Bertelsmann Stiftung

Gesellschaft hält mehr zusammen als kurz vor der Pandemie

In der Corona-Krise ist der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland gewachsen. Dennoch: Soziale Unterschiede und die Probleme bestimmter Bevölkerungsgruppen sind sichtbarer geworden, zeigt eine Studie.

Im Vergleich zur Vorgängeruntersuchung aus dem Jahr 2017 erweist sich der gesellschaftliche Zusammenhalt 2020 insgesamt als stabil. Die 36 Indikatoren, mit denen der Zusammenhalt auf einer Skala von 0 (gering) bis 100 (hoch) gemessen wurde, hat sich in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. Gegenüber einer ersten Befragungswelle im Februar/März 2020 hat sich die Bewertung der Befragten hingegen verbessert. AdobeStock_DisobeyArt

Die Bertelsmann-Stiftung hat ihre Studie „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt 2020“ veröffentlicht. Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland hat sich demnach in der Corona-Krise als robust erwiesen und ist in den ersten Monaten nach Ausbruch der Pandemie sogar noch gewachsen. Gleichzeitig werden soziale Unterschiede sichtbarer und die Probleme bestimmter Bevölkerungsgruppen verschärfen sich.

Für den 88-seitigen Report wurden zunächst im Februar und März 3.010 Personen repräsentativ befragt, 1.000 hiervon dann noch einmal nach den Kontaktbeschränkungen im Mai und Juni. Noch im Februar sahen 46 Prozent der Befragten den Zusammenhalt in Deutschland als gefährdet an. Im März sank dieser Anteil der Umfrage zufolge auf 40 Prozent und sank im Mai und Juni weiter auf 36 Prozent ab.

 

Die Infografik zeigt, wie die Befragten zu unterschiedlichen Zeitpunkten Vertrauen und Zusammenhalt bewerten. | Bertelsmann Stiftung/Dietlind Ehlers

 

Ebenso nahm der Eindruck ab, die Bürgerinnen und Bürger würden sich nicht um ihre Mitmenschen kümmern. Während dies im Februar noch 41 Prozent sagten, äußerten im Mai und Juni nur noch 21 Prozent diese Auffassung. Auch das Vertrauen in die Bundesregierung ist über die Monate deutlich gestiegen: von 19 Prozent zunächst auf 30 Prozent im März und schließlich bis auf 45 Prozent beim dritten Befragungszeitpunkt.

Leichte Unterschiede in West und Ost

Im Vergleich zur Vorgängeruntersuchung aus dem Jahr 2017 erweist sich der gesellschaftliche Zusammenhalt 2020 insgesamt als stabil. Die 36 Indikatoren, mit denen der Zusammenhalt auf einer Skala von 0 (gering) bis 100 (hoch) gemessen wurde, hat sich in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. So ist der Durchschnittswert für die westdeutschen Bundesländer von 60 auf 62 Punkte etwas angestiegen, während er in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) nach wie vor bei 58 Punkten liegt.

Rund 43 Prozent aller Befragten weisen mit Werten von weniger als 60 Punkten unterdurchschnittliche Ergebnisse auf. | Bertelsmann Stiftung

 

Dennoch geht aus der Umfrage hervor, dass es soziale Gruppen gibt, die den Zusammenhalt in der Gesellschaft als geringer erleben. In dieser Gruppe sind Menschen mit geringerer formaler Bildung, niedrigem ökonomischem Status und Migrationshintergrund häufiger vertreten. Darunter finden sich auch vergleichsweise viele Personen, die allein leben oder alleinerziehend sind.

Laut der Umfrage bestätigen sich in der aktuellen Krisensituation die sozialen Unterschiede. "Wie unter einem Brennglas lässt Corona bereits bestehende soziale Verwerfungen noch deutlicher zum Vorschein kommen. Wer vorher schon benachteiligt war, für den stellt sich die Lage in der Krise noch schwieriger dar", kommentiert Kai Unzicker von der Bertelsmann Stiftung dazu.

Politische Parteien bewerten den Zusammenhalt unterschiedlich

Für die Autoren auch ein politischer Trend erkennbar: Die Anhänger von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, CSU, SPD und FDP bewerten den Zusammenhalt deutlich positiver als die Anhänger der Linkspartei und insbesondere der AfD sowie politisch ungebundene Personen. Dabei zeichnen sich die Anhänger der AfD vor allem durch geringe Werte beim generellen Vertrauen, der Akzeptanz von Diversität und dem Vertrauen in Institutionen aus. Anhänger der Linkspartei empfinden im Vergleich am häufigsten Defizite bei der sozialen Gerechtigkeit.

Die Studienautoren empfehlen, das Augenmerk von Politik und Gesellschaft insbesondere auf die Bevölkerungsgruppen zu richten, die ein geringeres Maß von Zusammenhalt verspüren und von einer schlechteren Versorgung mit sozialer Infrastruktur in ihrem näheren Umfeld berichten.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

34282163415329341533034153313428217 3428218 3415332
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare