Politik

Männerquote findet keinen Zuspruch

Mit seiner Forderung nach einer Männerquote für den zahnmedizinischen Nachwuchs steht der FVDZ-Landesverband Niedersachsen ziemlich alleine da.

In anderen Lebensbereichen geht es bei Geschlechterquoten oft um eine Fifty-Fifty-Verteilung - davon ist das Zahnmedizinstudium weit entfernt: Hier dominieren die Frauen. Sfotohansel-Fotolia

Nachdem der FVDZ-Landesverband Niedersachsen jüngst eine Männerquote für die Erstsemester Zahnmedizin gefordert hat (siehe Statement der Landesvorsitzenden Annette Apel|_blank), reicht das Echo von unaufgeregten Einordnungen bis zu Skandalisierungen.

"Quotenregelungen im Studium sind nicht zielführend!"

Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, wies die Forderungen mit den Worten zurück, die Kammer halte Quotenregelungen im Studium für nicht zielführend. Während das Thema in sozialen Medien von jungen Zahnmedizinern kontrovers diskutiert wird, bewertet die Ärzte Zeitung den Vorstoß als gut hörbaren PR-Gag.

Das Zahnärztinnen-Forum Dentista e. V. bezeichnete die Äußerungen in einem Interview wiederum als "Affront gegenüber den Kolleginnen". Dass sich ein Landesverband und unerfahrener Vorstand in Ton- und Wortwahl vergreife, sei die eine Sache, heißt es, "dass der Bundesvorstand diese Positionen auch zwei Tage nach Veröffentlichung noch unwidersprochen stehen ließ, eine andere".


Frauen- und Männerquoten

Der Verein Pro Quote Medizin ist ein Verband von "ÄrztInnen und MedizinwissenschaftlerInnen", der seit März 2013 eine feste Frauenquote von 40 Prozent auf allen Führungspositionen im Medizinsektor fordert. Erklärtes Ziel: das Erreichen der Quote bis 2018.

Die Grünen sind Vorreiter, was die Einführung einer Frauenquote in Deutschland betrifft. Sie beschloss bei ihrer Parteigründung 1979, dass mindestens die Hälfte aller Ämter weiblich besetzt werden. Die SPD legte neun Jahre später eine 33-Prozent-Geschlechterquote für Ämter und Mandate nach und steigerte diese 1998 auf 40 Prozent. Die CDU diskutierte im Dezember 1994 einen Anteil von einem Drittel und führte 1996 ein sogenanntes Frauenquorum ein. Die Partei Die Linke verabschiedete eine Quote mit einem Frauenanteil von mindestens 50 Prozent für alle Ämter. Die CSU votierte auf ihrem Parteitag am 29. Oktober 2010 dafür, dass künftig oberhalb der Orts- und Kreisverbände in den CSU-Gremien 40 Prozent der Ämter mit Frauen besetzt werden. Auf Orts- und Kreisebene gilt die Regelung als unverbindliche Empfehlung.

Der Verein Pro Quote Medien fordert eine 30-prozentige Frauenquote für Führungspositionen auf allen Hierarchiestufen in den Redaktionen von Printmedien, die bis 2017 verwirklicht werden soll. Wie erfolgreich die Kampagne mit namhaften Medienvertretern ist, bleibt offen. Die letzten auf der Website des Vereins veröffentlichten Zahlen zur Besetzung der 16 wichtigsten deutschen Redaktionen stammen aus dem Februar 2013.

Mit Bundestagsbeschluss vom 6. März 2015 werden große Unternehmen in Deutschland verpflichtet, Aufsichtsräte zu mindestens 30 Prozent mit Frauen zu besetzen. In den Aufsichtsräten der im DAX vertretenen Firmen beträgt die Frauenquote laut Wikipedia aktuell 21 Prozent. Wie der Spiegel in seiner Ausgabe vom 22. September 2014 berichtete, liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft nach aktuellen EU-Zahlen bei 21,7 Prozent.

ProQuote Regie ist eine Initiative der Film- und Fernsehbranche, die von über 200 Regisseurinnen in Deutschland unterstützt wird. Ihr Ziel ist 1. eine geschlechterparitätische Besetzung von staatlichen Filmfördergremien und 2. mehr Beiträge von Regisseurinnen im deutschen Fernsehprogramm und in deutschen Filmproduktionen. Seit 2014 organisiert sich die Initiative über den Verein ProQuote Regie. Der informierte Anfang des Jahres, dass 115 der insgesamt 441 Filme, die auf der Berlinale gezeigt werden, von Frauen gedreht wurden. Nur 3 von 23 Filmen im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale stammten von Regisseurinnen. Und: In Deutschland entstehen 22 Prozent aller Kinofilme unter weiblicher Regie, bei TV Produktionen sind es 11 Prozent.

Im Gleichstellungsgesetz für den öffentlichen Dienst ist eine relative Quotenregelung enthalten. Das heißt, Stellen werden mit dem Zusatz versehen, dass bei gleicher Qualifikation Bewerberinnen bevorzugt werden. 

Am 6. Dezember 2014 hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DSOB )mit der neuen Satzung auch eine Geschlechterquote beschlossen. In allen Gremien müssen nun Frauen und Männer zu jeweils mindestens 30 Prozent vertreten sein. Bei Einzelwahlen und bei den Mitgliedern des DOSB-Präsidiums gilt dies als Soll-Quote. Der Beschluss wurde ohne Gegenstimme gefasst.

Hamburg verankerte 2014 eine doppelte Geschlechterquote in der Neuauflage seines Hochschulgesetzes. Bei der Berufung von Professoren ist das unterrepräsentierte Geschlecht bei gleichwertiger Qualifikation bevorzugt zu berücksichtigen, heißt es, "solange der Frauen- beziehungsweise Männeranteil unter den Mitgliedern (...) in einer Fakultät, bei Hochschulen ohne Fakultäten in der Hochschule, 50 vom Hundert nicht erreicht".


Kolleginnen nicht als unfähig und unprofessionell darstellen

Dentista ruft den Bundesvorstand des FVDZ nun dazu auf, sich von den Äußerungen seitens des Landesverbandes zu distanzieren und "konzertiert mit dem gesamten Berufsstand für bessere Rahmenbedingungen für alle einzutreten". Es dürfe nicht unwidersprochen stehenbleiben, dass Kolleginnen als unfähig und unprofessionell dargestellt werden, heißt es.

Hintergrund: Mit 19 Ja-Stimmen bei 13 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen hatte die Landesversammlung Niedersachsen des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ) am 4. Juli in Bomlitz/Walsrode den Landesvorstand aufgefordert, „aktiv für die Einführung einer ‚Männerquote‘ bei der Vergabe von Studienplätzen der Zahnheilkunde zu werben“.




17910371783896178388717838881791038 1791039 1783891
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare