Bundesregierung

Corona-App: Tracing statt Tracking

Bei der geplanten Corona-App setzt die Bundesregierung jetzt doch auf dezentrale Speicherung - und auf einen Ansatz, der auf Freiwilligkeit, Datenschutzkonformität sowie IT-Sicherheit beruht.

Für eine wirksame Eindämmung der Pandemie müssen 56 Prozent der Handynutzer die Corona-App nutzen. Nach massivem Widerstand gibt die Bundesregierung den Plan einer zentralen Speicherung der Tracing-Daten daher auf. AdobeStock_Drazen

Ziel der Bundesregierung ist, sehr bald eine Tracing-App im Einsatz zu haben, die breite Akzeptanz findet. Denn die Nutzung der App durch möglichst große Teile der Bevölkerung ist die Grundlage ihres Erfolgs. Laut Oxford University müssen für eine wirksame Eindämmung der Pandemie 56 Prozent der Handybesitzer eine solche App nutzen.

Tracing-App versus Tracking-Apps

Im Gegensatz zu Tracking-Apps werden bei der geplanten Tracing-App ist keine Bewegungsdaten beobachtet. Stattdessen wird über Bluetooth erfasst, wie nah sich zwei Geräte kommen. Als relevante Parameter weil für eine mögliche Infektion geeignet gilt laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ein Abstand von weniger als zwei Metern für länger als 15 Minuten. Tritt dieser Fall ein, werden anonymisierte IDs zwischen den Telefonen ausgetauscht und in einem Kontakttagebuch gespeichert. Gibt ein Nutzer in seiner App freiwillig an, dass er positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, erhalten die App-Nutzer aus dem Kontakttagebuch eine Warnmitteilung.

„Wir verfolgen als Bundesregierung bei der Entwicklung einer Tracing-App einen Ansatz, der auf Freiwilligkeit beruht, datenschutzkonform ist und ein hohes Maß an IT-Sicherheit gewährleistet", erklärten Kanzleramtsminister Helge Braun und Bundesgesundheitsminister Jens Sahn in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Sonntag. 

Nach massiver Gegenwehr von Wissenschaftlern, der EU-Kommission und Warnungen von Organisationen wie dem Chaos Computer Club bessert die Bundesregierung in puncto IT-Sicherheit jetzt nach: Sie setzt ab sofort "auf eine dezentrale Softwarearchitektur, die die in Kürze zur Verfügung stehenden Programmierschnittstellen der wesentlichen Anbieter von mobilen Betriebssystemen nutzt und gleichzeitig die epidemiologische Qualitätssicherung bestmöglich integriert".

Konflikt um technische Basis der Tracing-App

Mit einer Tracing-App wird das Ziel verfolgt, Personen zu identifizieren, die einen direkten oder auch indirekten Kontakt zu einer erkrankten Person hatten. Dazu sind verschiedene Techniken im Gespräch: von Bluetooth-Entfernungsmessung bis zu GPS-Bewegungsdaten. Letzteres ist in anderen EU-Mitgliedstaaten bereits im Einsatz, wird von europäischen Datenschützern aber höchst kritisch bewertet.

Das gilt auch für eine Speicherung der Tracing-Daten auf einem zentralen Server. Genau das sah der bis Ende vergangener Woche von der Bundesregierung präferierte technische Unterbau einer solchen App aber vor, der von dem Konsortiums PEPP-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing) bereitgestellt werden sollte. Eine Alternative könnte die Lösung des konkurrierenden Konsortiums DP-3T (Decentralised Privacy-Preserving Proximity Tracing) sein. Diese Technik setzt auf eine dezentrale Speicherung. 

Ob es damit zu einem Wechsel des Anbieters der Grundlagentechnik kommt, bleibt offen. Zuletzt hatten sich aus dem von der Bundesregierung unterstützten Konsortium PEPP-PT zahlreiche namhafte Mitglieder zurückgezogen. Die Technik der Mitbewerberplattform DP-3T soll hingegen einem Medienbericht zufolge in Kürze die Basis für Österreichs Corona-App bilden. Ebenfalls interessiert an der dezentralen Lösung seien die Schweiz und Niederlande.

Wann die erste Version der deutschen Tracing-App fertiggestellt sein wird, steht noch nicht fest. Medienmeldungen zufolge rechnen einige Wissenschaftler mit einem Start Mitte Mai. Denn aktuell gibt es laut einer Analyse von heise online noch mehrere Baustellen, die abgearbeitet werden müssen, um die korrekte Arbeitsweise der App sicherzustellen. Momentan gebe es noch ein "großes Fehlerpotential (…),", schreibt heise online, "denn die Entwickler versuchen, die Ausbreitung eines Virus mit Hilfe der Ausbreitung von Funksignalen im UHF-Band abzubilden."

Noch ist eine Glasscheibe ein Problem

Dieses Vorgehen berge viele Fallstricke. So verhindere eine Glasscheibe zwischen zwei Personen verlässlich die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus, lasse aber die Funksignale zwischen ihren Smartphones problemlos passieren. Außerdem würden Funksignale unter bestimmten Bedingungen sehr gut um Ecken reflektiert, die von Infizierten ausgesonderten Tröpfchen mit Virenpartikeln unter Umständen aber nicht.

"Die App läuft also Gefahr, Fehlalarme zu verursachen", kommentiert heise und gibt ein Beispiel: "Etwa wenn ein Fahrradfahrer an der Ampel neben einem geschlossenen Auto anhält und die Handys beider Verkehrsteilnehmer trotzdem munter Bluetooth-Signale austauschen."

Ganz unabhängig davon gebe es weitere Unschärfen: Unterschiedliche Smartphone-Modelle haben unterschiedliche Sende- und Empfangscharakteristiken, schreiben die Technik-Fachleute, "die sich dummerweise auch noch ändern, je nachdem, wie das Gerät gehalten wird".

 

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

29023032901809290181029018112902304 2902305 2901814
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare