Neues Aktionsbündnis gegen Übergewicht

"Aktion Weniger Zucker" gegründet

Übergewicht ist eines "der drängendsten Gesundheitsprobleme in Deutschland" geworden. Deshalb gründeten die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), der AOK-Bundesverband, die Verbraucherorganisation foodwatch, die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und das Ethno-Medizinische Zentrum e.V. (EMZ) die "Aktion weniger Zucker".

Fast 60 Prozent der Erwachsenen gelten laut DANK in Deutschland als übergewichtig, fast jeder Vierte ist adipös. Adobe Stock/Jürgen Fälchle

"Um die aktuelle Übergewichtswelle aufzuhalten, reichen die bisherigen Ansätze nicht aus", sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer. "Es braucht Maßnahmen, die dauerhaft sind und die ganze Bevölkerung erreichen." Die "Aktion Weniger Zucker" will sich dafür einsetzen, dass solche Maßnahmen auch in Deutschland umgesetzt werden.

Das Aktionsbündnis will sich dabei zunächst auf das Problem des übermäßigen Zuckerkonsums durch Fertigprodukte und Softdrinks konzentrieren. Konkret werden vier Forderungen vertreten:

• Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für zuckerreiche oder andere hochkalorische Lebensmittel (wenn das Produkt nicht dem Nährwertprofil der WHO entspricht)
• Für alle Bevölkerungsgruppen verständliche Lebensmittelkennzeichnung
• Steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln
• Verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung

Übergewicht sei laut DANK zu einem "der drängendsten Gesundheitsprobleme in Deutschland" geworden: Fast 60 Prozent der Erwachsenen gelten als übergewichtig (Body Mass Index ab 25 kg/m²), fast jeder Vierte als adipös (BMI ≥ 30 kg/m²).

Um diesen Trend aufzuhalten, spiele die Verringerung des hohen Zuckerkonsums eine maßgebliche Rolle. "Die deutsche Politik verfolgt dabei bisher die Strategie von Informationsvermittlung und Kursen für den Einzelnen", kritisiert das Bündnis. Doch dieser individualistische Ansatz gelte wissenschaftlich als gescheitert. "Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt stattdessen Maßnahmen, die das alltägliche Umfeld der Bevölkerung gesundheitsförderlicher gestalten", so das Aktionsbündnis.

Die Zahnbehandlungskosten belaufen sich global auf jährlich 128 Milliarden Euro. Allein in Deutschland sind es 17,2 Milliarden Euro pro Jahr. Wie der Zuckerkonsum die Kurve nach oben treibt, zeigt eine Studie.

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Die "Aktion Weniger Zucker" orientiere sich daher am britischen Vorbild der "Consensus Action on Sugar" und am Tabakrahmenübereinkommen der WHO. Das darin enthaltene breite Paket gesundheitspolitischer Maßnahmen führe bei konsequenter Umsetzung zum Rückgang des Tabakkonsums.

Ein derart konzertiertes Vorgehen sei auch im Bereich Ernährung dringend notwendig: "Deutschland hinkt bei politischen Maßnahmen gegen Übergewicht weit hinterher", sagt Bitzer, "daher wollen wir der Entwicklung auf die Sprünge helfen."

2. Zuckerreduktionsgipfel in Berlin

Am Mittwoch hatte der AOK-Bundesverband zu seinem 2. Zuckerreduktionsgipfel nach Berlin geladen: Rund 200 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Wirtschaft diskutierten dabei - im Hinblick auf den hohen Zuckerkonsum in Deutschland - über Ernährungsaspekte, das Verbraucherverhalten sowie die Verantwortung von Politik und Industrie.

Auch  Bundesernährungsministerin Julia Klöckner gehörte zu den Gästen. Sie hatte bereits am Dienstag eine Grundsatzvereinbarung mit Wirtschaftsverbänden unterzeichnet. Darin heißt es, dass die Industrie, den Gehalt an Zucker, Fetten und Salz auf freiwilliger Basis bis 2025 senken will.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat eine Grundsatzvereinbarung mit Wirtschaftsverbänden unterzeichnet. Darin heißt es, dass die Industrie, den Gehalt an Zucker, Fetten und Salz "senken will."

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"Es ist erfreulich, dass Bewegung ins Thema kommt", erklärte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands Martin Litsch. "Das ist ein erster Schritt, kappt aber leider nur die Spitze des Zuckerbergs. Wir setzen darauf, dass weitere Akteure Verantwortung übernehmen und sich der von der Politik geplanten nationalen Reduktionsstrategie anschließen. Dazu gehört eine Einigung auf kurzfristig nachvollziehbare und messbare Reduktionsziele."

Litsch unterstrich, dass nur eine breit angelegte Strategie zu einem dauerhaften und spürbaren Rückgang des Zuckerkonsums führe: "Der Erfolg hängt auch entscheidend davon ab, wie ernst die Lebensmittelindustrie ihre jetzt geschlossene Vereinbarung nimmt. Wir werden die Umsetzung des Grundsatzpapiers daher aufmerksam verfolgen. Dafür wird auch unser neu gegründetes Bündnis 'Aktion weniger Zucker' sorgen."

Zuckerreduktionsgipfel

"Süß war gestern" - unter diesem Motto veranstaltete der AOK-Bundesverband seinen ersten Zuckerreduktionsgipfel in Berlin - andere Nationen sind den Deutschen in Sachen Zuckerreduktion um Einiges voraus.

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35 Kilogramm Zucker essen die Deutschen pro Jahr und Kopf – mehr als doppelt so viel wie von der WHO empfohlen. Der Wert bildet jedoch nur den Konsum von Haushaltszucker ab. Hinzu kommt ein steigender Verbrauch von Mono- und Disacchariden, die Lebensmitteln zugesetzt werden – und zunehmend zum Problem werden.

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