Praxis

Adipöse Kinder in der Praxis

Zahnbett, Zahnfleisch und Kieferknochen sind bekanntlich durch Hormone gesteuert. Die Hormonkonzentration adipöser Kinder unterscheidet sich deutlich von der normalgewichtiger Kids. Was Zahnärzte und Eltern wissen sollten.

Körperfett wirkt wie eine Hormonfabrik. Adipöse Kinder gelten demnach als "hormonell weiter" als normalgewichtige Altersgenossen - dies hat Auswirkungen auf die Mundgesundheit. IKG-Ratgeber

Die Initiative Kiefergesundheit (IKG) hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) den Ratgeber "Übergewicht und andere Ernährungsstörungen - Einfluss auf die Mundgesundheit" herausgegeben. Einen Überblick über die wichtigsten Fakten und Tipps aus dem Ratgeber finden Sie hier:


Wie Adipositas und Mundgesundheit zusammenhängen

  • Adipöse Kinder "reifen" schneller als normalgewichtige. Ihre Wachstumsphasen liegen entsprechend früher, weshalb eine klassische kieferorthopädische Maßnahme bei adipösen Kindern auch früher beginnen muss. Schätzungen gehen von rund einem halben Jahr Unterschied in der Wachstumsentwicklung aus.
  • Zudem scheint das Zahnbettgewebe auf die Entwicklungen der kieferorthopädischen Apparaturen bei stark übergewichtigen Kindern nicht in gleicher Weise zu reagieren wie bei normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen. Die Behandlungsdauer kann sich dementsprechend verlängern.

  • Körperfett wirkt wie eine Hormonfabrik. Adipöse Kinder gelten demnach als "hormonell weiter" als normalgewichtige Altersgenossen - dies hat auch Auswirkungen auf die Wundheilung.
  • Bei Erwachsenen hat man beobachtet, dass Parodontitis bei stark Übergewichtigen deutlich schlechter ausheilt als bei Normalgewichtigen. Dabei schließen die Wissenschaftler nicht aus, dass zum biologischen Effekt ein sozialverstärkender hinzukommt. Zudem ist bei starkem Übergewicht das Risiko erhöht, dass sich eine Parodontitis entwickelt. Der Anteil an Entzündungsbotenstoffen ist bei Adipösen deutlich höher als bei Normalgewichtigen.
  • Kinder und Jugendliche mit starkem Übergewicht müssen besonders intensiv Zahnbelag auf den Zähnen und am Zahnfleischrand entfernen, um das Risiko zu senken, eine Zahnfleisch- und sich darauf aufbauende Zahnbett-Entzündungen zu entwickeln.
  • Empfohlen wird außerdem eine regelmäßige PZR sowie die Umstellung auf eine kohlenhydratarme Ernährung.

  • Schnarchen und Atemstörungen in der Nacht kommen bei adipösen Kindern häufiger vor. Dabei kann es zur Austrocknung des Mundes kommen und damit zu einer Reduktion des Speichelflusses. Mit diesen Einschränkungen ist ein wichtiger Karies-Schutz-Faktor schwächer ausgeprägt als bei Normalgewichtigen.
  • Ein zusätzliches Problem kann es bei der Anästhesie geben: Vermehrtes Fettgewebe im Wangen- und Rachenraum kann die Intubation erschweren. Zudem fällt das entspannte Gewebe nach der Narkose in den Atembereich und beengt die Atemwege. Nach einer Intubation leiden rund doppelt so viele übergewichtige Kinder unter Husten wie Normalgewichtige.

  • Da Kinder mit starkem Übergewicht nicht selten unter Bluthochdruck und/oder Asthma leiden, sind auch solche Begleiterscheinungen bei der Anästhesie-Planung zu beachten. Allerdings zeigen Studien auch: Das Risiko, dass es bei Lokalanästhesie Komplikationen gibt, ist zwar bei stark übergewichtigen Kindern im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern nur minimal erhöht.


  • Die Thematisierung der Adipositas ist aufgrund der hormonellen Veränderungen genauso wichtig und für die Behandlung relevant wie beipielsweise das Thema Schwangerschaft.
  • Zudem muss das erhöhte Körpergewicht des Kindes aus einem rein technischen Grund angesprochen werden: Bei klassischen Behandlungseinheiten liegt die Beladungsgrenze bei 135 Kilo, bei manchen Behandlungseinheiten bei bis zu 180 Kilo. Geräte, die für die Kinderbehandlung gedacht sind, sind meist auf niedrigere Beladungsgrenzen ausgerichtet.
  • Sollte das Gewicht des Kindes über dem erlaubten Limit der Behandlungseinheit liegen, ist diese für die Beladung genau genommen nicht mehr zugelassen, zumindest, wenn der Motor für die Sitzeinstellungen in Anspruch genommen werden soll. Für den Fall eines Unfalls oder eines technischen Defekts kommt dann keine Haftpflichtversicherung auf.

  • Ist das Kind zu schwer für den Stuhl, muss für die Behandlung eine alternative Lösung gefunden werden. Das kann bedeuten, dass die Behandlung auf einer anderen, für Erwachsene ausgerichteten Einheit stattfindet. Vielleicht ist sie im Sitzen auf der Einheit ohne "hochfahren" und Liegeposition möglich, vielleicht aber auch nur auf einem normalen Stuhl aus dem Praxismobiliar.
  • Eventuell muss für die Behandlung auch an eine Praxis oder Klinik überwiesen werden, die über spezielles technisches Mobiliar verfügt.
  • Dies ist kein Affront gegenüber den übergewichtigen Patienten, sondern ein Schutz - gegenüber dem Patienten, aber auch der Praxis: Für einen möglichen Unfall muss sie haften - und unsachgemäße Nutzung ist nicht versicherbar. Es ist daher von gegenseitigem Interesse, sich vertrauensvoll untereinander abzustimmen und für die Situation sowie das Kind die beste und sicherste Lösung zu suchen.


  • 1997 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Adipositas als Krankheit eingestuft. Sie gilt als chronische Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung, die zu starkem Übergewicht führt.
  • Die WHO hat einen Body-Mass-Index von 30kg/m² bei Erwachsenen als Grenzwert - zur Unterscheidung von Übergewicht und Adipositas - definiert.
  • Das Robert Koch-Institut (RKI) stellt fest: "In Deutschland sind je nach Definition 10 bis 20 Prozent aller Schulkinder und Jugendlichen als übergewichtig beziehungsweise adipös einzustufen."
  • Laut RKI steigt der Anteil betroffener Kinder mit deren Lebensalter: In der Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen sind rund 9 Prozent von Übergewicht und rund 3 Prozent von Adipositas betroffen, bei den 14- bis 17-Jährigen sind rund 17 Prozent übergewichtig und 8,5 Prozent adipös.




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