Einkaufsratgeber BUND

Mikroplastik: Vier Dentalprodukte betroffen!

Allen Erkenntnissen zur Umweltschädlichkeit von Mikroplastik zum Trotz steigt die Zahl der betroffenen Produkte in Deutschland weiter. Mitte 2014 waren es 400 – heute fast 1.000. Vier davon stammen aus dem Dentalmarkt.

Vier von 971 getesteten Kosmetikartikeln, die Mikroplastik enthalten, sind Dentalprodukte. zm/mg

Mikroplastik wird aktuell in vielen Kosmetika als Peeling- oder Putzkörper, Trübungsmittel oder optisches Accessoire zugesetzt. Nach kritischen Berichten reagierte die Dentalbranche als erste: Mehrere Zahnpastahersteller änderten ihre Rezepturen und verwendeten einige Jahre kein Mikroplastik. Die Kosmetikindustrie ging sogar bereits 2013 im sogenannten "Kosmetikdialog" mit der Bundesregierung eine freiwillige Selbstverpflichtung ein, ab 2020 ganz auf Mikroplastik zu verzichten.

Großbritannien verbietet, in Kosmetik Mikroplastik zu verarbeiten - wie die USA, Kanada, Schweden. In Deutschland wächst die Zahl der belasteten Produkte. Auch ein Zahnfleischpflege-Gel enthält die Partikel.

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Dennoch gibt es seither einen deutlichen Trend hin zu mehr Produkten, die Mikroplastik verwenden. Das zeigt der Blick in den Einkaufsratgeber der Naturschutzorganisation BUND. Waren darin 2014 noch 400 betroffene Produkte gelistet, stieg die Zahl bis heute auf 971. Darunter sind aktuell auch vier Produkte aus dem Dentalbereich:

  • Parodont Zahnfleischpflege-Gel (Beovita Vital GmbH), Mikroplastikart: PE
  • Kukident Professionell Haftcreme Med + Kamille (Reckitt Benckiser Deutschland GmbH), Mikroplastikart: PE
  • Kukident Super Haftcreme Haftschutz (Reckitt Benckiser Deutschland GmbH), Mikroplastikart: PE
  • Signal Whitening Pen White Now CC Touch (Unilever), Mikroplastikart: AC

Auf Anfrage erklärte die Reckitt Benckiser Deutschland GmbH, Polyethylen sei nur "in sehr kleinen Mengen" in ihren Haftcremes enthalten. Der Inhaltsstoff sei in keiner Weise gesundheitsgefährdend und entspreche allen gesetzlichen Anforderungen im Sinne des Verbraucherschutzes. Die Beovita Vital GmbH wird noch konkreter: "In einer Tube Parodontgel ist 0,1 g Polyethylen enthalten", schreibt Geschäftsführer Dr. Ismail Özkanli. "Ich bezweifle sehr, dass diese 0,1 g Polyethylen umweltschädlich sind. Eine Tube benutzt ein Kunde bei täglicher Anwendung 3 bis 4 Wochen. Wir nehmen pro Tag allein durch die Luft und Lebensmittel mehr als 0,1 g Polyethylen auf."

Tatsächlich beschäftigt sich die im Juni vom Umweltbundesamt veröffentlichte Übersichtsarbeit "Kunststoffe in der Umwelt" auch mit Mikroplastik im Trinkwasser und in der Luft. "Kunststoffe in der Luft spielen nach derzeitigem Kenntnisstand als Bestandteil von Feinstaub eine Rolle, wobei fast ausschließlich der Reifenabrieb eine relevante Quelle darstellt", urteilen die Autoren. Dieser schädige die menschliche Gesundheit, heißt es knapp. "Spezielle Wirkungen von luftgetragenem Kunststoff" auf Ökosysteme seien bisher nicht belegt. 

Produkte ohne Polyethylen sind in Entwicklung

In Parodont kommt das Polyethylen hingegen als hydrophobes Basisgel zum Einsatz, das die Beovita Vital GmbH als fertige Mischung einkauft. Noch. Ein rein natürliches Parodontgel sei bereits entwickelt, Studien an Probanden liefen bereits, informiert Özkanli.

Auch die Reckitt Benckiser Deutschland GmbH gibt an, dass sobald man eine Alternative zum Polyethylen validiert habe, die eine vergleichbare Produktleistung, wie die bisherige Formulierung erfüllt, man diese in den Markt einführen werde. Wann das soweit ist, bleibt hingegen unklar: "Bei unseren Kukident Haftcremen handelt es sich um Medizinprodukte und diese unterliegen einem aufwendigeren (im Vergleich zu Kosmetik- und Haushaltspflegeprodukten des Unternehmens, Anmerkung der Redaktion) Entwicklungsprozess. Dies bedeutet auch, dass die Inhaltsstoffe, die in Medizinprodukten enthalten sind, längeren Austauschprozessen unterliegen."

Der Gesetzgeber hat in dem Kosmetikdialog lediglich feste Mikroteilchen aus Kunststoff definiert, keine flüssige Kunststoffteilchen.

Der Begriff Mikroplastik bezeichnet Kunststoffpartikel, die kleiner als 5 Millimeter sind. Unterschieden wird in primäres Mikroplastik, das in Kleinstform Produkten zugesetzt oder frei wird, und sekundäres Mikroplastik, das aus größerem Plastikmüll durch Sonneneinstrahlung, Strömungen und Gezeiten erst im Meer zerkleinert wurde.

Am 23. September erreichte die Rückmeldung von Unilever zu AC (Acrylates Copolymer) in Signal Whitening Pen White Now CC Touch die Redaktion. Das Unternehmen ist sich nach eigener Aussage des negativen Einflusses von Mikroplastik auf das marine Ökosystem sowie der Gefahr bewusst, dass damit Schadstoffe in die Nahrungskette gelangen. Mikroplastik in Form von Partikeln habe man darum seit 2015 aus dem gesamten Kosmetikportfolio verbannt. Zu dem enthaltenen AC heißt es lediglich, nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts aus 2018 bestehe "weitgehender Konsens darin, dass unter ‚Mikroplastik` eindeutig feste Partikel zu verstehen sind." Nach dieser Definition sei der Signal Whitening Pen mikroplastikfrei.

Die referenzierte Studie beschreibt indes auch, dass Mikro- und Makroplastik zusammen einen Teilaspekt der Gesamtproblematik "Anthropogene Polymere in der Umwelt" darstellen. Zu den anthropogenen Polymeren gehören gelöste, dispergierte, gelartige und flüssige Polymere, heißt es und weiter: "Heutige Definitionen (von Mikroplastik, Anm. der Red.) können daher nicht mehr bieten als eine grobe Orientierung und Einengung des Anwendungsbereichs. Öko- oder humantoxikologische Erkenntnisse liegen ihnen laut unseren Auswertungen nicht zugrunde."

Ebenfalls pikant: Auftragsgeber der Studie war seinerzeit die Umweltorganisation BUND, die das Unileverprodukt auch ein Jahr nach Erscheinen der Fraunhofer-Studie weiter in ihrem Mikroplastik-Einkaufsratgeber führt.

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