Wissenswertes zum Virus

Corona-News kompakt

+++ Neue Fachdisziplin Infodemiologie soll gegen Verschwörungstheorien helfen +++ Pharmabranche legt gegen allgemeinen Trend zu +++ Preprint Viewer erleichtern symptombezogene Suche in Publikationen +++


Corona News kompakt 24.7.

Infodemiologie – so nennt die Weltgesundheitsorganisation WHO ihren neuen Ansatz, mit dem sie eine Flut an falschen und missverständlichen Informationen und Verschwörungstheorien rund um das Corona-Virus weltweit eindämmen will. Dazu hat sie Wissenschaftler aus zahlreichen Fachdisziplinen und Ländern in einer Online-Fachkonferenz zusammengebracht, um eine neue Forschungsdisziplin an den Start zu bringen – darunter Mathematik, EDV, Soziologie, Psychologie, Gesundheit, Kommunikation und anderen.

Die neue Fachdisziplin soll helfen, das Vertrauen der Menschen in Behörden und Experten im Rahmen der Corona-Krise zu stärken. Schon zu Anfang der Pandemie hatte die WHO vor Falschinformationen gewarnt. Unüberschaubare Mengen an Informationen könnten bei Menschen zu Stress und Sorgen führen und sie dazu verleiten, gefährlichen Ratschlägen zu folgen. Wichtig sei es, gute von schlechten Quellen zu trennen und Missverständnisse auszuräumen. Die WHO will mit gezielter Kommunikation gegenhalten. 

Eine deutsch-chinesische Studie hat die Antikörper von 327 genesenen COVID-19-Patienten aus Wuhan untersucht. Die Patienten gehören zu den Menschen, die sich als erste weltweit mit dem SARS-CoV-2-Virus infizierten, das Vorkommen von Antikörpern ist bei ihnen überraschend hoch.

Bei mehr als 80 Prozent der Patienten konnten sechs Monate nach ihrer Erkrankung noch biologisch aktive Antikörper nachgewiesen werden. Die Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und eines Labors in Wuhan. Die wissenschaftlichen Verbindungen zwischen Wuhan und Essen bestehen seit rund 40 Jahren, das Labor wurde vor zehn Jahren gegründet.

Alle untersuchten Patienten stammen aus Wuhan

Der Virologe Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen, gegenüber zm-online: „An dieser Studie haben ausschließlich Patienten mitgewirkt, die tatsächlich erkrankt waren, es gab mittelschwere und schwere Fälle. Es ist die einzige Studie weltweit, die in Wuhan über einen so langen Zeitraum hinweg durchgeführt wurde. In China ist es die Regel, dass Patienten nach ihrer Genesung noch eine Zeitlang in Quarantäne müssen. Auch von diesen haben sich einige bereiterklärt, an der Studie teilzunehmen. Alle Patienten wurden von ihrer Aufnahme ins Krankenhaus bis zur Nachsprechstunde nach ihrer Genesung immer wieder untersucht.“ Den Unterschied zu anderen Studien zum Thema, die in jüngster Vergangenheit genesenen COVID19-Patienten zum Teil nur ein geringes Maß an Antikörpern attestierten, sieht Dittmer darin begründet: „In diesen Studien wurden im Unterschied zu unserer auch Patienten untersucht, die keine Krankheitssymptome entwickelten. Dazu kommt, dass keine Studie bisher Patienten über einen so langen Zeitraum untersuchte. Die von uns untersuchten Patienten sind ziemlich einmalig auf der Welt.“

Über Jahre immun?

Dittmer und seine Kollegen vermuten, dass die untersuchten Patienten „über Jahre immun“ sein könnten. Der hohe Anteil an Antikörpern könnte dafür sorgen, dass das Virus unschädlich gemacht werden kann. Bisher gibt es laut Auskunft Dittmers keinen Fall in Wuhan, in dem ein bereits an COVID 19 erkrankter und genesener Patient ein zweites Mal erkrankte. Auch das spricht für die These der neuen Studie.

Die Bildung der Antikörper, die im Rahmen der Studie untersucht wurde, entspreche jener, die man auch von anderen Viruserkrankungen kennt. „Die Menge an Antikörpern steigt anfangs rasch an, erreicht dann einen Höhepunkt, fällt wieder ab und stabilisiert sich auf einem Niveau, bei dem man davon ausgehen kann, dass ein Schutz gegen eine neuerliche Infektion besteht“, erläutert Dittmer gegenüber zm-online.

Da andere diesbezügliche Corona-Studien zeitlich kürzer angelegt waren, kann auch das erklären, warum die Forscher zu anderen Ergebnissen kamen als Dittmer und sein Team: Die kürzeren Studien bildeten einen kleineren zeitlichen Ausschnitt von Erkrankung, Genesung und Antikörpervorkommen der Patienten ab.

„Wir können davon ausgehen, dass Patienten zumindest eine Zeit lang vor einer neuerlichen Erkrankung geschützt sind“, resümiert Dittmer. Wie lange dieser Zeitraum ist, vermag er nicht zu sagen. Er geht von mindestens ein paar Monaten bis zu einigen Jahren aus.

Das ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften in Köln entwickelte jetzt einen Preprint Viewer zu COVID-19. Dieser soll die Suche nach relevanten Informationen in der Fülle von auf Preprint-Servern publizierten Studien erleichtern, heißt es. Das auf Text-Mining basierende Tool bietet dazu erweiterte Such- und Filterfunktionen für Abstracts, direkte Links zu den entsprechenden Volltexten und Exportfunktionen für abgerufene Ergebnisse.

Die Abstracts werden täglich aktualisiert. Darüber hinaus werden zur Verbesserung der Retrieval-Funktionalität Konzepte aus standardisierten Krankheits- und Symptomvokabularen in den Abstracts markiert, teilt das ZB MED mit. Terminologien zur Suche nach Übertragungs- und Seroprävalenzinformationen wurden zusätzlich eingepflegt.

Aktuell sind Preprints aus bioRxiv, medRxiv, ChemRxiv, arXiv und Preprints.org in den Dienst integriert. Der Preprint Viewer ist das erstes Ergebnis der Task Force COVID-19. Mitglieder des multidisziplinären Teams nfdi4health haben die Initiative ins Leben gerufen, um es der Fachcommunity leichter zu machen, relevante Studien zu finden und Daten austauschen zu können.

Hier geht's zum Preprint-Viewer.

Die Pharmaindustrie ist eine der wenigen Branchen, die zu Beginn der Corona-Krise starke Exportzuwächse verzeichnen konnte. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, setzt sich der Trend aktuell weiterhin fort: Von März bis Mai 2020 stiegen die Exporte von Pharmazeutika um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 22,1 Milliarden Euro (März bis Mai 2019: 19,3 Milliarden Euro).

Zum Vergleich: Insgesamt brachen die Exporte von März bis Mai 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22,6 Prozent ein. Im März 2020 erreichten die Exporte von pharmazeutischen Erzeugnissen sogar einen neuen Rekordmonatswert seit Bestehen dieser Statistik und stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 27,8 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. 

Besonders erfolgreich war der März 2020, da erreichten die Pharmafirmen mit Ausfuhren für 8,2 Milliarden Euro (ein Plus von 27,8 Prozent) sogar einen neuen Rekordmonatswert. Im selben Monat sei aber auch der Inlandsumsatz der Branche besonders stark – um 20 Prozent zu März 2019 – gestiegen, weil sich die Apotheken am Anfang des Lockdowns bevorratet hatten.

Kinder- und Jugendarmut bleibt trotz der vor der Corona-Krise jahrelang guten wirtschaftlicher Entwicklung in Deutschland ein ungelöstes strukturelles Problem. Das ergab eine aktuelle Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Wirft man alleine einen Blick auf die Kinder, die Grundsicherung (SGB II/Hartz IV) beziehen (das sind bundesweit 13,8 Prozent), können der Untersuchung zufolge auch regionale Entwicklungen der Kinderarmut aufgezeigt werden. Demnach haben sich etwa in Ostdeutschland Verbesserungen eingestellt. Waren dort 2014 noch 22,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Grundsicherungsbezug, sind dies 2019 nur noch 16,9 Prozent.

Wie die Autoren der Untersuchung zeigen, stagniert hingegen in Westdeutschland die SGB II-Quote von Kindern bei 13 Prozent. Auf Kreisebene leben in einigen Kreisen beziehungsweise Städten bis zu 40 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug, in anderen sind es laut der Untersuchung nur zwei Prozent.

Die materielle Versorgung von Kindern in der Grundsicherung habe sich in den letzten fünf Jahren etwas verbessert – der relative Unterschied zu Kindern in gesicherten Verhältnissen sei jedoch bestehen geblieben. Insbesondere in den Bereichen Mobilität, Freizeit und soziale Teilhabe seien Familien im SGB II-Bezug teils erheblich unterversorgt.

Die Eltern der benachteiligten Kinder und Jugendlichen sind laut der Untersuchung von der Corona-Krise besonders hart getroffen: Sie arbeiten häufiger in Teilzeit oder als Minijobber und gehören deswegen zu der Gruppe, die als erste ihre Jobs verlieren oder nur vergleichsweise wenig beziehungsweise gar kein Kurzarbeitergeld erhalten.

Zahlreiche außerhäusliche Unterstützungsangebote konnten während des Corona-Lockdowns nicht fortgesetzt werden – mit Folgen für die bedürftigsten Kinder und Jugendlichen.

Auch beim Homeschooling sind Kinder aus armen Verhältnissen laut der Untersuchung benachteiligt: Sie verfügen seltener über die notwendige technische Ausstattung und haben zum Teil auch keine Rückzugsräume zum ungestörten Lernen. 24 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug haben keinen internetfähigen PC im Haushalt, 13 Prozent keinen ruhigen Platz zum Lernen.

Fast die Hälfte der Kinder wohnt in einer Wohnung, in der nicht ausreichend Zimmer zur Verfügung stehen. Gefordert sind neue sozial- und familienpolitische Konzepte, schlussfolgern die Autoren der Untersuchung.

Die Abteilung Infektionsbiologie des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen konnte zusammen mit Kollegen der Berliner Charité und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zeigen, dass das Malaria-Medikament Chloroquin, das nachweislich die SARS-CoV-2-Infektion von Nierenzellen von Grünen Meerkatzen (Affen) hemmt, nicht in der Lage ist, eine Infektion von menschlichen Lungenzellen mit dem neuartigen Coronavirus zu verhindern. Die Studie ist im Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Da Chloroquin die Infektion von Affen-Nierenzellen mit SARS-CoV-2 hemmt, wurde Chloroquin als möglicher Kandidat für die Behandlung von COVID-19 in klinischen Studien getestet. Wie Chloroquin die Infektion der Affen-Nierenzellen hemmt war jedoch unklar.

„Wir konnten in dieser Studie zeigen, dass Chloroquin nur Zelltyp-spezifisch wirkt und die Infektion von Lungenzellen nicht blockiert. Das bedeutet, dass bei künftigen Testungen von potentiellen COVID-19-Medikamenten von Anfang an darauf geachtet werden sollte, dass relevante Zelllinien für die Untersuchungen eingesetzt werden, um nicht unnötig Zeit zu verlieren und möglichst schnell wirksame Therapeutika zu identifizieren“, sagt Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ in einer Mitteilung. „Die COVID-19 Erkrankung wird in erster Linie durch die Infektion von Lungenzellen hervorgerufen, aus diesem Grund sollten diese Zellen bei Wirksamkeitstests immer Priorität haben.“

Hoffmann M et. al (2020): Chloroquine does not inhibit SARS-CoV-2 infection of human lung cells. Nature. DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-020-2575-3

Die deutsche Corona-Warn-App hat einem Bericht der "Bild" zufolge auf Millionen Android-Smartphones rund fünf Wochen lang nur eingeschränkt funktioniert. Nutzer etwa von Samsung- oder Huawei-Handys seien im Zweifel nicht oder zu spät gewarnt worden, berichtete das Blatt.

Grund ist Forschern des Softwareunternehmens SAP sowie des Robert Koch-Instituts zufolge, dass sich auf Smartphones mit Android-Betriebssystem die Hintergrundaktualisierung der Warn-App automatisch ausstellte, solange die App nicht geöffnet war.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) teilte dazu mit, dass das Problem seit Längerem bekannt und darum auch Thema in den Fragen-und-Antworten (FAQ) der App sei. Dort sei auch erklärt, wie sich die Hintergrundaktualisierung in den Telefoneinstellungen aktivieren lasse. Zugleich betonte das BMG, dass die App „zu jeder Zeit“ funktioniert habe. Die Warn-App tausche auch ohne die Hintergrundaktualisierung anonyme Codes mit anderen Smartphones aus.

Das neue Update der Corona-Warn-App löst einen Teil des Problems, informiert das BMG auf seiner Website. Nutzer können die Hintergrundaktualisierung jetzt deutlich bequemer in den Einstellungen der App selbst wieder aktivieren, indem sie die Funktion „Priorisierte Hintergrundaktivität“ einschalten. "Damit werden die Einschränkungen des Geräteherstellers aufgehoben und die App tauscht sich automatisch im Hintergrund mit dem Server aus", schreibt das BMG.

Update: IPhones sind offensichtlich auch betroffen

Wie am tagesschau.de am späten Freitagabend berichtete, sind von dem Problem der unterdrückten Hintergrundaktualisierung auch Apple-Smartphones betroffen. "Noch am Nachmittag hatte das Gesundheitsministerium erklärt, das Problem mit der aussetzenden Hintergrundaktualisierung sei bei iPhones nicht aufgetreten", heißt es in dem Bericht. Eine Lösung des Problems gebe es bisher nicht, da es sich um einen Fehler im Betriebssystem der Geräte handele. Nutzer könnten jedoch manuell überprüfen, ob sie betroffen seien. Unter Einstellungen -> Datenschutz -> Health -> COVID-19-Kontaktprotokoll -> Kontaktüberprüfungen könnten Nutzer sehen, "ob die Kontaktüberprüfung der Corona-Warn-App reibungslos funktioniert oder Lücken aufweist", berichtet tagesschau.de.


Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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