Entwurf verabschiedet

Zahnmedizinstudium: Kultusminister einigen sich auf neues Zulassungsverfahren

Lange Zeit hing die Entscheidung für ein neues Zulassungsverfahren in der Schwebe. Nun haben sich die Kultusminister geeinigt. Das neue Zulassungsverfahren erscheint gerechter, aber auch komplizierter.

Die aktuellen bundes- und landesgesetzlichen Vorschriften zur Studienplatzvergabe im Fach Medizin sind teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar, urteilte das Bundesverfassungsgericht vor einem Jahr - nun haben sich die Länder auf eine Reform für die Zulassung geeinigt. Adobe Stock/danr13

Bei der Vergabe von Studienplätzen in den Studiengängen Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie sollen künftig auch andere Kriterien als die Abiturnote berücksichtigt werden. Die Möglichkeit, einen Platz über Wartesemester zu bekommen, soll ganz entfallen. Das geht aus dem Entwurf für einen Staatsvertrag über die Hochschulzulassung hervor, der auf der Kultusministerkonferenz am 6. Dezember in Berlin verabschiedet wurde.

Der Entwurf sieht vor, dass künftig 30 statt wie bisher 20 Prozent der Plätze an die Besten eines Abiturjahrgangs gehen sollen. Damit werde laut der Kultusministerkonferenz den "vielfachen wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung getragen, wonach die Abiturdurchschnittsnote Aufschluss gibt über allgemeine kognitive Fähigkeiten und persönlichkeitsbezogene Kompetenzen, wie Motivation, Fleiß und Arbeitshaltung".

Länderspezifische Unterschiede in den Abiturnoten sollen quotenübergreifend auf der Basis von Prozentrangverfahren und unter Bildung von Landesquoten ausgeglichen werden.

Zusätzliche Chancen durch "Talentquote"

Neu eingeführt wird die sogenannte "zusätzliche Eignungsquote" im Umfang von 10 Prozent. Sie eröffnet Bewerbern Chancen unabhängig von den im Abitur erreichten Noten. Für die Auswahl kommen hier nur schulnotenunabhängige Kriterien in Betracht, wie zum Beispiel berufliche Vorerfahrung.

Das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) soll laut Kultusministerkonferenz im bisherigen Umfang von 60 Prozent erhalten bleiben - allerdings nicht mehr allein auf Basis der Note eines Bewerbers. Stattdessen müssen die Hochschulen in Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie je ein schulnotenunabhängiges Kriterium berücksichtigen, in der Medizin sogar zwei. Ein fachspezifischer Studieneignungstest wird als verbindliches Kriterium für die Auswahlentscheidung vorgegeben.

Kultusminister beraten über Zulassungsverfahren

Die Kultusminister der Länder arbeiten intensiv an den Eckpunkten für ein neues Zulassungsverfahren zum Medizinstudium. Unter anderem soll die sogenannte Wartezeitquote künftig wegfallen.

mehr

Der Entwurf sieht außerdem vor, dass bis zu zwei Zehntel der zur Verfügung stehenden Studienplätze für sogenannte "Vorabquoten" vorbehalten werden. So können die Länder auch beruflich Qualifizierten ohne Abitur den Weg zum Medizinstudium ebnen.

"Insgesamt wird das Verfahren deutlich komplexer", kritisiert der Medizinische Fakultätentag (MFT). Bislang hätten die Fakultäten die Möglichkeit gehabt, über "individuell auf die Bewerber eingehende und auf ihr Profil zugeschnittene aufwändige Auswahlverfahren Studierende auszusuchen".

Der Spielraum für die Weiterentwicklung und Durchführung solcher neuer, innovativer Verfahren werde jedoch deutlich eingeschränkt. "Dennoch freuen wir uns, dass nun im Rahmen des vorgegeben Zeitplans Klarheit geschaffen wurde", kommentiert MFT-Generalsekretär Frank Wissing die Entscheidung der Kultusministerkonferenz.

Urteil des Bundesverfassungsgerichts

Die bundes- und landesgesetzlichen Vorschriften zur Studienplatzvergabe im Fach Medizin sind teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar, urteilte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

mehr

Anlass für die Neuregelung des Zulassungsverfahrens ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 19. Dezember 2017. Das Gericht hat die bundes- und landesgesetzlichen Vorschriften über das Verfahren zur Vergabe von Studienplätzen an staatlichen Hochschulen, soweit sie die Zulassung zum Studium der Humanmedizin betreffen, für teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt und dem Gesetzgeber aufgegeben, bis zum 31. Dezember 2019 Neuregelungen zu schaffen, die die verfassungsrechtlichen Beanstandungen beseitigen.

Über die Reform des Zulassungsverfahrens müssen die Finanzminister- sowie die Ministerpräsidentenkonferenz noch beraten, anschließend muss der Staatsvertrag in den Landesparlamenten ratifiziert werden. Die Neuerungen sollen frühestens zum Sommersemester 2020 in Kraft treten.

19652821947090194709119470921965283 1946726 1947093
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare