Politik

Bürgerversicherung kostet 100.000 Arbeitsplätze

Die von SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geplante Überführung der PKV in eine gesetzliche Bürgerversicherung würde 100.000 Arbeitsplätze vernichten - davon die Hälfte binnen eines Jahres.

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Zu dem Schluss kommt eine im Auftrag der Gewerkschaft Verdi und der gewerkschaftsnahen Hans Böckler Stiftung angefertigte Untersuchung. Allein der sofortige Stopp des PKV-Neugeschäftes "würde innerhalb eines Jahres zum sofortigen Verlust von 25.000 Arbeitsplätzen führen", heißt es. Das schreibt die "Frankfurter Allgemeine" (FAZ). Außerdem würden "einige Zehntausend selbständige Versicherungsvermittler ihre Erwerbsmöglichkeit verlieren".

Die 80 Seiten umfassende Ausarbeitung "Auswirkungen der Bürgerversicherung auf die Beschäftigung in GKV (Gesetzlicher Krankenversicherung) und PKV" wurde Anfang Januar abgeschlossen aber nicht veröffentlicht. Ein Verdi-Sprecher sagte dem Blatt, die Zahlen seien nachvollziehbar. Deshalb sei der erste Entwurf nicht abgenommen, sondern zur Überarbeitung zurückgegeben worden. Die Endfassung liegt nun vor. Ihre Kernaussagen dürften gleichwohl unverändert sein, mutmaßt die FAZ.

Verdienstmöglichkeiten für bis zu 50.000 Versicherungsmakler brechen weg

Der Autor der Studie, der SPD-nahe Gesundheitsfachmann Robert Paquet, stelle fest, mit Einführung der Bürgerversicherung würde die Privatversicherung zum "Auslaufmodell", heißt es. Insofern seien auch die übrigen 35.000 an der PKV-Vollversicherung hängenden Arbeitsplätze in den Versicherungsunternehmen gefährdet, folgert das Blatt. "Insgesamt sind durch die Bürgerversicherung die Arbeitsplätze von rund 60 000 Arbeitnehmern in Frage gestellt", schreibt Paquet dazu.

Zudem würden Verdienstmöglichkeiten für Zehntausende - nicht näher genannte Schätzungen reichen bis zu 50.000 - Versicherungsvermittler massiv eingeschränkt oder vernichtet, so die FAZ. Dass private Anbieter mit einer Bürgerversicherung am Markt blieben, hält Paquet für illusorisch.

Der PKV blieben nur noch Zusatzversicherungen, die heute nur ein Fünftel des Geschäfts darstellen

Nordrhein-Westfalen träfen diese Einschnitte am stärksten. FAZ: Auch 11.000 Beschäftigte für die Abwicklung der staatlichen Beihilfe der privatversicherten Beamten würden überflüssig. Folgen hätte der Wechsel für 2.400 Ärzte und Hunderte Zahnärzte, die nur Privatpatienten behandeln sowie die Mitarbeiter der 15 Verrechnungsstellen, die die Abrechnung der Kassenärzte mit Privatpatienten abwickeln. 

Das von SPD, Grünen und Linken verfolgte Konzept sieht vor, dass alle Bürger Pflichtmitglieder in der Krankenversicherung sind, die einheitliche Leitungen anbietet. Im Gegenzug müssen alle Beiträge nach der Höhe ihres Einkommens zahlen. Die PKV würde vor allem Zusatzversicherungen anbieten, die heute ein Fünftel zum Geschäft beitragen.

DGB verlangt Beschäftigungsgarantie für Betroffene Arbeitnehmer

Bürgerversicherungszenarien sehen eine Wechselmöglichkeit der Bestandskunden in die gesetzliche Versicherung vor. Würden die Versicherten davon Gebrauch machen, wäre dies das schnelle Aus für die heutige PKV, sind sich Branchenkenner einig. Deshalb warnen Betriebsräte von Versicherungsunternehmen seit Monaten vor den auch vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) verfolgten Plänen zum Umbau der Krankenversicherung.

Allerdings verlangt der DGB in seinem Konzept eine "Beschäftigungsgarantie für die hiervon betroffenen Beschäftigten in einem integrierten Krankenversicherungssystem", schreibt die Frankfurter Allgemeine.  Angestellte der Versicherungen und Maklerbüros hätten dennoch kaum Aussichten, eine ähnliche Beschäftigung in der eher schlechter zahlenden GKV zu finden. "Ersatz-Arbeitsplätze in der gesetzlichen Krankenversicherung sind nicht zu erwarten, weil die Krankenkassen einen allmählichen Zuwachs ohne zusätzliches Personal verkraften würden", schreibt Gutachter Paquet.