Großinvestoren bedrohen zahnärztliche Versorgung

Westfalen-Lippes Zahnärzte schreiben offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn

Mit einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn warnen Kammer und KZV Westfalen-Lippe vor dem Eindringen von Investoren in die vertragsärztliche Versorgung. Anlass: Ein großer Finanzinvestor hat jetzt eine seine erste Niederlassung in Deutschland, und zwar in Münster eröffnet.

Unterzeichnet wurde der auf den 4. Juni datierte Brief von dem KZV-Vorstandsvorsitzenden, Dr. Holger Seib und seinem Stellvertreter Michael Evelt sowie von Kammerpräsident Dr. Klaus Bartling und dessen Stellvertreter Jost Rieckesmann. zm-mg

Die Niederlassung in Münster wurde von „Colosseum Dental“ eröffnet. Die Colosseum Dental Group ist ein europäisches Netzwerk aus Zahnarztpraxen und der Schweizer Unternehmensgruppe der Jacobs Holding AG zugehörig. Nach Starts in England, Teilen Skandinaviens, der Schweiz und Italien, baut Colosseum Dental nun auch in Deutschland einen Praxisverbund auf.

 

Das Schreiben im Originalwortlaut

Sehr geehrter Herr Minister Spahn!

Wir Zahnärzte in Ihrer politischen Heimat Westfalen-Lippe sind in großer Sorge um die Sicherstellung der Versorgung, die durch niedergelassene Zahnärzte freiberuflich, selbstständig und eigenverantwortlich gewährleistet wird. Das tun wir äußerst erfolgreich, durch eine qualitativ hochwertige Versorgung und engagierte Prävention haben wir Zahnärzte eine nachhaltige Verbesserung der Zahngesundheit in Deutschland erzielt, international belegen wir mittlerweile einen Spitzenplatz. Die Zahlen sind Ihnen bekannt. Innerhalb des gesamten medizinischen Sektors nehmen wir damit eine Sonderstellung ein.

Jetzt tritt in Westfalen-Lippe eine Situation ein, die wir bereits Ihrem Vorgänger intensiv vorgetragen haben, ohne dass die Gesundheitspolitik bisher reagiert hätte. Investoren mit Fremdkapital dringen in die vertragszahnärztliche Versorgung ein. Eine Investorengruppe aus den finanzstarken Golfstaaten hat eine kieferchirurgisch/zahnärztliche Klinik gekauft, ein Kaffeeröster, der europaweit bereits Umsätze von über 350 Millionen € mit aufgekauften Praxen realisiert, hat seine erste Niederlassung in Deutschland - in Münster - eröffnet. Münster gehört zu den finanzstärksten und gleichzeitig zahnmedizinisch bestversorgtesten Regionen in Westfalen-Lippe. Nicht eine Verbesserung der zahnärztlichen Versorgung ist das Ziel der Investoren, sondern maximaler Profit.

Wir stehen an einer Zeitenwende. Einerseits bemühen wir uns mit unseren Körperschaften nach allen Kräften, auch in Zukunft die flächendeckende zahnmedizinische Versorgung sicherzustellen. Wir nutzen intensiv alle Möglichkeiten, unseren beruflichen Nachwuchs für eine selbstständige eigenverantwortliche Tätigkeit niedergelassen in der eigenen Praxis zu begeistern. Gerade jetzt fangen kommerzielle MVZs an, eben diese für die zukünftige zahnärztliche Versorgung wichtige Gruppe zu locken.

Die bewährten bestehenden Praxen versucht man aufzukaufen - unter dem Deckmantel einer Netzwerkbildung. So sollen Großstrukturen bisher unbekannten Ausmaßes gegründet werden, die die selbstständigen, freiberuflichen und eigenverantwortlich tätigen Zahnärztinnen und Zahnärzte vom Markt drängen werden.

Kommerzialisierung ersetzt Eigenverantwortung der selbstständigen freiberuflichen Zahnärzteschaft, unsere Patienten werden zur Einnahmequelle dieser Großinvestoren. Sie werden nicht mehr individuell behandelt, um gesund zu werden, sondern um eine möglichst hohe Gewinnmaximierung dieser Konzerne zu sichern.

Die eingangs geschilderte sehr hohe Versorgungsqualität bleibt auf der Strecke. Wir fordern Sie deshalb dringend auf, endlich gesundheitspolitisch mit gesetzgeberischen Maßnahmen tätig zu werden, bevor es zu spät ist. Unsere Kammer- und Vertreterversammlung am 8./9. Juni wird sich intensiv mit dieser Thematik befassen.

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