Podiumsdiskussion zu Arztnetzen

Chancen für die regionale Versorgung

Ob professionelle Arztnetze erfolgreich sind, hängt davon ab, inwieweit sie die regionale Versorgung unterstützen - so das Fazit auf einer Podiumsdiskussion mit Gesundheitspolitikern in Berlin.

v.l.n.r.: Dr. Veit Wambach, Moderator Dr. Albrecht Kloepfer, Christine Aschenberg-Dugnus, Kathrin Vogler, Dr. Kirsten Kappert-Gonther und Dr. Georg Kippels zm-pr

 Zum Thema "Professionelle Arztnetze in der neuen Legislatur - Chancen und Herausforderungen für die Versorgung der Zukunft" hatte die Agentur Deutscher Arztnetze (ADA) gesundheitspolitische Vertreter am 29. November zu einer Podiumsdiskussion mit Vertretern von FDP, CDU, Bündnis 90/ Die Grünen und CDU/CSU geladen.

In seinem Eingangsstatement betonte Dr. Bernhard Gibis, Dezernent Geschäftsbereich "Sicherstellung und Versorgungsstruktur" bei der KBV, dass Arztnetze vielen kleineren Praxen eine Zukunftsperspektive bieten würden. Die Ärzte würden in den Netzen kollektiv und kollegial Verantwortung übernehmen und es gebe Raum für Innovationen. Bei der Versorgung vor Ort stehe weniger das Monetäre und mehr das Ärztliche im Vordergrund.

 


Arztnetze sind regionale Zusammenschlüsse von Ärzten. Sie etablierten sich vor rund zehn Jahren im Rahmen des GKV-Neuordnungsgesetzes. Das Gesetz zielte darauf ab, durch engere Kooperationen mehr Wirtschaftlichkeit und eine Qualitätsverbesserung zu erwirken. Durch die systematische Kooperation wird die Versorgung der Patienten vor Ort der demographischen Entwicklung angepasst. Außerdem soll die Kommunikation der Ärzte untereinander sowie die Angebotsstrukturen optimiert werden. In ein Praxisnetz dürfen auch Krankenhäuser, Vorsorge- und Rehakliniken und Angehörige anderer Gesundheitsberufe einbezogen werden. Ärzte und andere Leistungserbringer können mit Krankenkassen Direktverträge abschließen. Organisierte Arztnetze können - laut Versorgungsstrukturgesetz - durch KVen gefördert werden. Die KV kann einem Netz ein eigenes Honorarvolumen als Teil der Gesamtvergütung zuweisen, das Netz kann das Budget an die teilnehmenden Ärzte weitergeben.

Quelle: Agentur Deutscher Arztnetze


Dr. Veit Wambach, Vorstandsvorsitzender der ADA, erklärte, dass in der Gesundheitsversorgung große Unterschiede in Morbidität und Mortalität bestünden. Er nannte als Beispiel Bayern: In München lebe man statistisch gesehen zwei Jahre länger als in Nürnberg. Grund seien sozioökonomische Unterschiede. Um solche Probleme zu lösen, bieten sich vernetzte Strukturen an. Netze hätten den Vorteil, dass dort der Patient den Arzt seines Vertrauens selbst wählen könne und dass die Freiberuflichkeit gewahrt bleibe. Wichtig sei, dass kapitalgesteuerte Interessen nicht über die ärztliche Behandlung entscheiden dürften. Digitalisierung und Telemedizin würden in den Netzen vorangetrieben. Wambach betonte, der bestehende Ordnungsrahmen durch die Selbstverwaltung dürfe in den Netzen nicht geschmälert werden.

In ihrem Diskussionsbeitrag verteidigte Christine Aschenberg-Dugnus, FDP, die Rolle der freien Arztwahl und den Grundsatz "ambulant vor stationär". Als positives Beispiel für Arztnetze hob sie Netze in Schleswig-Holstein hervor, die regionale Versorgungsformen übernehmen und die auch von der KV gefördert werden. Man solle nicht "an der KV vorbeinetzen": Für junge niedergelassene Ärzte, die von ihrer Klinikzeit her daran gewöhnt sind, vernetzt zu arbeiten, bieten sich hier interessante Perspektiven.

Dass die Wahl zwischen ambulantem und stationärem Bereich aus ihrer Sicht in strukturschwachen Regionen schon lange keine Realität mehr ist, betonte Kathrin Vogler, Die Linke. Wichtig sei für sie, beide Bereiche so zu verzahnen, dass eine flächendeckende Versorgung für alle ermöglicht werde. Hierbei komme es auf die Organisationsform der Netze an. Skepsis zeigte Vogler bei Netzen in Form von "Subunternehmen der KV". Die Arztnetze dürften auch nicht dazu dienen, Kapitalunternehmen Tür und Tor zu öffnen, warnte sie. Die Herrschaft der Ökonomie über die Therapie führe dazu, dass Patienten nicht mehr vernünftig versorgt werden.

Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Bündnis 90/Die Grünen, verwies auf die konkrete Situation vor Ort - sinnvoll seien Interaktions- und Kooperationsmodelle. Arztnetze sind für sie ein spannender Weg, um die ambulante und stationäre Versorgung zu verknüpfen. Vor allem in unterversorgten Gebieten seien Netze sinnvoll. Hier könne man auch über weitere Förderungen nachdenken. So brauche etwa die Versorgung chronisch Kranker finanzielle Anreizsysteme. Hier könnten auch Kommunen und weitere Gesundheitsberufe miteinbezogen werden.

Dr. Georg Kippels, CDU, verwies auf die "immense Erwartungshaltung" von Patienten an den ambulanten Bereich. Patienten orientierten sich oft am eigenen Lebensumfeld, hätten aber wenig Kompetenz, um aus geplanten ärztlichen Entscheidungen die für sie richtigen Schlüsse zu ziehen. Hier komme das Vertrauensverhältnis zum Arzt ins Spiel. "Wir müssen uns zunehmend mit der Ambulantisierung beschäftigen", so Kippels. An die KVen appellierte er, sich offen zu zeigen und die Entwicklung von Arztnetzen aktiv zu unterstützen und zu begleiten und damit den ärztlichen Nachwuchs mit neuen Praxisformen zu animieren.

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