Langzeituntersuchung

Studie: Kinder können Süßes gar nicht ablehnen

Die gute Nachricht lautet: Der Drang nach Süßigkeiten nimmt mit zunehmenden Alter ab. Die schlechte: Wir nehmen dann viel mehr zugesetzen Zucker statt Fruchtzucker zu uns!

Kinder bis zu vier Jahre nehmen vermehrt Zucker aus Obst und Fruchtsäften zu sich, mit zunehmenden Alter steigt dann der Konsum von zugesetztem Zucker durch Schokolade, Süßigkeiten und gesüßte Milchprodukte. Bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter lässt diese Vorliebe wieder langsam nach, so das Ergebnis einer Langzeituntersuchung. Adobe Stock/aboikis

Ein Forscherteam der Universitäten Bonn und Paderborn untersuchte den Zuckerkonsum von 1.312 Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren. Von 1985 bis 2016 wurden im Rahmen der sogenannten Donald-Studie (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study) für sie Drei-Tage-Wiegeprotokolle und damit auch der Anteil an freiem und Gesamt-Zucker erfasst.

Mit freier Zucker ist der Zucker in der Nahrung gemeint, der vom Hersteller oder bei der Zubereitung im Haushalt zugefügt oder der natürlich in Säften enthalten ist. Der Gesamtzucker berücksichtigt dagegen den kompletten Zuckergehalt eines Lebensmittels einschließlich der natürlich enthaltenen Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrenzte 2015 die Zufuhrempfehlung von freiem Zucker auf maximal zehn Prozent der Tagesenergieaufnahme.

Demnach hat das Alter einen Einfluss auf den Süßigkeitskonsum: Der Anteil von Gesamtzucker an der Energiezufuhr nahm mit zunehmendem Alter ab. Allerdings hatten die jüngsten Probanden im Alter von drei bis vier Jahren die niedrigste Zufuhr an zugesetzten Zuckern.

„Wir vermuten eine Verschiebung der Zuckeraufnahme aus natürlichen Quellen wie Obst und Fruchtsäften mit steigendem Alter hin zur verstärken Zuckeraufnahme aus Süßigkeiten, Getränken und gesüßten Milchprodukten“, sagt Ines Perrar, Doktorandin an der Universität Bonn.

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Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die Zufuhr an freiem Zucker in den Jahren von 2005 bis 2016 insgesamt leicht sank. Sie lag aber dennoch in diesen Jahren im mittleren Wert bei über 16,3 Prozent der Tagesenergieaufnahme - und damit über den Empfehlungen der WHO.

Hintergrund zur DONALD-Studie

Bei der DONALD-Studie handelt es sich um eine Langzeituntersuchung zur Auswirkung der Ernährung auf den Menschen, die vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert wird. Das Forschungsprojekt wird außerdem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert.

An der Studie nehmen derzeit 700 gesunde Kinder und Jugendliche teil. Bei den Probanden werden seit 1985 vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter in regelmäßigen Abständen detaillierte Daten zu Ernährung, Wachstum, Entwicklung, Stoffwechsel und Gesundheitsstatus erhoben. Seit Januar 2012 gehört die in Dortmund durchgeführte Langzeitstudie als Außenstelle zum Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften (IEL) der Universität Bonn.

An der Auswertung der Zuckertrendanalysen arbeiteten Wissenschaftler der DONALD-Studie in Kooperation mit Prof. Dr. Anette Buyken von der Universität Paderborn. Insgesamt wurden 10.761 Drei-Tage-Wiegeprotokolle auf Alters- und Zeittrends in der Zuckeraufnahme untersucht. Die Studie wurde nun im „European Journal of Nutrition“ veröffentlicht.

Vermutlich wird noch mehr Zucker verzehrt

„Auch wenn der Rückgang der Zuckeraufnahme bereits eine erfreuliche Entwicklung ist, liegt die Zufuhr noch weit über den Empfehlungen“, sagt Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn, die die Donald-Studie leitet. Da die Studienteilnehmer aus Familien mit einem hohen sozioökonomischen Status kommen, liege die Zuckerzufuhr in der Gesamtbevölkerung in Deutschland vermutlich noch deutlich höher.

Es reiche daher sicher nicht aus, weiter über die negativen Auswirkungen einer hohen Zuckerzufuhr aufzuklären. "Weitere Maßnahmen sind erforderlich, diesen Trend fortzusetzen und vor allem den Konsum an Süßigkeiten, gesüßten Getränken aber auch Säften weiter zu reduzieren", sagt Alexy. Es bedürfe ihrer Meinung nach einer abgestimmten Kombination von ernährungspolitischen Maßnahmen zur Verringerung des Zuckerzusatzes in unseren Lebensmitteln.

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Ines Perrar, Sarah Schmitting, Karen W. Della Corte, Anette E. Buyken, Ute Alexy: Age and time trends in sugar intake among children and adolescents – Results from the DONALD study, in: European Journal of Nutrition, DOI: 10.1007/s00394-019-01965-y

35 Kilogramm Zucker essen die Deutschen pro Jahr und Kopf – mehr als doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Der Wert bildet jedoch nur den Konsum von Haushaltszucker ab. Hinzu kommt ein steigender Verbrauch von Mono- und Disacchariden, die Lebensmitteln zugesetzt werden – und zunehmend zum Problem werden.

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