Umfrage

So tickt der Schweizer Patient!

Die Mehrheit der Schweizer putzt noch immer mit der Handzahnbürste, weniger als die Hälfte verwendet Zahnseide, Mundspüllösungen werden dagegen immer beliebter. All dies geht aus einer Umfrage der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO) hervor. Und: Fast die Hälfte der Befragten kennt die kariogene Wirkung von Zucker nicht.

J.J.Brown - Fotolia

Zum Hintergrund: Nach 1980, 1990, 2000 und 2010 führte die SSO auch in diesem Jahr gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Demoscope wieder ihre landesweite Publikumsumfrage durch - jetzt wurden die Ergebnisse veröffentlicht.


Die Ergebnisse im Überblick

"Seit fast 40 Jahren ist die Zufriedenheit der Patienten mit ihrem Zahnarzt ungebrochen hoch", schreibt die SSO in ihrer Auswertung der Ergebnisse. Denn in der neuesten Umfrage erklärten sich 96 Prozent der Befragten "zufrieden" (42 Prozent) bis "sehr zufrieden" (54 Prozent") mit ihrem Zahnarzt. Frauen sind dabei zufriedener mit ihrem Zahnarzt (56 Prozent) als Männer (51 Prozent).

Fragt man nach den Gründen für die Zufriedenheit, zeigen sich signifikante regionale Unterschiede: So legen Patienten aus der Deutschschweiz und dem Tessin einen hohen Wert auf Freundlichkeit (Deutschschweiz: 75 Prozent, Tessin: 72 Prozent, Romandie: 34 Prozent). Für Patienten aus der Romandie dagegen ist die Zufriedenheit stärker von finanziellen Aspekten abhängig. Dass Zahnärzte vor Behandlungen über Kosten orientieren und Kostenvoranschläge einhalten, gewichten sie deutlich höher als Deutschschweizer und Tessiner.

Drei Prozent der Befragten gaben an, mit der Behandlung ihres Zahnarztes unzufrieden zu sein. Als Gründe wurden hier überhöhte Rechnungen, fehlende Empathie, mangelnde Kommunikation, grobe Behandlung und Angst genannt.

Wer einen neuen Zahnarzt wählt, verlässt sich in erster Linie auf die Empfehlung durch Verwandte oder Bekannte und andere Personen. Bereits 12 Prozent der Befragten suchen heute im Internet nach ihrem neuen Behandler, ein Anstieg von 10 Prozentpunkten gegenüber den Umfrageergebnissen von 2010.

14 Prozent der Befragten gaben an, sich vor der Zahnbehandlung zu fürchten - weitere 42 Prozent bezogen sich auf schmerzhafte Erfahrungen (Trauma) sowie 38 Prozent auf die Angst vor Spritzen.

Die meisten der Befragten waren vor weniger als einem Jahr letztmals in zahnärztlicher Behandlung. Weitere 17 Prozent antworteten, in den letzten drei Jahren behandelt worden zu sein, und bei 10 Prozent lag die letzte Behandlung weiter als drei Jahre zurück.

Suchen Patienten ihren Zahnarzt auf, handelt es sich in rund zwei von drei Fällen um einfache Kontrolluntersuchungen (64 Prozent). Ein Fünftel hatte Zahnschmerzen, und weniger als ein Fünftel wollte "alle Zähne in Ordnung bringen lassen".

Auf die Frage, ob man schon einmal einen Zahnarzt im Ausland aufgesucht habe, antworteten 22 Prozent mit "Ja" - jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Vier Phänomene sind auszumachen: Dentaltouristen, Grenz­gänger, Migranten und Notfälle.

Dentaltouristen wollen vermeintliche Preisvorteile im Ausland ausnutzen (52 Prozent). Grenzgänger findet man in erster Linie in der Romandie (31 Prozent). Im Kanton Genf ließ sich fast jeder zweite Befragte (46 Prozent) schon einmal im Ausland behandeln.

"Der hohe Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung hat zu vermehrten Zahnarztbesuchen im Land geführt", schreibt die SSO: Viele Migranten lassen sich vorzugsweise in ihrem Heimatland oder an ihrem ausländischen Wohnsitz behan­deln (30 Prozent). Die beliebtesten Destinationen für Zahn­behandlungen im Ausland waren 2018 Deutschland (22 Prozent), Frankreich (16 Prozent), Ungarn (9 Prozent), Italien (6 Prozent) und Portugal (6 Prozent). Ein Fünftel der Befragten suchte wegen eines Notfalls eine ausländische Zahnarztpraxis auf.

Wer einen ausländischen Zahnarzt kon­sultiert hat, ist mit der Behandlung mehrheitlich sehr zufrieden (55 Prozent). Insgesamt 14 Prozent der Patienten beanstanden jedoch die auslän­dische Zahnbehandlung. Moniert wird hauptsächlich die schlechte Qualität, die in der Schweiz Nachbehandlungen nötig machte. Aber auch ungenügende Hygiene und Verständigungsprobleme werden häufig genannt. Jeder Dritte, der schon einmal auf einem Zahnarzt­stuhl im Ausland saß, will dies künftig nicht mehr tun.

"Die Befragten kennen die gängigen Pro­phylaxemaßnahmen – Zahnpflege, Ver­meiden von Zucker, Einsatz von Fluori­den, zahnärztliche Kontrolle – inzwi­schen recht gut", schreibt die SSO. Allerdings sei das Wissen um die Schädlichkeit von Zucker stark rückläufig: Verzichteten 1980 noch 64 Prozent der Befragten auf Zucker, um Zahn­ und Zahnfleischerkrankungen vorzubeugen, waren es 2018 nur noch 44 Prozent.

Nach wie vor weiß knapp ein Fünftel der Befragten nicht, dass Zahnkaries nicht zwangsläufig auftreten muss. "Dieser Anteil stagniert seit 30 Jahren", schreibt die SSO. Allerdings bestehen erhebliche soziodemografische und regionale Unterschiede: Während im Tessin (61 Prozent) und in den Kantonen der Innerschweiz (67 Prozent) weniger Befragte um die Vermeidbarkeit von Karies wissen, haben Zürcher (95 Prozent), Genfer (88 Prozent) sowie Personen in Städten mit über 100.000 Einwohnern (87 Prozent) sowie jüngere Befragte (85 Prozent der 15- bis 29-Jährigen) die Kariesprophylaxe stark verinnerlicht.

Das Wissen um die Vermeidbarkeit von Zahnfleischerkrankungen hat sich in den vergangenen 20 Jahren langsam, aber stetig verbessert und stagniert nun auf ansprechendem Niveau (2018: 64 Prozent; 2010: 67 Prozent; 2000: 63 Prozent; 1990: 58 Prozent; 1980: 56 Prozent).

Im Tessin scheinen gewisse Informationsdefizite vorhanden zu sein: Nur 44 Prozent antworteten, Parodontitis sei vermeidbar. Stark verankert ist der Prophylaxegedanke hingegen in den Kantonen Zürich und Glarus. Knapp 90 Prozent der Befragten wissen dort, dass sich Parodontitis vermeiden lässt. 85 Prozent der Interviewten geben an, ihre Zähne täglich zweimal oder häufiger zu putzen. Frauen reinigen die Zähne häufiger als Männer (36 Prozent vsersus 21 Prozent).

Die Verwendung von Zahnpasten ist in allen drei Sprachregionen in den letzten acht Jahren leicht angestiegen. Gaben im Jahr 2010 ganze 82 Prozent der Interviewten an, regelmäßig Zahnpasten zu verwenden, so sind es heute 86 Prozent. Mundspülungen sind im Vergleich zur letzten Erhebung deutlich beliebter geworden (heute 53 Prozent; 2010: 42 Prozent).

Die regionalen Unterschiede beim Gebrauch der anderen Zahnpflegemittel bleiben bestehen: Während im Tessin auch 2018 am meisten mit der Handzahnbürste geputzt wird (86 Prozent; Deutschschweiz: 62 Prozent; Romandie: 75 Prozent), greifen drei von zehn Deutschschweizern zur elektrischen Zahnbürste (Romandie: 24 Prozent; Tessin: 6 Prozent). Bei Frauen sind Interdentalbürstchen verbreiteter als bei Männern.

Der Trend zur vermehrten Benutzung von Zahnseide hat sich 2018 nicht bestätigt: Heute geben 43 Prozent der Befragten an, Zahnseide zu verwenden (2010: 47 Prozent; 2000: 44 Prozent; 1990: 39 Prozent; 1980: 23 Prozent). Generell kann man festhalten, dass Frauen und Personen mit höherem Bildungsgrad häufiger zusätzliche Zahnpflegeprodukte nebst der Zahnbürste benutzen.

Mit Blick auf frühere Erhebungen deuten die jüngsten Resultate auf eine stabile Entwicklung auf hohem Niveau hin, was sich auch an den Angaben zu Zahnerkrankungen und Zahnnotfällen ablesen lässt. 2010 mussten 16 Prozent der Befragten im letzten halben Jahr wegen akuter Zahnschmerzen oder wegen eines Zahnunfalls einen Zahnarzt aufsuchen. 2018 waren es 18 Prozent. Zwei Drittel aller Befragten beurteilen heute den Zustand ihrer Zähne als "gut" bis "sehr gut", ein Viertel als "zufriedenstellend" und lediglich 3 Prozent als "schlecht".

58 Prozent der Befragten haben über­haupt keine Angst, zum Zahnarzt zu gehen. Bei etwas mehr als einem Viertel (28 Prozent) löst das Betreten einer Zahnarztpraxis ein leicht mulmiges Gefühl aus. Für 14 Prozent der Patienten sind Zahnarzttermine mit "ziemlichen" bis "großen" Ängsten verbunden. Frauen sind signifikant ängst­licher als Männer (9 Prozent vs. 4 Prozent).

Gefragt nach den Gründen für die Angst, nennen vier von zehn Befragten eigene schmerzhafte Erfahrungen. Aber auch Spritzen (38 Prozent) sowie die finanziellen Folgen der Zahnbehandlung (28 Prozent) be­unruhigen Patienten. Die Furcht vor hohen Zahnarztrechnungen ist in der Romandie (33 Prozent) stärker verbreitet als in der Deutschschweiz und im Tessin (24 Prozent bzw. 8 Prozent).

"Viele Zahnarztzentren in der Schweiz in­vestieren stark in Werbung und buhlen aktiv um die Gunst von Patienten in der Schweiz", schreibt die SSO: Die Besucherzahlen verharren auf dem Niveau von 2010. Damals wie heute gibt etwa jeder fünfte Patient an, ein Zahnarztzentrum in der Schweiz aufgesucht zu haben. Es sind vor allem Romands (35 Prozent, 2010: 38 Prozent), die die Annehmlichkeiten der Zentren schätzen. Sie lassen sich bedeutend häu­figer in Zahnarztzentren behandeln als Deutschschweizer und Tessiner (17 Prozent beziehungsweise 5 Prozent).

Als Gründe für die Besuche in Zahnarztzentren werden vor allem die schnelle, unkomplizierte Aufnahme ohne Voranmeldung (40 Prozent) sowie die notfallmässige Versorgung (38 Prozent) genannt. An dritter Stelle folgen vermeintliche Preisvorteile (24 Prozent).

32 Prozent der Befragten zeigen sich mit der Behandlungsqualität im Zahnarztzen­trum "sehr zufrieden". Unzufriedene Patienten von Zahnarztzen­tren bemängeln in erster Linie die Behandlungsqualität (54 Prozent). Weitere Kritik­punkte sind unerwartet teure Rechnungen (39 Prozent), häufig wechselnde Zahnärzte (16 Prozent) sowie Fehlbehand­lungen (8 Prozent).

"Zahnärztinnen und Zahnärzte bleiben auch 2018 die wichtigste Anlaufstelle für Patientenfragen rund um Zahnpflege und Mundhygiene", bilanziert die SSO. Ihre Bedeutung sei ungebrochen hoch. Aktuell geben 73 Prozent der Befragten an, vom Zahn­arzt über die Zahnpflege informiert zu werden (2010: 74 Prozent; 2000: 70 Prozent; 1990: 64 Prozent; 1980: 60 Prozent).

Weiter werden im Elternhaus (60 Prozent) und in der Schule (58 Prozent) wesentliche zahnmedizinische Grundlagen vermittelt. Jeder dritte Patient richtet sein dentales Anliegen direkt an die Dentalhygienike­rin (DH).


Befragt wurden insgesamt 1.111 Personen im Alter von 15 bis 74 Jahren. Um Trendaussagen und Vergleiche zu ermöglichen, wurde dabei das Fragebogenraster aus den früheren Erhebungen übernommen.

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