Lancet-Studie

Neun Millionen Tote durch Umweltverschmutzung

Die Zahl der Menschen, die vorzeitig durch Formen der Umweltverschmutzung aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft sterben, hat seit dem Jahr 2000 um zwei Drittel zugenommen. Jeder sechste Todesfall geht darauf zurück.

Luftverschmutzung verursacht jedes Jahr weltweit über 6,5 Millionen Todesfälle, und diese Zahl nimmt zu. Blei und andere Chemikalien sind weltweit für 1,8 Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich, wobei diese Zahl wahrscheinlich unterschätzt wird. Adobe Stock_Tom Wang

Schon 2015 hatte die „Lancet Commission on Pollution and Health“ eine Analyse der vorzeitigen Todesfälle durch Schadstoffe in Innenräumen sowie draußen in Luft und Wasser vorgelegt. Damals waren vor allem die mit extremer Armut verbundenen Formen der Umweltverschmutzung  - die Luftverschmutzung in Haushalten sowie die Wasserverschmutzung und unzureichende sanitäre Einrichtungen - verantwortlich für die Todesstatistik.

An Blei sterben mehr Menschen als an Malaria

Die neue Analyse zeigt, dass Todesfälle jetzt eher von der Luftverschmutzung und der toxischen chemischen Verschmutzung wie Blei verursacht werden. „Jetzt sind es besonders die Luftverschmutzung in der Umwelt und die Belastung mit Schwermetallen", betont Mitautor Prof. Dr. Stephan Böse-O'Reilly von der Ludwig-Maximilians-Universität München. An Blei sterben demnach weltweit mehr Menschen als an Malaria.

Über 90 Prozent dieser Todesfälle ereignen sich der Studie zufolge in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen, wie Indien. Dort leben viele Menschen eng zusammen, die Belastung des Wassers ist hoch und die mit Verkehrsbelastung verbundene Luftbelastung extrem groß. Im Innenraum wird häufig mit Holzkohle gekocht, im Außenraum ist die industrielle Belastung durch Schadstoffe weder hinreichend reguliert noch überwacht.

Die EU lagert die Umweltverschmutzung aus

In der EU hingegen sei die Umweltverschmutzung ein vergleichsweise geringes Problem. „Die Umweltbelastung in der Europäischen Union hat sich deutlich verbessert“, sagt Böse-O’Reilly. "Gerade die Luftbelastung ist einerseits durch Regulierungsmaßnahmen besser geworden. Deshalb haben wir vergleichsweise weniger Todesfälle durch Umweltbelastung, schon gar nicht durch Quecksilber oder Blei, und wenn, dann durch Feinstaub in der Außenluft.“

So stehe Europa auch so gut da, weil sich die industrielle Produktion in Länder mit niedrigen bis mittleren Einkommen verlagert hat. „Wenn man eine Aluminiumfabrik an der Nordsee zumacht und sie in Asien wieder öffnet, wird die damit verbundene Belastung zu einem gesundheitlichen Problem der dortigen Bevölkerung“, betont Böse-O’Reilly. "Die Produkte werden aber weiterhin von uns verwendet.“

"Der Dreiklang aus Umweltverschmutzung, Klimawandel und Verlust der biologischen Vielfalt ist das wichtigste globale Umweltproblem unserer Zeit", schreiben die Autoren. "Diese Probleme sind eng miteinander verknüpft, und Lösungen für jedes dieser Probleme werden den anderen zugute kommen." Umweltverschmutzung sei daher ein globales Problem, mit einer weitreichenden Verantwortung auch für die reichen Industriestaaten.

„Wenn wir den Menschen mehr gesunde Lebensjahre schenken wollen, muss die Politik das globale Problem der Umweltverschmutzung anpacken“, fordert Böse-O’Reilly. „Wenn wir die CO2-Situation verbessern würden, würde sich automatisch auch die Umweltverschmutzung verringern.“

Richard Fuller, Philip J Landrigan, Kalpana Balakrishnan, Glynda Bathan, Stephan Bose-O’Reilly, Michael Brauer, Jack Caravanos, Tom Chiles, Aaron Cohen, Lilian Corra, Maureen Cropper, Greg Ferraro, Jill Hanna, David Hanrahan, Howard Hu, David Hunter, Gloria Janata, Rachael Kupka, Bruce Lanphear, Maureen Lichtveld, Keith Martin, Adetoun Mustapha, Ernesto Sanchez-Triana, Karti Sandilya, Laura Schaefli, Joseph Shaw, Jessica Seddon, William Suk, Martha María Téllez-Rojo, Chonghuai Yan, Lancet Planet Health, 2022 Jun;6(6):e535-e547, DOI: 10.1016/S2542-5196(22)00090-0

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