Interkulturelles Fortbildungskonzept in Nordrhein

Für mehr kultursensible Kompetenz

InterKultKom – so heißt ein neues Projekt in Nordrhein, das eine kultursensible und interprofessionelle Gesundheitsversorgung fördern soll. Es richtet sich an Ärzte, Zahnärzte, Pflegeberufe, ZMF und ZFA.

Foto: AdobeStock_SVRSLYIMAGES

Das Projekt InterKultKom bietet ein berufsübergreifendes Fortbildungskonzept, das die transkulturelle Kompetenz und die kultursensible Kommunikation der Ärzte, Zahnärzte und Gesundheitsberufe stärken soll. Dazu wurde ein Modellprojekt in der Region Aachen erprobt. Es zielt auf mehr Offenheit und mehr Sicherheit im Umgang mit Patienten aus anderen Kulturen und auf den interdisziplinären Austausch der am Projekt beteiligten Gesundheitsberufe.

Gefördert hat das Modellprojekt die Robert-Bosch-Stiftung, beteiligt sind die Ärzte- und Zahnärztekammer Nordrhein, die KV Nordrhein, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, der Pflegerat NRW und der Verband medizinischer Fachberufe. Mit der Umsetzung war das von der Ärztekammer und KV Nordrhein getragene Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) betraut. Eine Evaluation erfolgt durch die Universität Witten-Herdecke.

Die Versorgung von Patienten mit Migrationshintergrund gehört längst zum Alltag

Das Projekt geht von der Überlegung aus, dass die Versorgung von Patienten mit Migrationshintergrund in Krankenhäusern, Arztpraxen, Zahnarztpraxen und Pflegeeinrichtungen längst zum Alltag gehört. Nicht nur unterschiedliche Sprachen, sondern auch unterschiedliche kulturelle Prägungen der Patienten sowie deren Verständnis und der Umgang mit Erkrankungen erschweren die Versorgung im Praxis-, Krankenhaus- und Pflegeheimalltag. Ein kultursensibles Verhalten aller an der Gesundheitsversorgung beteiligten Berufsgruppen soll die Mitarbeit und Therapiebereitschaft der Patienten fördern und somit die Chancen auf einen Behandlungserfolg erhöhen. So sollen Unsicherheiten bei allen Beteiligten abgebaut werden.

Zusammen mit den beteiligten Kooperationspartnern wurde ein Schulungskonzept erarbeitet. Es besteht aus fünf Modulen zu folgenden Themenbereichen:

- Haltung: unterschiedliche Werte und Orientierungssysteme in unterschiedlichen Kulturen, Reflexion der eigenen Sozialisation und gesellschaftlichen Prägung

- Kommunikation: Kommunikation und Beziehungsgestaltung, Umgang mit Dolmetschern und Kulturmittlern, Sensibilisierung für die Problematik des Dolmetschens durch Zugehörige

- Krankheitsverarbeitung: Umgang mit Krankheit aus der Sicht unterschiedlicher Kulturen vor dem Hintergrund verschiedener religiöser Aspekte

- Familie und Gender: unterschiedliche Familienstrukturen, Stellenwert der Familie, Umgang mit Gesundheitsförderung und Prävention

- Gewalt, Trauma, Tod und Trauer: Umgang mit traumabelasteten Patienten, Sterbebegleitung, Trauer, Abschiedsrituale und Rituale der Sterbebegleitung

Die eigene kulturelle Prägung darf das Verständnis nicht behindern

Die Fortbildungen sollen zeigen, wie sich Dolmetscher und Kulturmittler in den Behandlungsalltag integrieren lassen. Die Teilnehmer der Schulungen lernen auch, die eigene kulturelle Prägung zu reflektieren und den Umgang anderer Kulturen mit Krankheit, Familie, Gender, Trauer oder Tod stärker zu berücksichtigen. Zudem dienen die Schulungen dazu, die kommunikative Kompetenz im Umgang mit Patienten und Angehörigen anderer kultureller Prägungen zu verbessern, etwa durch Rollenspiele. Gleichzeitig wird die interprofessionelle Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe gestärkt und eine sektorenübergreifende Vernetzung gefördert.

Dr. Ralf Hausweiler, Vizepräsident der Zahnärztekammer Nordrhein, erklärt zu dem Projekt: „Für eine kultursensible Patientenversorgung durch Zahnärztinnen, Zahnärzte und das Praxisteam ist interkulturelle Kompetenz sehr wichtig – gerade auch in akuten Schmerz- und Notfallsituationen.“

"Interkulturelle Kompetenz lernt man nicht im Medizinstudium"

„In einer multikulturellen Gesellschaft ist es wichtig, dass unsere Gesundheitsversorgung allen Patientinnen und Patienten gerecht wird“, betont der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke. „Gerade mit schwersten Krankheiten und mit Grenzsituationen am Lebensende sollten alle beteiligten Gesundheitsberufe kultursensibel und interprofessionell umgehen können.“ Henke: „Ich würde mich daher sehr freuen, wenn es gelänge, dieses Schulungsprogramm sowohl in Aus- und Fortbildung und in der bewährten Kooperation mit den Projektpartnern auch über die Städteregion Aachen hinaus umsetzen zu können.“ 

Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, weist darauf hin, dass der Bedarf an interkultureller Kompetenz in der Gesundheitsversorgung durch den Zuzug vieler Migranten und geflüchteter Menschen deutlich gewachsen ist. Bergmann: „Interkulturelle Kompetenz lernt man aber nicht im Medizinstudium. Umso wichtiger sind Angebote wie das Modellprojekt ‚InterKultKom‘. Ich wünsche mir, dass das Fortbildungskonzept viele Anwender findet und zu einer nachhaltigen, kulturell aufgeschlossenen medizinischen Versorgung beiträgt“. 

Den Abschlussbericht zum Modellprojekt werden die Initiatoren am 29. August auf einem Symposium in Düsseldorf vorstellen.

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