Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

"Zahnmedizinisches Engagement in Medizinischen Zentren für Erwachsene mit Behinderung dringend erforderlich!"

Medizinische Zentren für die Behandlung von Erwachsenen mit Behinderung (MZEB) sollen dazu beitragen, die Betroffenen umfassend und angemessen zu betreuen – auch in Sachen Zahnmedizin.

Diskutierten gemeinsam das Thema MZEB: (v.l.) Dr. Gisela Goedicke-Padligur, Dr. Peter Engel, Prof. Dr. Andreas Schulte, San.Rat Dr. Michael Rumpf, Dr. Christian Junge und Dr. Anne Bredel-Geissler. DGZMK_Michelle Spillner

Unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Schulte, Uni Witten/Herdecke, stellte die AG Zahnmedizin für Menschen mit Behinderung oder besonderem medizinischen Unterstützungsbedarf (AG ZMB) in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) auf dem Deutschen Zahnärztetag die dringende Notwendigkeit solcher Zentren vor. „Auf diesem Feld gibt es für die Zahnmedizin noch einiges zu tun“, stellte Schulte fest. Zudem seien die im ganzen Bundesgebiet entstehenden MZEB auf die Mitwirkung von Zahnärzten angewiesen.

Gerade die Zahnpflege bleibt oft unzureichend

Dr. Anne Bredel-Geissler, Leiterin eines MZEB in Mainz, erläuterte zunächst aus medizinischer Sicht, wie sehr mit komplexen Behinderungen, insbesondere in Kombination mit geistiger Behinderung, regelhaft viele Beeinträchtigungen einhergehen, die sich wechselseitig beeinflussen. Die üblichen Instrumente von Diagnostik und Therapie würden hier häufig versagen. Maßnahmen der täglichen Pflege benötigten Erfahrung und Zeit. Gerade die Zahnpflege bliebe aus unterschiedlichen Gründen oft unzureichend.

Bredel-Geissler: „Die Prävalenz von Karies oder Parodontitis ist bei Menschen mit komplexen Behinderungen deutlich erhöht. Fehlende Mitteilungsmöglichkeiten führen oft zu atypischen Symptomen im Sinne problematischer Verhaltensweisen, die in Unkenntnis der Ursache durch pädagogische Maßnahmen oder Psychopharmaka therapiert werden.“

Mundhygiene und zahnärztliche Untersuchungen sind wesentlich

Sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen seien somit wesentliche Elemente für eine angemessene und zielführende Gesundheitsversorgung dieser Menschen. Die zahnärztliche Versorgung erfordere spezielle Kenntnisse der Behinderungsformen und Syndrome ebenso wie Erfahrung und Einfühlungsvermögen, wenn eine zielführende Behandlung gelingen solle.

Einblicke in diese Praxis gab San.-Rat Dr. Michael Rumpf. Der frühere Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz beschrieb die Behandlung von Menschen mit Behinderung im zahnärztlichen Alltag als eine besondere, aber interessante Herausforderung. Rumpf: „Die Behandlung schwerstbehinderter Menschen stellt uns vor große Probleme . Bei Erwachsenen ist durch die Einrichtung von medizinischen Zentren für die Behandlung von erwachsenen Behinderten nun eine neue Betreuungsform geschaffen worden.“

Eine zahnärztliche konsiliarische Tätigkeit in dieser Einrichtung zeige multiple Probleme einer nachhaltigen Versorgung auf. Dabei gehe es nicht nur um eine Lösung von Akutfällen, sondern um eine der UN-Behindertenrechtskonvention angepasste adäquate Versorgung dieser Patientenklientel. Dabei stünden Fragen wie die Mitwirkung von niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen bei der Behandlung im Wachzustand, in Sedierung oder in Vollnarkose im Mittelpunkt.

Ohne vorurteilsfreie Empathie ist eine Behandlung kaum möglich

Eines wurde in seinem bildgestützten Vortrag besonders deutlich: Ohne vorurteilsfreie Empathie und Zuwendung für diese Patienten ist eine Behandlung kaum möglich. Am Beispiel eines Patienten stellte Rumpf dar, wie sich über Vertrauensaufbau eine Basis für Behandlungen im Wachzustand schaffen lässt. Mit seiner Anwesenheit während der Session unterstrich auch der Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Peter Engel, die Bedeutung des Themas.

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