Hilfseinsatz in Myanmar

Unterwegs mit den Swimming Doctors (2)

Mit über 40 Kilo Gepäck voller Instrumente und Materialien ist Dr. Dieter Buhtz aus Berlin wieder in Myanmar angekommen - an Bord der MS Futura. Nach einem herzlichen Wiedersehen folgt der erste Behandlungstag.

Ziel der deutschen Kollegen: das burmesische medical team an Bord zu unterstützen, anzuleiten und fortzubilden. Buhtz

Der erste Behandlungstag: Ich beschränke mich aufs Beobachten und mische mich nicht in die Behandlung ein. Muyar agiert souverän und bestimmt nach einem festen Konzept, versucht bei jedem Patienten während einer Sitzung möglichst viele Leistungen zu erbringen.

Zahnarzt Dr. Dieter Buhtz aus Berlin reiste schon oft nach Myanmar, um an Bord der MS Futura das burmesische Team bei seinen Hilfseinsätzen zu unterstützen. Hier berichtet er von seinem letzten Einsatz.

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Um 12 Uhr eine kurze Mittagspause: Ingrid, Ludger, Joe und ich genießen das von dem neuen Koch Hla Myo gezauberte Essen. Selbstverständlich besorgt sich auch Khein, der ja früher neben seinen anderen Aufgaben auch kochen musste, eine Portion, Muyar aber ist nach einer noch kürzeren Pause längst wieder im Behandlungsraum.

Am Nachmittag übernehme ich die Assistenz, stehend oder auf einem leider nicht mehr höhenverstellbaren Hocker sitzend, Sicht eingeschränkt. Über eine wenigstens etwas ergonomischere Arbeitshaltung sollte ich in den nächsten Tagen unbedingt auch mit Muyar sprechen, sie arbeitet im Sitzen, verbiegt sich aber gewaltig, wenn sie im Oberkiefer am fast aufrecht sitzenden Patienten arbeitet.

Muyar beschränkt sich nicht auf das Extrahieren von Zähnen, sondern repariert sehr viele Zähne mit Composite- und Glasionomerzementfüllungen, weit mehr als ihre Vorgänger. Nicht ohne Stolz zeigt sie mir bei einer Patientin später sogar eine Amalgamfüllung, die sie bei ihrem ersten Einsatz mit den Swimming Doctors gelegt hat.

Unseren Ansprüchen eher noch nicht genügend, sind die die gelegten Füllungen für burmesische Verhältnisse und Bedingungen recht gut, einzelne Arbeitsschritte sind aber durchaus noch zu optimieren, um Füllungen eine möglichst lange Verweilzeit zu garantieren.

Mit Dr. Aye Muyar Soe im Ärzteteam stieg in diesem Jahr die Zahl der „dental patients“ sprunghaft an. In den ersten neun Monaten hat sie mit 3.400 Patienten mehr als ein Drittel der 9.000 Patienten behandelt, die an Bord Hilfe suchten. Die Patienten kommen nicht mehr wie bisher ausschließlich nur zur Schmerzbeseitigung, sondern auch zur Weiterbehandlung, wenn die MS Futura nach vier Wochen wieder turnusmäßig im Dorf anlegt. | Buhtz

Anregungen gebe ich weiter: "Präparation eines Bevels im Schmelz. Ätztechnik zumindest bei Frontzahnfüllungen. Wenn schon keine Ätztechnik, sondern All-in-One Systeme, dann beim Einmassieren des Adhäsivs ausreichende Einwirkzeit beachten, nicht zu sparsam benetzen, aber auch nicht überschwemmen. Relative Trockenlegung gewährleisten. Füllungsmaterial nicht mit den Fingern (Handschuhen) modellieren, stört die Aushärtung. Bei mehrflächigen Füllungen regelmäßiger Matritzen und Wedges anlegen. Verarbeitungszeit des Füllmaterials beachten, die jeweilige Portion zügiger verarbeiten, weniger überschüssiges Material in den Defekt einbringen. Füllung nicht trocken ausarbeiten. Hygienische Entnahme des Füllmaterials aus Schraubtuben, Composite eben nicht wiederholt mit dem beim Füllen bereits benutzten Spatel aus Schraubtuben entnehmen. Gilt auch für Mikrobrushes, mit denen Bondingmaterial aus Flaschen entnommen wird. Single Dose ist single dose, wird nicht bei weiteren Patienten verwendet – auch nicht aus Sparsamkeitsgründen."

In den wenigen Tagen an Bord üben wir das alles. Es kommen neue Varianten ins Spiel, die dann auch wieder korrigiert werden: So entnimmt Muyar pflichtbewusst gleich mehr Material mit noch unbenutztem Füllspatel und legt auf ihrer behandschuhten Hand ein "Depot" an, was wiederum unter der OP-Lampe zu einer frühen Aushärtung führen würde. Wir lachen und ändern. Füllungstherapie und Fissurenversiegelung mit Composites kristallisiert sich als Thema für eine der jährlichen Fortbildungsveranstaltungen für die Delta Docs heraus. Ko-Referent könnte dann Muyar sein.

Der erste Tag - Überblick verschaffen

Gleich nach dem letzten Patienten sortieren wir die mitgebrachten Materialien, Muyar ist dankbar für den von mir mitgebrachten "Lieferschein" mit den Verfalldaten der Materialien, das erleichtert ihre Buchführung. Ich installiere das Siegelgerät und weise Khein und Nay Tun in seine Handhabung ein.

Super: Dr. Vera Pedersen, Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie, war mit zwei Kolleginnen Anfang November mit den Swimming Doctors im Einsatz und hatte in ihrem Einsatzbericht angemerkt, dass im OP-Bereich eine konsequente Aufbereitung und Verpackung chirurgischer Instrumente leider nicht möglich sei. Nun aber ist die Lücke geschlossen. Nur die hierarchischen Fragen müssen noch geklärt werden: Wer wann was wie aufbereiten darf oder soll. Wieder einmal wird es nichts mit Panorama während der Flussfahrt und der Ankunft in Tha Byu Chaung.

Muyar spricht als weiteres Problem das Myanamar Dentil Council Law an (ein entsprechendes Myanmar Medical Council Law gibt es auch für die Humanmediziner). Danach könnte sie ihrer Meinung nach bestraft werden, wenn sie jemanden ohne entsprechendes permit an Bord zahnärztlich tätig werden ließe. Dahinter steckt auch ein Rat ihres burmesischen "teachers" und Mentors sowie die Tatsache, dass der gegenwärtige Distriktsgouverneur von Beruf "dentist" ist und ihr möglicherweise im Sinne eventuell missliebiger Berufskollegen im Delta in die Parade fahren könnte.

Da der unübersehbare Zulauf an dental patients nicht unbemerkt geblieben sein dürfte, könnte eventuell aufkommender Neid ein Problem werden, vielleicht ist sie aber auch nur übervorsichtig. Ich bin nach Studium des Dental Council Law zwar etwas anderer Meinung, beschränke mich während dieser vier Tage aber ja ohnehin auf beratende Tätigkeit und Assistenz. Es ist zu hoffen, dass die Anerkennung als Non Government Organisation im Dezember endlich über die Bühne geht, dann wären wir diese Probleme los.

Von mir auf ehrliche Antwort befragt äußert Muyar, dass sie nicht unbedingt Wert auf häufigen Besuch von (eventuell auch noch wechselnden) Zahnärzten aus Deutschland legt, ihr reichen gegebenenfalls wenige Tage dauernde Besuche, um ein paar Ratschläge und gezielte Verbesserungsvorschläge vermittelt zu bekommen. Nachvollziehbar, auch für uns leichter, so können wir uns gut auf einen kleinen Pool eingebundener Kollegen und kürzere Einsätze beschränken.

Jeden Tag kommen mehr Patienten

Nächstes Thema: Der Andrang von Patienten ist groß und wird eher noch steigen, da die Patienten von Muyar konsequent zu Folgebehandlungen während der nächsten Mission einbestellt werden und auch erscheinen. Auch als Folge der ab Januar geplanten Betreuung der Dorfschulen mit insgesamt etwa 2.500 Schülern ist mit einer weiteren Zunahme der Patientenzahlen zu rechnen.

Einer von uns ins Auge gefassten Kapazitätsausweitung mit Einstellung eines weiteren Zahnarztes oder einer weiteren Zahnärztin steht Muyar aufgeschlossen gegenüber, allerdings mit der nachvollziehbaren Einschränkung, dass sie dessen/deren weisungsbefugte Vorgesetzte wäre. Sie in die Auswahl einzubeziehen wird unumgänglich sein, um von vornherein vermeidbaren Probleme aus dem Weg zu gehen. Ein weiterer Zahnarzt wäre sicher bald ausgelastet, würde eine regelmäßige Betreuung der Schulen möglich machen und auch eine "Reserve" darstellen, sollte Muyar einmal abspringen.

Über die räumlichen Möglichkeiten und apparative Ausstattung werden wir uns dann in den nächsten Tage unterhalten. Auch der eventuellen Anschaffung eines Röntgengeräts steht Muyar positiv gegenüber. Ein tragbares X-Ray sollte es aus meiner Sicht nicht sein - zu kompliziert, schlechte Qualität. Für ein konventionelles Gerät gäbe es selbstentwickelnde Röntgenfilme, das vermeidet Panschen mit Chemie. Ob eine Wandbefestigung infrage kommt, müsste noch geklärt werden ebenso wie Strahlenschutzmaßnahmen.

| Buhtz

Vor dem Schlafen gehen Duschen nach Reihenfolge: Die für uns reservierte Dusche funktioniert auch noch nach einem Jahr, bei den beiden anderen ist man - wie zu erwarten-  auch auf der MS Futura auf Fässer und Schüsseln zum Schöpfen übergegangen, offensichtlich klappt das nicht mit der Filterung des Flusswassers. In den Kabinen springen dann bald die Klimaanlagen an, damit wenigstens zum Einschlafen und für ein paar Stunden eine erträglichere Temperatur herrscht, allerdings geknüpft an das Geräusch des Schiffsgenerators.

Wie es weiter geht, lesen Sie hier:

An Bord der MS Futura sind die mitgebrachten Materialien und Instrumente aus Deutschland verstaut, das Team ist eingespielt, der Arbeitsalltag hat begonnen. Doch jeden Tag kommen mehr Patienten.

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