FVDZ-Hauptversammlung

Erfüllungsgehilfe, Handlanger ODER freie selbstbestimmte Zahnärzte?

Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) hat auf der Eröffnung der Hauptversammlung in Lübeck ein klares Zeichen gesetzt und von Fremdinvestoren betriebenen MVZ die Rote Karte gezeigt.

Die FVDZ-Hauptversammlung findet vom 11. bis 13. Oktober in Lübeck statt. Bei der dreitägigen Hauptversammlung widmen sich die Delegierten in ihren Debatten neben der Kampagne des Verbandes gegen die Ausbreitung von Fremdinvestoren in der Zahnmedizin auch der Telematikinfrastruktur sowie dem Thema Freiberuflichkeit. FVDZ

Damit werden auch die Politik und insbesondere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im laufenden Gesetzgebungsverfahren zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) zu Korrekturen aufgefordert, teilt der FVDZ mit.

"Noch haben wir es selbst in der Hand, die Zukunft unserer Berufsausübung zu gestalten!"

"Noch haben wir es selbst in der Hand, die Zukunft unserer Berufsausübung zum Wohl unserer Patienten selbst zu gestalten, nämlich entweder als Erfüllungsgehilfen einer desolaten Politik und als Handlanger von Gewinnmaximierern oder aber als freie selbstbestimmte Ärzte und Zahnärzte im Dienst unserer Patienten", erklärte der Bundesvorsitzende des FVDZ, Harald Schrader.

Minister Garg: "Wir können nicht zulassen, dass zulasten einer flächendeckenden Versorgung Finanzinvestoren aus Renditeerwägungen Arztsitze aufkaufen und die Bildung großer Ketten forcieren."

Die FVDZ-Hauptversammlung wurde von Dr. Heiner Garg, Minister für Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren des Landes Schleswig-Holstein, eröffnet: "Die Veränderungen in der Arbeitswelt und die Anforderungen der nächsten Generation stellen das bewährte System der Freiberuflichkeit vor neue Herausforderungen."

Das Kernthema der diesjährigen Hauptversammlung sei daher sehr gut gewählt, für die Sicherung der Versorgung in der Fläche sei es notwendig, dass aus der ärztlichen Selbstverwaltung heraus Lösungen für diese Herausforderungen diskutiert werden.

"Die Forderung der Zahnärzte nach einer stärkeren Regulierung arztgruppengleicher MVZ teile ich", sagte Garg. "Wir können nicht zulassen, dass zulasten einer flächendeckenden Versorgung Finanzinvestoren im großen Stil aus Renditeerwägungen Arztsitze aufkaufen und die Bildung großer Ketten forcieren."

 Im Festreferat sprach Prof. Dr. Jürgen Wasem zum Thema: "Der selbstständige freiberufliche Vertragszahnarzt aus ökonomischer Perspektive". Er folgerte, dass der Gesetzgeber auf "gleichlange Spieße" zwischen freiberuflichen Vertragszahnärzten und MVZ achten sollte.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Garg, Wasem und dem Bundesvorsitzenden auch Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), sowie Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), teil.

Der steht Berufsstand am Scheideweg

Es bestand Konsens, dass der Berufsstand am Scheideweg steht, aber dass sich der FVDZ gemeinsam mit KZBV und BZÄK für eine wohnortnahe, hochqualitative und flächendeckende Versorgung der Patienten einsetzen will und die ethisch-moralischen Werte der Zahnheilkunde nicht dem Investorenmodell preisgeben wird.

"Der Berufsstand muss passende Modelle und Initiativen entwickeln sowie Unterstützungsangebote für eine familienfreundliche Niederlassung und Berufsausübungsformen geben", sagte BZÄK-Präsident  Dr. Peter Engel während der Podiumsdiskussion.

Junge Kollegen hätten nun einmal andere Bedürfnisse bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. So brauche es neue Kooperationsformen, die eine ausgewogene work-life-balance und eine freiberufliche Berufsausübung ermöglichen. "Die Berufsausübung als selbstständiger freiberuflicher Zahnarzt muss attraktiver werden", so Engel.

 

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