Digital-Kampagne der Zahnärztekammern

Patienten unterschätzen Symptome und Folgen einer Parodontitis

Was wissen die Deutschen über Parodontitis? Eine forsa-Umfrage im Auftrag der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) liefert erstaunliche Antworten, die eine neue Informations-Kampagne aufgreift.

Als „stille“ Erkrankung mit relativ unspezifischen Symptomen wird eine Parodontitis von den Patientinnen und Patienten oft nicht wahrgenommen, warnt die BZÄK. Der Check beim Zahnarzt kommt häufig zu spät, so dass die Erkrankung unbemerkt und unbehandelt voranschreiten kann. Auch die Notwendigkeit einer nachhaltigen Behandlung, die nicht mit einem einmaligen Zahnarztbesuch endet, ist vielen nicht bekannt. Die Folge: Die Parodontitisprävalenz in Deutschland ist zu hoch.

Neue PAR-Richtlinie sichert nachhaltige Behandlung

Mit der neuen, seit Mitte letzten Jahres geltenden Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie) für GKV-Patienten soll die hohe Parodontitisprävalenz in Deutschland gesenkt werden. Dazu müssen Patientinnen und Patienten allerdings die Symptome kennen, wahrnehmen und ernst nehmen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen, so die BZÄK weiter.

Sie startet deshalb mit Unterstützung der Landeszahnärztekammern eine Aufklärungskampagne über die Risiken, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten einer Parodontitis. Im Mittelpunkt der Kampagne steht der sogenannte Paro-Check im Internet. Mit diesem kurzen Test können Patientinnen und Patienten niedrigschwellig online schnell und unkompliziert testen, ob der Verdacht auf eine Parodontitis besteht. Außerdem informiert die Webseite über die Symptome und die Behandlungsschritte einer Parodontitis.

Kampagne informiert über Symptome und Risiken

Ein Kurzfilm und verschiedene aufmerksamkeitsstarke Bildmotive stellen die Symptome einer Parodontitis in den Mittelpunkt. Der Kurzfilm wird zum Beispiel auf YouTube und auf Nachrichtenportalen als sogenanntes Pre-Roll vor Videobeiträgen geschaltet, die für die relevanten Altersgruppen interessant sind.

Die Bildmotive werden sowohl auf Social-Media-Portalen wie Facebook und Instagram als auch auf Nachrichten- und Gesundheitsportalen platziert. Ob Mundgeruch („Liegt es am Essen oder an Parodontitis?”) oder Zahnfleischbluten („Liegt es an der Zahnbürste oder an Parodontitis?”) – die Kampagne macht deutlich, dass eine Parodontitis die mögliche Ursache sein kann.

Effizienz durch digitale Fokussierung

Die Kampagne konzentriert sich auf digitale Kanäle, um durch sogenanntes Targeting gezielt jene Bevölkerungsgruppen zu erreichen, für die ein erhöhtes Risiko einer Erkrankung besteht. Digitale Kampagnen sind punktgenau und besonders effizient verglichen mit klassischen Kampagnen, die über Großflächenplakate oder Anzeigen in Tagesanzeigen kommunizieren, informiert die BZÄK.

Die Zahnarztpraxen können mitmachen und über die eigenen Kanäle die Motive verbreiten. Je verbreiteter die Motive, desto erfolgreicher die Aufklärungskampagne! Im Kampagnenverlauf werden zum Beispiel Kampagnenmotive für das Wartezimmer aufbereitet. Auch andere Facharztgruppen werden im Laufe des Jahres einbezogen, um die Wechselwirkungen einer Parodontitis mit anderen Krankheiten zu verdeutlichen. Begleitet werden diese Maßnahmen von laufender Medienarbeit zu Symptomen und Auswirkungen von Parodontitis, die zudem mit Umfragen zum Parodontitis-Wissen aktuelle Informationen für die Medien und die Öffentlichkeit bietet.

Betroffene sollen Symptome kennen und ernst nehmen

Im Fokus der Kampagne stehen vor allem die mittleren und älteren Altersgruppen ab 45 Jahren, weil diese besonders betroffen sind. Sie sollen sensibilisiert werden, die Symptome einer Parodontitis wahrzunehmen, den Paro-Check zu machen und regelmäßig Zähne und Zahnfleisch untersuchen zu lassen. Je früher eine Parodontitis erkannt und behandelt wird, desto besser der Therapieerfolg.

Eine vom 18. bis 22. Februar 2022 im Auftrag der BZÄK durchgeführte, repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa unter 1.001 Personen zeigt, dass vielen Deutschen wichtige Informationen rund um das Thema Parodontitis nicht bekannt sind: So kennt fast jeder fünfte Befragte (18 Prozent) weder den Begriff Parodontitis noch Parodontose. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren sind es sogar 59 Prozent, die diese Volkskrankheit nicht kennen. Nur 56 Prozent bringen richtigerweise Mundgeruch mit Parodontitis in Verbindung, gleichzeitig glauben 53 Prozent, Zahnschmerzen seien ein Symptom – was so nicht korrekt ist.

Minderheit unterschätzt die Risiken einer Parodontitis komplett

Symptome wie Zahnfleischbluten und freiliegende Zahnhälse werden von 88 beziehungsweise 78 Prozent der Befragten als Parodontitis-Symptome genannt. Jeder Achte (12 Prozent) hält eine Parodontitis für harmlos, aber vier von fünf Deutschen (82 Prozent) wissen, dass eine Parodontitis Auswirkungen auf die gesamte körperliche Gesundheit haben kann.

Immerhin etwa zwei Drittel der Befragten würden bei Symptomen wie Mundgeruch (63 Prozent) und Zahnfleischbluten (69 Prozent) den Zahnarzt oder die Zahnärztin aufsuchen. 40 Prozent allerdings würden bei Zahnfleischbluten lediglich eine weichere Zahnbürste benutzen, 36 Prozent einfach eine spezielle Zahnpasta. Jeder Zehnte würde bei Zahnfleischbluten sogar gar nichts unternehmen. Von den 18- bis 29-Jährigen – die ohnehin weniger über Parodontitis wissen – würde bei Zahnfleischbluten nur etwas mehr als die Hälfte zahnärztlichen Rat suchen.

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