten-Konsum sowie ihr Rauchverhalten fest und folgte ihnen dann drei Jahre lang.

Das Risiko bei E-Zigaretten steigt um ein Drittel, bei Tabak um das 2,6-Fache und für duale Raucher um das 3-Fache

"Wir haben festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, an Lungenerkrankungen zu erkranken, für E-Zigaretten-Konsumenten um etwa ein Drittel zunimmt", resümiert Glantz. "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass E-Zigaretten für sich genommen schädlich sind."

Doch während E-Zigaretten-Konsumenten 1,3-mal häufiger an chronischen Lungenerkrankungen erkranken, erhöhen Tabakraucher ihr Risiko um den Faktor 2,6. Für Personen, die sowohl Tabak rauchen als auch E-Zigaretten konsumieren, multiplizieren sich diese beiden Risiken – sie haben das dreifache Risiko, an Lungenerkrankungen zu erkranken.

Dualer Gebrauch ist das häufigste Konsummuster bei E-Zigaretten

Diese Feststellung ist besonders relevant, da die Debatte darüber, ob E-Zigaretten als Instrument zur Raucherentwöhnung gefördert werden sollten, weiterhin kocht. Während die Autoren zu dem Schluss kommen, dass die Umstellung von Tabak auf E-Zigaretten das Risiko einer Lungenerkrankung senkt, waren weniger als 1 Prozent der Raucher vollständig auf E-Zigaretten umgestiegen.

"Die Umstellung von herkömmlichen Zigaretten auf ausschließlich E-Zigaretten könnte das Risiko von Lungenerkrankungen verringern, aber nur sehr wenige Menschen tun dies", sagt Glantz. "Die meisten Raucher konsumieren einfach zusätzlich E-Zigaretten und werden Doppelnutzer. Dadurch steigt das Risiko, an Lungenerkrankungen zu erkranken, erheblich über das reine Rauchen hinaus."

Wichtig ist den Autoren, dass die Ergebnisse dieser Studie nichts mit EVALI (E-Zigarette oder Vaping Product Use-Associated Lung Injury) zu tun haben, der akuten Lungenerkrankung, über die im vergangenen Sommer erstmals berichtet wurde. Obwohl die Wissenschaftler immer noch daran arbeiten, die Ursache für EVALI zu bestimmen, haben frühere physiologische Studien sowohl bei Tieren als auch beim Menschen ergeben, dass E-Zigaretten das Immunsystem schwächen und den Gehalt an stressbedingten Proteinen in der Lunge erhöhen. Chemische Analysen ergaben, dass E-Zigaretten einen höheren Gehalt an bestimmten toxischen Chemikalien enthalten als herkömmliche Zigaretten. Die neue Studie zeigt den Autoren zufolge jedoch, dass dies nicht die einzigen Gesundheitsbedrohungen sind, die von E-Zigaretten ausgehen.

"Diese Studie trägt zum wachsenden Problem bei, dass E-Zigaretten langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und die Tabakepidemie verschlimmern", sagte Glantz.

Dharma N. Bhatta, Stanton A. Glantz, Association of E-Cigarette Use With Respiratory Disease Among Adults: A Longitudinal Analysis, in: American Journal of Preventive Medicine (2018; DOI: 10.1016/j.amepre.2019.07.028).

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Horst WinklerDie Interpretation der Daten hat leider Schwächen
Weltweit haben mehrere Wissenschaftler die Interpretation der Studie durch die Autoren kritisiert und bezeichnen diese als "schlampig", "irreführend" und "absichtlich voreingenommen".

Gründe:
1) Die meisten E-Zigaretten-Konsumenten
mehr anzeigen ...
die befragt wurden, waren oder sind Raucher. Dadurch kann eine Vorschädigung durch jahrelangen Konsum von Tabak-Zigaretten nicht ausgeschlossen werden. Es ist unmöglich die Effekte des Rauchens von den Effekten des Dampfens zu trennen. Man müsste die Dauer und Intensität des vorausgegangenen Konsums von Tabak-Zigaretten berücksichtigen. Doch selbst dann sind die in der Studie getroffenen Aussagen nicht mehr als eine fragwürdige Spekulation, die wesentliche Faktoren außer acht lässt.
2) Die untersuchten Erkrankungen benötigen Jahre, teilweise sogar Jahrzehnte um sich zu entwickeln. Der Betrachtungszeitraum (2013-2016) ist daher viel zu kurz und legt die Vermutung nahe, dass die Erkrankung bereits begonnen hatte, als die Personen noch geraucht haben, aber die Diagnose erst nach dem Wechsel zur E-Zigarette getroffen wurde.
3) Auch die Aussagen zum dualen Konsum (E-Zigarette + Tabak-Zigarette) sind in keiner Weise nachvollziehbar, oder ergeben sich auf irgendeine Weise aus den zugrunde liegenden Daten. Die Autoren haben hier schlichtweg beide Risikofaktoren multipliziert, dabei wird die in der praxis übliche teilweise Substitution der Tabak-Zigarette durch die E-Zigarette überhaupt nicht berücksichtigt.

ABER: Die Daten auf denen die Studie basiert zeigen allerdings, dass der Konsum von E-Zigaretten ein um Größenordnungen geringeres Riskio in sich birgt, als dies bei Tabak-Zigaretten der Fall ist. Dies wird von den Autoren leider vollständig ignoriert. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat gestern einen Artikel dazu veröffentlicht: https://www.rnd.de/gesundheit/h...l

Vor 1 Monat 3 Wochen
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