Kaufen, restrukturieren und wieder verkaufen

Offshore-Investoren übernehmen Dentalketten

Das Tempo der Übernahmen von Unternehmen im deutschen Gesundheitswesen insbesondere durch Offshore-Investoren steigt. Vor allem in zwei Sektoren: Pflege und Zahnmedizin.

Am Beispiel der Zahnmedizin zeigt sich der Studie zufolge, dass die übernehmenden Private Equity-Gesellschaften mehrheitlich bereits fachgleiche Ketten im europäischen Ausland betreiben. Adeobe Stock_nospacestock

Seit 2013 gab es rund 130 Übernahmen von Unternehmen im Gesundheitssektor durch kapitalstarke private Finanzinvestoren, 60 Prozent davon allein in den letzten zwei Jahren. Das ergibt eine Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT/ Westfälische Hochschule). Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime und -dienste zu kaufen, diese zu restrukturieren und wieder zu verkaufen.

Die Negativ-Schlagzeilen häufen sich

Der Blick nach Europa zeigt, was passiert, wenn Dentalketten die Versorgung bestimmen. Insider und Betroffene berichten.

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Dabei hat das Tempo der Übernahmen vor allem im ersten Halbjahr 2018 stark zugenommen. Pflegeheime beziehungsweise Pflegedienste waren laut IAT-Studie der wirtschaftlich wichtigste Bereich der Übernahmen mit rund 37.000 und damit mehr als der Hälfte aller Beschäftigten in den übernommenen Unternehmen. Hier entfallen bereits relevante Marktanteile auf die Private Equity-geführten Unternehmen.

Trend zur Übernahme von Facharztsparten vor allem in der Zahnmedizin, Radiologie und Augenheilkunde

Der Trend zur Übernahme von Facharztsparten ist aber auch vor allem in der Zahnmedizin, Radiologie und Augenheilkunde erkennbar. Bislang wurden nur etwas mehr als 30 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) durch Private Equity-Gesellschaften übernommen - allerdings entfielen 80 Prozent dieser Fälle auf den Zeitraum des Jahres 2017 und des ersten Halbjahrs 2018.

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) wurde 2015 die Möglichkeit geschaffen, auch im zahnärztlichen Bereich arztgruppengleiche Medizinische Versorgungszentren (Z-MVZ) zu errichten.

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In beiden Segmenten findet ein Aufbau neuer Unternehmensketten statt, bei denen zentrale Funktionen, zum Beispiel Rechnungswesen, Einkauf und Qualifizierung, aufgebaut und den dezentralen Betriebsstandorten bereitgestellt werden.

Überwiegendaktiv: Fonds-basierte Private Equity-Gesellschaften aus Europa  und den Vereinigten Staaten

Überwiegend sind kapitalkräftige, Fonds-basierte Private Equity-Gesellschaften aus den europäischen Nachbarländern und aus den Vereinigten Staaten aktiv. Vor allem das starke Kapitalangebot der Private Equity-Gesellschaften und die Attraktivität des Gesundheitssektors als Anlageobjekt haben zu einer Zunahme der Übernahmen geführt, wie die Studie anführt.

Zusammenfassend gilt:

  • Häufig wird eine "Buy-and-Build"-Strategie verfolgt, bei der fachgleiche Einrichtungen in eine neue Unternehmenskette integriert werden. Vor allem durch dieses nicht-organische Unternehmenswachstum sollen Skaleneffekte erzielt werden.

Blick auf die Zahlen

Fremdinvestoren behaupten gerne, ohne sie stünde die ländliche Versorgung vor dem Aus. Die Wahrheit ist: Höhere Fallwerte und Gesamtkosten je Fall im KCH-Bereich kennzeichnen das Abrechnungsgeschehen.

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  • Am Beispiel der Fachsparte Zahnmedizin zeigt sich, dass die übernehmenden Private Equity-Gesellschaften mehrheitlich bereits fachgleiche Ketten im europäischen Ausland betreiben.
  • Das Beispiel Zahnmedizin zeigt auch, dass die Expansion der Ketten vorrangig über den Kauf von Praxen geschieht, deren Inhaber eine Nachfolge-Lösung anstreben. Die Anzahl der verkaufsbereiten Praxisinhaber scheint gegenwärtig der hauptsächlich begrenzende Faktor für den Aufbau der Zahnmedizin-Ketten zu sein.

Neujahrsempfang der Zahnärzteschaft

Gestern fand der Neujahrsempfang von BZÄK und KZBV in Berlin statt. Beide appellierten, die Weichen für die Versorgung jetzt richtig zu stellen - und die Gründung Fremdinvestoren-geführter MVZ zu regulieren.

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  • Zwei Drittel der an den Übernahmen beteiligten Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz in einem Offshore-Finanzzentrum, wobei die meisten Fonds auf den Cayman Islands angesiedelt waren. An diese Standorte fließen die im deutschen Gesundheitssektor erzielten Gewinne.

Dentalketten: Die meisten Übernahme-Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz auf den Cayman Islands!

  • Bei der Untersuchung der Gründe für die gegenwärtige Aktivität an Übernahmen zeichnen sich zwei Ursachenkomplexe ab. Der eine Grund liegt in den regulatorischen Veränderungen des Gesundheitssektors in Deutschland. Die Übernahme von medizinischer Einrichtungen durch nicht-medizinische Investoren wurde in den Jahren 2004 beziehungsweise 2015 (Zahnmedizin) geöffnet. Der starke Boom der Übernahme seit rund eineinhalb Jahren liegt jedoch eher auf der Seite der veränderten Nachfrage nach Gesundheitseinrichtungen. Traditionell hatten Private Equity-Gesellschaften den Gesundheitssektor in Deutschland mit seinen komplexen wirtschaftlichen Geschäftsmodellen und seiner kleinteiligen Marktstruktur eher gemieden.

Ausführlich geht die IAT-Studie auf die jüngsten Entwicklungen der MVZ-Bildung im Bereich Zahnmedizin ein und verweist dabei auf die Dentalketten Zahnstation, Dr. Eichenseer/Z-Tagesklinik, Dent-Connect, Zahneins, Acura KonfiDents und Colosseum Dental.

Scheuplein, Christoph / Evans, Michaela / Merkel, Sebastian: 2019: Übernahmen durch Private Equity im deutschen Gesundheitssektor: eine Zwischenbilanz für die Jahre 2013 bis 2018. Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. IAT discussion paper, no. 19/01

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