WhatsApp-Dienst "AU-Schein.de"

Eine Krankschreibung für neun Euro?

Im Dezember ging AU-Schein.de online. Das Angebot: Wer erkältet ist, kriegt für neun Euro einen Krankenschein - via WhatsApp. Der Anbieter: ein Rechtsanwalt. Was halten Ärzte und Krankenkassen von dem Service?

"Bei Erkältung erhalten Sie für 9,- € eine gültige Krankschreibung vom Tele-Arzt über WhatsApp und per Post.", heißt es auf der Startseite von AU-schein.de. Und weiter: "Sie sind arbeitsunfähig wegen Erkältung und müssten daher zum Arzt? Hier erhalten Sie Ihre AU-Bescheinigung einfach online per Handy nach hause!" (sic!) Screenshot zm_mth

Die in Hamburg ansässige "Dr. Ansay AU-Schein GmbH" bietet Erkälteten an, sich via WhatsApp eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen zu lassen - für neun Euro. Medienberichten zufolge haben allerdings erst ein Dutzend Erkrankter diesen "Service" genutzt.

Über ein Online-Formular werden zunächst die klassischen Erkältungssymptome abgefragt. Die weitere Kommunikation mit einer Ärztin, inklusive der Übermittlung persönlicher Daten und eines Fotos der elektronischen Gesundheitskarte, erfolge dann über den "Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger-Dienst" und entspreche damit auch der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), hieß es von Firmengründer Dr. jur. Can Ansay. Die Krankschreibung werde dann digital als Foto sowie gedruckt per Post zugesandt.

Ärzteverbände äußern sich kritisch zu dem Angebot.

Stellungnahmen zu AU-Schein.de

Ärztekammer Hamburg

"Wir kennen das Geschäftsmodell von Herrn Ansay bisher nicht im Detail. Aber §27 Abs. 3 Nr. 3 des Hamburgischen Kammergesetzes für die Heilberufe (HmbKGH) verbietet Ärztinnen und Ärzten, sich von einem Träger, der gewerbs- oder berufsmäßig ärztliche Leistungen anbietet oder erbringt, anstellen zu lassen.

Das Hamburgische Kammergesetz gilt jedoch nicht für Unternehmen wie die Dr. Ansay AU-Schein GmbH sondern für Kammermitglieder. Es regelt die Berufsausübung, die Berufsvertretungen und die Berufsgerichtsbarkeit der Ärzte und anderer Heilberufe."

Dr. Pedram Emami, Präsident der ÄK HH

Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein

"Die KVSH schließt sich der kritischen Haltung der Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein in vollem Umfang an. Sowohl der gewählte technische Weg über WhatsApp als auch die Tatsache, dass der Anbieter des Angebots nicht aus der Gesundheitsversorgung kommt, sondern ein Rechtsanwalt und Unternehmer ist, verstärken die Zweifel.

Hinzuweisen ist, dass es sich um kein vertragsärztliches Angebot handelt. Für das Ausstellen einer AU für gesetzlich Versicherte durch Vertragsärzte gelten klare Regeln, die verbindlich zu beachten sind. Diese Bestimmungen werden sich, dazu gibt längst Gespräche und Projekte, der digitalen Welt anpassen müssen, jedoch ohne die ärztlichen Qualitätsansprüche und den Datenschutz zu gefährden oder infrage zu stellen. Das Angebot aus Hamburg scheint eher eine gezielte Werbeaktion für eine erst kürzlich gegründetes Unternehmen zu sein als ein ernstzunehmendes medizinisches Angebot."

Dr. Monika Schliffke, Vorstandsvorsitzende der KVSH

GKV-Spitzenverband

"Mit den niedergelassenen Ärzten haben wir im Bundesmantelvertrag vereinbart, dass die Krankschreibung vom Versicherten auch elektronisch an die Krankenkasse geschickt werden kann – sofern die einzelne Kasse ihren Versicherten ein solches Angebot unterbreitet. Außerdem ist die Kasse berechtigt, die Vorlage des Originals der Krankschreibung zu verlangen."

"Der GKV-Spitzenverband prüft das Angebot inhaltlich. Wann das Ergebnis - und womöglich nur intern - kommuniziert wird, lässt sich noch nicht abschätzen."

Ann Marini, stellvertretende Sprecherin des GKV-SV

AOK-Bundesverband

"Grundsätzlich stehen wir neuen digitalen Ansätzen im Gesundheitswesen offen gegenüber. Bei einigen AOKs ist es zum Beispiel bereits möglich, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung online einzusenden. Auch im Rahmen unseres Digitalen Gesundheitsnetzwerks arbeiten wir daran, die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Zudem setzen wir uns für die Lockerung des Fernbehandlungsverbotes ein.
 
Inwiefern eine solche Krankenschreibung rechtlich anerkannt werden kann, können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht einschätzen, da wir keine Informationen darüber haben, ob sich die über das Portal ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von der vom Arzt vor Ort ausgestellten Bescheinigung unterscheidet."

Maike Janczyk, Referentin der AOK-BV-Pressestelle

DAK-Gesundheit

"Das Modell der AU-Schein GmbH sieht vor, dass Patienten die AU-Bescheinigung nachträglich per Post zugeschickt bekommen. Diese wird dann an uns übermittelt. Über welche Wege die Diagnose gestellt oder ein Attest vom Arzt an den Patienten ging, ist für uns dann nicht mehr ersichtlich. Daher erkennen wir diese AU-Bescheinigungen genauso an wie alle anderen."

Helge Dickau, Unternehmenskommunikation / Public Relations der DAK-Gesundheit

IKK e.V.

"Die Innungskrankenkassen begrüßen generell digitale Neuerungen, die dem Versicherten nutzen und Prozesse vereinfachen. So bieten einige IKKn auch schon qualitätsgesicherte Apps an, zu deren Funktionen auch die Übermittlung der AU-Meldung gehört. Doch diesem hier angesprochenen Dienst stehen die IKKn aktuell noch kritisch gegenüber, solange nicht geklärt ist, ob das gesamte Verfahren der Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung per WhatsApp rechtlich, insbesondere auch unter Datenschutz-Aspekten, korrekt ist. Diese Entscheidung müsste zuerst getroffen werden. Entspricht das Verfahren nicht dem geltenden Recht, kann die AU-Bescheinigung nicht anerkannt werden."

Iris Kampf, Pressesprecherin

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