Als ZFA auf der "Africa Mercy"

"Es ist eine Erfahrung fürs Leben"

Die Hilfsorganisation Mercy Ships sucht immer wieder freiwillige Zahnärzte und ZFA, um Patienten ehrenamtlich in der eigenen Zahnklinik in Conakry, Guinea zu behandeln. Marie-Therese Franke war bereits vor Ort. Im Interview berichtet sie von ihrem Einsatz.

Marie-Therese Franke arbeitet seit 3,5 Jahren als ZFA in der Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE). Im Oktober 2018 war sie für zwei Wochen an Bord der "Africa Mercy", dem größten Hospitalschiff der Welt, um zahnärztliche Hilfe in Guinea zu leisten. "Es ist mir wichtig, etwas für die Menschheit aus Nächstenliebe zu tun", sagt die 28-Jährige im Interview. "Außerdem ist es eine Erfahrung fürs Leben!" privat

Wie hat Ihr Chef auf Ihren Wunsch, an einem Hilfseinsatz teilzunehmen, reagiert?

Marie-Therese Franke: Mein damaliger Chef, Prof. Dr. Dr. Heiland, der mittlerweile von Hamburg nach Berlin an die Charité gewechselt ist, war derjenige, der mich auf solch ein Angebot aufmerksam gemacht hatte. Dementsprechend hatte er den Hilfseinsatz zu 100 Prozent unterstützt - genauso wie auch mein derzeitiger Chef Prof. Dr. Dr. Gosau.

Mit welchen Erwartungen sind Sie an Bord der "Africa Mercy" gegangen?

Ich hatte meine Erwartungen komplett heruntergeschraubt, da ich nicht wirklich wusste, was mich dort erwarten würde. Also bin ich vom Schlimmsten ausgegangen (lacht). Später war ich dann sehr positiv überrascht, wie gut die Africa Mercy ausgestattet ist!

Mein Willkommenspaket! | privat

Bei dem Gedanken, den Menschen dort zu helfen, ist mein Herz aufgegangen! Jeden Tag! | privat

Das Dentalteam ist zudem gar nicht an Bord des Schiffs tätig, sondern schläft dort nur. Wir haben die Räumlichkeiten einer eigenen Zahnklinik im Landesinneren genutzt. Dazu sind wir jeden Tag rund 20 Minuten mit dem Auto nach Conakry gefahren.

Wie hat Ihnen die Arbeit gefallen?

Die Arbeit hat mir sehr gut gefallen. Es harmonierte super zwischen all den Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Jede Schwierigkeit und jede Anstrengung hat sich gelohnt.

Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen arbeiten gemeinsam auf dem Schiff. Wie ist die Atmosphäre an Bord?

Die Atmosphäre an Bord ist einfach genial! Es existiert eine riesige Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. Und man wird bestens in die Gemeinschaft aufgenommen! 

Außerdem wird der Hilfseinsatz von allen sehr geschätzt. Man darf nicht vergessen: Es ist der Urlaub, der dort verbracht wird, um anderen zu helfen. Genauso wie jeder die Reise und den Aufenthalt auf dem Schiff selbst finanziert.

Hier werden die Instrumente aufbereitet. Die Zahnklinik ist insgesamt recht gut ausgestattet. | privat

Wie sah Ihre tägliche Arbeit als ZFA auf der "Africa Mercy" aus?

Ich schlief in einer Kabine mit acht weiteren Frauen auf engstem Raum. Außerdem mussten wir uns ein Badezimmer teilen. Und trotzdem kamen wir uns nicht in die Quere, da jede von uns bei ihrer morgendlichen Routine vorausschauend mitgedacht hat. 

Jeden Morgen um 7:30 Uhr fuhren wir dann los zur Zahnklinik, in der wir arbeiteten. Dort trafen wir zunächst alle Vorbereitungen für den Tag. Die Patienten saßen dann meist schon in Gruppen vor der Tür und warteten.

Dann starteten wir die Arbeit, die teilweise "wie am Fließband verlief", da so viele Menschen Hilfe brauchten. 

Die vielen verschiedenen Eindrücke, die neuen Freundschaften und die Dankbarkeit der Patienten sind unvergesslich. | privat

Es gab ein Wartezimmer, in dem eine Einheimische Mundhygieneunterweisungen machte und Zahnpflegeartikel wie Zahnseide verschenkte. Die meisten Patienten waren sehr ängstlich, da sie nicht wussten, was dort auf sie zukam, denn einen Besuch bei einem Zahnarzt kannten sie nicht - leider meist auch keine Mundhygiene. So arbeiteten wir jeden Tag bis ca. 17 Uhr.

Welche Fähigkeiten sollte man an Bord der "Africa Mercy" als ZFA mitbringen?

Man sollte für den Aufenthalt dort auf jeden Fall Englischkenntnisse mitbringen, um mit allen Helfenden auf dem Schiff kommunizieren zu können. Mit den Patienten ist es dagegen gar nicht so wichtig, dieselbe Sprache zu sprechen. Hier zählt: Hauptsache das Herz spricht gleich!

Platzangst sollte man auch nicht haben, da man auf dem Schiff wirklich auf engen Raum lebt. Kenntnisse in der Chirurgie sind meiner Meinung nach ebenfalls von Vorteil.

Viele Kinder, die mit ihren Müttern in die Zahnklinik kamen, starrten uns manchmal bis zu eine Stunde lang an, da sie noch nie zuvor "helle" Menschen gesehen hatten. Insgesamt waren die Patienten sehr dankbar für unsere Hilfe.  | privat

Ich sage immer nach einem Aufenthalt an "Bord" kann man eine Weltreise starten, um alle "Freunde", die man dort gewonnen hat, zu besuchen. Es waren wirklich fast alle Nationen vertreten. | privat

Was haben Sie von Ihrem Hilfseinsatz mitgenommen?

Nach so einem Aufenthalt sollte einem noch mehr bewusst werden, dass wir uns hier mit Luxusproblemen herumschlagen und dankbar sein sollten, für alles, was wir haben.

Und einen Satz: "Everyone smiles in the same language, but children in Africa smiles different."

Würde Sie auch Ihren Kolleginnen solch einen Hilfseinsatz empfehlen?

Ich würde es jedem empfehlen, an so einem Einsatz teilzunehmen, um solch eine Erfahrung zu machen. Alleine bei dem Gedanken, den Menschen dort zu helfen, ist mein Herz aufgegangen. Die vielen verschiedenen Eindrücke und die Dankbarkeit sind unvergesslich.

Was wäre Sherlock Holmes ohne Dr. Watson, was Oberinspektor Derrick ohne seinen Harry, was der Zahnarzt ohne seine ZFA? Ohne Partner, ohne Team geht gar nichts.

15977521586962158695115869521596200 1595433 1586955
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare